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Olympia 2016
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Der stille und höfliche Held: Turner Tobas tapfere Großtat

Olympia Der stille und höfliche Held: Turner Tobas tapfere Großtat

Der heldenhafter Einsatz von Pechvogel Andreas Toba wird in Erinnerung bleiben. Mit seiner Bravourleistung am Pferd rettete er trotz Kreuzbandriss den Einzug in das Team-Finale.

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Marcel Nguyen an den Ringen.

Quelle: How Hwee Young

Rio de Janeiro. Am Tag danach saß der deutsche Turn-Held mit einer Stützschiene im Olympischen Dorf und nahm sogar höflich das geschwollene Bein vom Stuhl, um beim Interview einen Platz anzubieten. "Mit dem Knie geht es so weit, es ist halt kaputt", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Ich habe nicht zu große Schmerzen. Was viel mehr weh tut, sind Herz und Seele." Seine Riesen-Tat, mit einem kaputten Kreuzband seiner deutschen Riege ins Finale zu verhelfen, hat für großes Aufsehen am ersten olympischen Wochenende in Rio de Janeiro gesorgt.

Nach seinem bitteren Aus hat Toba zwei große Wünsche. "Ich will, dass meine Kollegen morgen einen richtig geilen Wettkampf turnen. Und mein größter Wunsch ist, dass alle gesund bleiben", sagte der 25-Jährige. Und er möchte unbedingt in der Halle dabei sein, "und den Jungs zugucken". Am liebsten im Innenraum bei seinen Kollegen, Details muss er aber noch klären: "Ich will da auch nicht stören."

Mit seinem enorm tapferen Auftritt hat Toba auch die brillante Reck-Gala von Fabian Hambüchen in den Hintergrund gedrängt. Gepeinigt von Schmerzen schoss es dem schwer verletzten deutschen Meister auf der Krankenpritsche durch den Kopf: "Du musst dem Team helfen und am Pferd turnen. Wir sind hier nicht bei irgendeiner Gau-Meisterschaft", sagte der Niedersachse unmittelbar nach dem Wettkampf mit Tränen in den Augen.

Kurz zuvor hatten ihn Helfer aus der Olympic-Arena getragen und Teamarzt Hans-Peter Boschert die verheerende Diagnose gestellt: Kreuzbandriss. Später stellte sich heraus, dass auch der Innenmeniskus lädiert ist. Entsetzt blickten die Deutschen drein, als Toba nach verunglückter Landung am Boden mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammensackte. "Auf einmal hat es gekracht, und ich konnte das Bein nicht mehr halten", schilderte er den Moment des Schreckens.

Doch ein Aufgeben gibt es für Toba nicht. Als ihn die Kampfrichter schon aus den Startlisten gestrichen hatten, humpelte der 25-Jährige auf das Podium und setzte am Pauschenpferd seinen Wettkampf fort. Mit 14,233 Punkten turnte er die höchste Wertung der Deutschen und sicherte dem Team auf Rang acht schließlich den Finalstart am Montag. Sogleich machte das Wort vom "Hero de Janeiro" die Runde.

Wann Toba nach Deutschland zurückreist, wann und wo er operiert wird und wo die Reha stattfinden wird - "das ist noch alles unklar", sagte der Unglücksrabe.

Seine Team-Gefährten konnten ihre Wertschätzung kaum in Worte fassen. "Als ich den Sturz sah, hat es mir das Herz gebrochen", bekannte Marcel Nguyen. "Ich weiß, wie er im Training gekämpft hat." Fabian Hambüchen verneigte sich: "Ich zieh den Hut vor Andy. Respekt. Das hätte nicht jeder gemacht. Dass wir es geschafft haben, ist auf Andys Mist gewachsen."

Hambüchen trägt nach seiner glanzvollen Reck-Darbietung nun allein die Medaillen-Hoffnungen. Nach Bronze in Peking und Silber in London möchte er seine Laufbahn im letzten Wettkampf möglichst mit der dritten Olympia-Plakette krönen. "Der Druck war groß. Das war ein Riesen-Befreiungsschlag", meinte der Vorturner, nachdem er das Publikum mit wedelnden Armen und Power-Gesten aufgeputscht hatte.

In Erinnerung bleiben vom Samstag auch noch die Bilder einer grausamen Beinverletzung des französischen Turners Samir Ait Said. Ein Aufschrei ging durch das Publikum, als der Europameister von 2013 im bei seinem Sprung so unglücklich auf dem linken Bein landete, dass der Unterschenkel quer stand. Diagnose: Durchbruch des Unterschenkels. Am Sonntag postete aber schon wieder Grüße via Facebook aus dem Krankenhaus.

dpa

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