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Speer-Spektakel - Röhler: Atemberaubende Kulisse

Leichtathletik Speer-Spektakel - Röhler: Atemberaubende Kulisse

Die Stadien sind groß genug für 100-Meter-Würfe. Sagt Speerwerfer Thomas Röhler. In Amsterdam muss der Favorit auf EM- und Olympia-Gold seinen Job aber außerhalb der Arena verrichten: In der Qualifikation fliegt der Speer vor dem Rijksmuseum.

Amsterdam. Wenn etwas durch die Luft fliegt, dann ist Thomas Röhler begeistert. Dann ist er in seinem Element. Schon Klein-Thomas warf gern Steine am Strand herum.

Und 15 Jahre später, da schleudert Herr Röhler den Speer weit über die 90 Meter hinaus. Das ist Weltklasse. Und darum ist der Thüringer nun einer der Goldfavoriten bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Amsterdam.

Schon in der Qualifikation am Mittwoch gehört der Jenaer zu den Attraktionen in der niederländischen Hauptstadt. Dann schweben die 800-Gramm-Speere aber noch nicht durchs Olympiastadion von 1928, sondern schwirren über den Museumplein. Vorkämpfe mit Speer und Diskus gehen auf einer großen, abgesperrten Rasenfläche vor dem Rijksmuseum der niederländischen Hauptstadt über die Bühne.

"Das ist eine spannende neue Situation für uns, eine mutige Entscheidung. Das Gute liegt manchmal so nah", sagt der beste deutsche Speerwerfer vor seinem zweitwichtigsten Wettkampf der Saison. "Die Kulisse ist wirklich atemberaubend."

Röhler ist Speerwerfer mit Leib und Seele, er schaut aber auch über den Tellerrand hinaus. "Es gibt viele Leichtathletik-Interessierte, aber wir müssen attraktiv bleiben", meint er. Den Speerwurf "nach draußen" zu holen, aus dem Stadion, mitten in die Stadt - genau das ist aus seiner Sicht eine gute Lösung.

Allerdings passt das auch nicht überall, erklärt Röhler. "Wir werfen über 90 Meter, da muss die Sicherheit gegeben sein." Sorgen macht er sich vor dem Speer-Spektakel auf dem Museumplein aber nicht. Die Fans stehen in sicherem Abstand, und die Asse haben's eben drauf. "Es ist anzunehmen", sagt Röhler grinsend, "dass alle Athleten, die die EM-Quali haben, den Speer auch geradeaus werfen und im Sektor halten können."

Das Finale steigt dann am Donnerstagabend im Stadion - und Röhler ist wohl oder übel der Gold-Favorit. Das hat sich der Mann vom LC Jena selber eingebrockt. Am 29. Juni sorgte er im finnischen Turku für eine Sternstunde der Leichtathletik: Zweimal flog der Speer in einem Wettkampf über 91 Meter - 91,04 und 91,28 Meter.

Seit 20 Jahren hat kein deutscher Athlet weiter geworfen. Nur der Magdeburger Raymond Hecht steht in der "ewigen" Rangliste mit dem deutschen Rekord von 92,60 Metern vor ihm. Röhler ist jetzt die Nummer 11 in der Welt und gehört zum illustren Club jener 15 Männer, die mit dem neuen Speer die 90-Meter-Marke geknackt haben.

Die vielen Glückwünsche nach seinem Wahnsinnswurf haben ihm gut getan, Schulterklopfer braucht er sowieso nicht. "Es geht darum", sagt er, "wieder so weit und möglichst noch weiter zu werfen." Röhler ist noch nicht am Ende seiner Mission. "Speerwerfer sind nie fertig", lautet einer seiner Lieblingssätze. "Selbst wenn ich 100 Meter werfe, ist das Stadion immer noch lang genug." Und überhaupt: "Mein Trainer hat gesagt, es gibt nur physikalische Grenzen."

dpa

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