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Gefahr springt mit: Wasserspringer sind keine "Weicheier"

Olympia Gefahr springt mit: Wasserspringer sind keine "Weicheier"

Spektakuläre Salti und Schrauben haben ihren Preis in einer Risikosportart. Die Wasserspringer lassen sich von Schmerzen selten bremsen. Rekordeuropameister Patrick Hausding hofft bei Olympia auf Wettkampf-Eifer und Adrenalin.

Wasserspringer müssen leidensfähig sein, und manchmal auf in verfärbtes Wasser eintauchen.

Quelle: Felix Kästle

Rio de Janeiro. Bei aller Eleganz der artistischen Sprünge von Brett und Turm - Wasserspringer müssen leidensfähig sein.

Von Arthrosen, abgerissenen Zehennägel oder verletzten Kapseln lassen sich Rekordeuropameister Patrick Hausding & Co. nicht bremsen. Seit Wochen plagen den 27-Jährigen Schulterprobleme, mit Schmerzmitteln hält er durch.

"Es könnte vom Schmerzempfinden ein bisschen unangenehm werden. Aber da baue ich mir genug Adrenalin und Wettkampf-Eifer auf, dass ich das gut über die Runden bekomme", sagt der Synchronsprung-Weltmeister von 2013 vor der olympischen Konkurrenz vom Drei-Meter-Brett.

Der Schmerz ist ein Dauerbegleiter im Kampf um Platzierungen und Medaillen. "Ein Weichei darf man nicht sein", sagte Lutz Buschkow schon. Es sei nunmal eine "Risikosportart", betont der Wassersprung-Bundestrainer. Gar mit ausgerenkter Schulter beendete Martin Wolfram 2012 das Olympia-Finale vom Turm. Nun hat der Dresdner Arthrose am Schultereckgelenk - mit 24 Jahren.

"Es gibt einen Kontrast: Man könnte sich besser schützen durch mehr Muskelmasse, aber das wäre kontraproduktiv zu den Anforderungen in der Sportart", erklärte Hausding im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Verschleiß gehört leider dazu. Aber wir machen den Sport trotzdem gerne, weil er einfach spektakulär und schön anzuschauen und einzigartig ist."

Bei 12 000 bis 16 000 Sprüngen pro Jahr geht auch mal etwas schief, manchmal fehlt die Zeit zum richtigen Eintauchen. Vom Turm treffen Springer nach bis zu vier Salti oder mehreren Schrauben mit 60 Stundenkilometern kopfüber aufs Wasser. Bremskräfte wirken vor allem auf Handgelenken und Schultern. Hausding spürt die lädierte Schulter aber eher bei vorwärtsdrehenden Sprüngen vom Brett.

Eine Cortison-Spritze bekam er in die Schulter, täglich nimmt er eine Schmerztablette. "Ich werde nach den Wettkämpfen die Schmerzmittel absetzen und dann werde ich natürlich alles merken, was sich über die letzten Wochen aufgebaut hat", sagte Hausding in Rio. "Das wird schlimm, aber ich muss dann ja erstmal nicht springen."

Der 27-Jährige ist hart im Nehmen. Bei der WM 2015 riss er sich bei einem missglücktem Absprung vom Drei-Meter-Brett Zehennägel ab. Er sprang weiter. Nach einem Bauchklatscher vom Turm rissen einmal mehrere Kapillargefäße, innere Verletzungen mussten medizinisch abgeklärt werden.

"Das war schon ein ordentlicher Kracher, den ich 2012 beim Springertag in Rostock hingelegt habe", erinnerte sich Hausding. "Wenn man den Turm touchiert, erschreckt man erst nur und weiß noch gar nicht, was passiert, fliegt dann orientierungslos durch die Gegend. Man merkt es erst, wenn es unten kracht." Grundrespekt ist immer dabei, nach längeren Pausen wundert sich der Olympia-Zweite von 2008 sogar selbst manchmal über die Höhe.

Nora Subschinski und Maria Kurjo machten ebenfalls gefährliche Erfahrungen vom Turm. Kurjo knallte zweimal mit dem Kopf gegen die Beton-Plattform und musste von Bundestrainer Buschkow schon bewusstlos aus dem Wasser gezogen werden. Subschinski lässt nach einer komplizierten Halswirbel-Operation das Turmspringen sein und konzentriert sich auf das Drei-Meter-Brett.

dpa

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