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Skandal beim IAAF: Mehr Fragen als Antworten

Leichtathletik Skandal beim IAAF: Mehr Fragen als Antworten

Die olympische Kernsportart steckt wenige Monate vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im tiefen Dopingsumpf. Dabei geht es längst um viel mehr als nur um russische Athleten.

Frankfurt/Main - Der Leichtathletik-Weltverband IAAF wird an diesem Donnerstag wieder neuen Vorwürfen ausgesetzt sein. Die unabhängige Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA präsentiert in München Teil zwei der Ermittlungen im Doping- und Korruptionsskandals.

Zum Sumpf bei der IAAF sind längst noch nicht alle Fragen beantwortet:

Was hat die

WADA

bisher aufgedeckt?

Bei der Vorstellung des ersten Reports am 9. November durch die kanadischen Sonderermittler Richard Pound und Richard McLaren sowie den Münchner Kriminaldirektor Günter Younger gaben die IAAF und die russische Leichtathletik ein desaströses Bild ab. "Russland scheint ein staatlich unterstütztes Dopingsystem unterhalten zu haben", sagte Pound damals und erhob sprach schwere Vorwürfe gegen den russischen Sportminister Witali Mutko. Er solle persönlich angeordnet haben, "bestimmte Dopingproben zu manipulieren".

Welche Konsequenzen hatte dies?

Die IAAF hat Russlands Leichtathleten suspendiert, und es droht weiter der Olympia-Ausschluss in Rio de Janeiro. Die WADA suspendierte zudem die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA. Der russische Verband versicherte, alles zu tun, um in die IAAF-Familie zurückkehren zu können. Die Zeit wird aber knapp, Kritiker haben zudem Zweifel, dass ein schneller Systemwandel überhaupt machbar ist.

Wie reagierte der Weltverband ansonsten?

Erst jetzt gab es eine offizielle Stellungnahme auf der ersten WADA-Bericht. Es habe "keine systematische Korruption" und keinen Dopingfall gegeben, der nicht sanktioniert wurde. Zudem sei nur "eine sehr kleine Anzahl von ehemaligen mit der IAAF assoziierten Personen" von den Korruptionsvorwürfen betroffen.

Was sind die neuesten Vorwürfe?

Interne Dokumente aus der IAAF-Zentrale in Monte Carlo, die der Nachrichtenagentur AP zugespielt wurden, sollen belegen, dass der Weltverband seit 2009 vom massiven Doping in Russland wusste.

Welche Funktionäre hat es bisher erwischt?

Gegen den langjährigen IAAF-Präsidenten Lamine Diack hat die französische Justiz Anklage erhoben. Er soll gegen Geld Dopingfälle vertuscht haben. Im Fall des Senegalesen gab es noch keine Entscheidungen. Dafür hat die Ethikkommission der IAAF Diacks Sohn Papa Massata, der einige krumme Geschäfte für seinen Vater abgewickelt haben soll, sowie den früheren IAAF-Schatzmeister Walentin Balachnitschjow aus Russland und den russischen Langstrecken- und Geher-Cheftrainer Alexej Melnikow lebenslang gesperrt. Der einstige Anti-Doping-Direktor des Weltverbandes, Gabriel Dollé aus Frankreich, wurde wegen "Mitwisserschaft" für fünf Jahre gesperrt.

Welche Rolle spielt

Diack-Nachfolger

Sebastian Coe?

Dem Briten konnte bislang keine Mitwasserschaft nachgewiesen werden. Der Olympiasieger von 1980 und 1984 und Olympia-Organisator von London 2012 will sich als Erneuerer hervortun. Allerdings war Coe viele Jahre IAAF-Vizepräsident unter Diack. Und sein heutiger Büroleiter Nick Davies hat im Zuge des Dopingskandals sein Amt erstmal niedergelegt. Er soll vor der WM 2013 in Moskau versucht haben, die Ausmaße des Problems in Russland zu verschleiern.

Was ist mit den deutschen Funktionären?

Der langjährige IAAF-Vize Helmut Digel, der sich in verschiedenen Funktionen immer im Anti-Doping-Kampf profiliert hat, erklärte, dass dieser bei der IAAF gescheitert sei. Der Tübinger Soziologe beteuert: "Ich kenne niemanden aus unserem Council, der Wissen von diesen Betrügereien unserer hauptamtlichen Mitarbeiter und - wie ja nun auch vermutet wird - unseres Präsidenten gehabt hat." Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop, schafft es als Digel-Nachfolger nicht in die Führung des Weltverbandes - wohl auch, weil der Jurist um einen sauberen Sport kämpft.

dpa

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