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Rehm will für Olympia-Traum geduldig bleiben

Olympia Rehm will für Olympia-Traum geduldig bleiben

Markus Rehm springt mit Prothese weiter als viele Weltklassesportler ohne Behinderung. Bei Olympia darf er aber nicht antreten - zumindest vorerst nicht. Den Traum aufgegeben hat er aber längst noch nicht. Die Funktionäre will er dafür im Dialog und ohne Klage überzeugen.

München. Als Verlierer fühlt sich Markus Rehm nicht - auch ohne Olympia in Rio. Der Behindertenathlet hatte sich mit den besten Weitspringern der Welt messen wollen, es wäre ein historischer Wettkampf von Sportlern mit und ohne Handicap gewesen.

Weil der Leichtathletik-Weltverband IAAF aber abblockte, zog Rehm den Gang vor den Sportgerichtshof CAS in Erwägung. Der Paralympics-Champion wollte die Chance unbedingt ergreifen. Nach einem Gespräch mit der IAAF zog er in der Vorwoche dann aber zurück. Hat er aufgegeben? Nein, sagt der 27-Jährige im Gegenteil: "Wir haben unglaublich viel gewonnen und gar nichts verloren."

Der Leverkusener will sich den Optimismus nicht nehmen lassen - dafür hat er in seiner Karriere entgegen vieler Widerstände schon zu viel erreicht. Als Teenager wurde er beim Wakeboarden von einem Boot überfahren. Sein rechtes Bein geriet dabei in eine Schiffsschraube und musste unterhalb des Knies amputiert werden. Danach wurde er zum herausragenden Prothesen-Weitspringer, 2012 Paralympics-Champion und schlug bei der Deutschen Meisterschaft 2014 sogar alle nicht-behinderten Starter.

Im Wettkampf ist Rehm kaum zu stoppen - im September ist ihm weiteres paralympisches Gold kaum zu nehmen. Beim zähen Ringen mit den Funktionären sieht es anders aus. Weil gleich mehrere Gutachten nicht zweifelsfrei beweisen konnten, dass ihm seine Prothese keinen Vorteil verschaffe, darf er bei Olympia nicht starten. Das wurde bei einem Treffen mit IAAF-Generalsekretär Jean Gracia am Freitag bestätigt.

Das kurze Meeting in Monaco wertet Rehm aber langfristig als Erfolg. Der Sportler ist überzeugt, bei der IAAF auf offene Ohren gestoßen zu sein. In einer Arbeitsgruppe will er mithelfen, spätestens bis zur WM 2017 eine Lösung im Dauerstreit zu finden. Der Wille beim Weltverband sei da. "Sie haben mich mit einem offenen und ehrlichen Gespräch überzeugt", berichtete Rehm der Deutschen Presse-Agentur am Rande eines Sponsorentermins (Allianz) in Unterföhring. Wenn er für die Lösung "meine persönlichen Dinge etwas zurückstecken muss, ist das doch ein schöner Grund und der richtige Moment", ergänzte er.

Rehm meint, dass ein Start in Rio auf juristisches Biegen und Brechen der falsche Weg ist - wenn auch der persönlich einfachere. "Ich hätte ein paar Juristen sagen können: Kümmert euch darum! Aber so kann man mehr erreichen. Es geht darum, die Athleten weiter zusammenzuführen."

Dass sich die IAAF angesichts eines drohenden CAS-Prozesses vehement wehrte, kann er verstehen. "Wenn mir jemand die Pistole auf die Brust setzt, würde ich ihn auch nicht in mein Haus reinlassen", sagt er.

Rehm will nicht der Buhmann sein und niemandem etwas wegnehmen. Dass es bei der IAAF etwa Bedenken gab, wie seine Leistung zu werten sei und wie man ihn bei Olympia auszeichnen sollte, verwunderte ihn. "Mir geht es darum, meinen Sport zu präsentieren und um die sportliche Herausforderung. Ich brauche keine Medaille!", sagt der Weitspringer.

Was er will, ist Fortschritt im Dauerstreit. Rehm nimmt die IAAF in die Pflicht, die Arbeitsgruppe soll "bis zum Ende des Jahres" auch Ergebnisse liefern. Sollte der Dialog mit den Funktionären nicht wie erhofft konstruktiv verlaufen, ist auch das Thema CAS nicht vom Tisch. "Die Option ist für mich nicht gestorben", betonte Rehm.

dpa

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