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Nicht alles Gold: Behindertensportler üben Kritik an WM

Behindertensport Nicht alles Gold: Behindertensportler üben Kritik an WM

Die deutschen Leichtathleten haben bei den Para-Weltmeisterschaften in Katar tolle Ergebnisse erzielt - und mit Markus Rehm den neuen Star der Szene im Team gehabt. Doch in dem Emirat, das 2022 die Fußball-WM ausrichten wird, ist nicht alles Gold, was glänzt.

Doha. Erfolge auf der einen, leere Ränge und oft grenzwertige Wettkampfbedingungen auf der anderen Seite: Die deutschen Leichtathleten haben bei den Weltmeisterschaften der Behindertensportler mit starken Leistungen ihre Medaillenambitionen für die Paralympics in Rio de Janeiro untermauert.

Doch trotz der tollen Ergebnisse gab es von Athleten und Trainern nach dem Saisonhöhepunkt in Katar auch viel Kritik. Die Hitze von fast 40 Grad Celsius war an der Grenze des Zumutbaren, und auch die gähnende Leere im Suhaim Bin Hamad Stadium in Doha war ernüchternd.

Das sportliche Fazit mit 24 Medaillen (8 Gold, 7 Silber, 9 Bronze) und Platz acht in der Medaillenwertung fiel positiv aus. "Ich denke, wir können zufrieden sein", sagte Markus Rehm, der nicht nur durch seinen fantastischen Weitsprung-Weltrekord von 8,40 Metern und dem WM-Titelhattrick der Star der Titelkämpfe war.

Gold holten auch Marianne Buggenhagen (Diskus und Kugel), David Behre (400 Meter), Vanessa Low (Weitsprung), Sebastian Dietz (Kugel) und Martina Willing (Speer). Rehm und Behre liefen zusammen mit den WM-Debütanten Felix Streng und Johannes Floors zum Abschluss am Samstag in der 4x100-Meter mit Europarekord überlegen zum Titel. Insgesamt sicherten sich die Deutschen zwölf Startplätze für Rio.

Bundestrainer Willi Gernemann war angesichts der Ausfälle der Goldkandidaten Heinrich Popow, Birgit Kober und Mathias Mester zufrieden, zumal mit Streng, Floors und Leon Schäfer auch junge Nachwuchshoffnungen für Achtungserfolge sorgten: "Zehn Monate vor Rio ist das Leistungsniveau mit 54 Weltrekorden explodiert. Wir haben aber mitgehalten." Neben Rehm sprang auch Vanessa Low Weltrekord, zudem stellten die Deutschen zahlreiche Bestleistungen auf.

Um jedoch auch in Rio zu bestehen, "haben wir noch einiges zu tun", so Gernemann, der mit Blick auf die Zukunft Alarm schlug. "Wir haben kein Qualitäts-, aber ein Quantitätsproblem. Viele Landesverbände sind tot. Da gibt es keine Struktur, keine Talentförderung. Das muss dringend aufgebaut werden, sonst finden wir die Nachwuchsathleten nur noch zufällig und nicht per System."

Dem Zufall überließen die Kataris bei der bisher größten WM nichts, denn die reichen Gastgeber scheuten keine Kosten und Mühe. Doch die mangelnde Zuschauerresonanz und die klimatischen Gegebenheiten taten ihr Übriges. "Wenn nicht zwei, drei Schulklassen da gewesen wären, hätte man die Zuschauer wohl mit Handschlag begrüßen können", resümierte Leichtathletik-Ikone Marianne Buggenhagen, die ihre WM-Titel 22 und 23 holte.

Auch Gernemann sprach von einem "skurrilen Bild. Die Kataris haben zwar Geld, aber offensichtlich kein Interesse am Sport." Der deutsche Verbandspräsident Friedhelm Julius Beucher hatte die Vergabe der WM an Katar gar als falsch bezeichnet, weil sie dem Emirat angesichts der vielen Menschenrechtsverletzungen ein "gesellschaftliches Alibi" gebe. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) erklärte die WM zur bisher besten.

Die Athleten konzentrierten sich auf ihren Sport. So erfüllte sich David Behre, dem nach einem Zugunfall 2007 beide Unterschenkel amputiert worden waren, mit dem Titel über die Paradestrecke des gefallenen Superstars Oscar Pistorius einen Lebenstraum. "Jetzt will ich auch Gold in Rio", sagte der 29-Jährige.

Während Behre seine Titelpremiere erlebte, war es für den konkurrenzlosen Rehm nichts Neues. In Rio will er seinen zweiten Paralympics-Sieg holen. Einen Doppel-Start bei den Olympischen und Paralympischen Spielen, wie ihn sich einst Pistorius vor Gericht erstritten hatte, ist für Rehm nach der Regeländerung des Weltverbandes IAAF dagegen wohl ausgeschlossen.

"Ich würde Markus wünschen, dass er auch bei Olympia starten kann. Aber ich denke, die Sache ist durch", meinte Gernemann, der keinen Vorteil seines Vorzeigeathleten sieht: "Aber Markus verhält sich sehr sportlich, andere wären schon vor den CAS gezogen."

Rehm hatte 2014 die deutschen Meisterschaften der Nichtbehinderten gewonnen. Dieses Jahr startete er außerhalb der Konkurrenz und schaffte erneut den weitesten Sprung. Bei seinem Weltrekord sprang er weiter als Olympiasieger Greg Rutherford (8,31) in London.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF führte vor kurzem aber eine neue Regel ein, in der die Athleten beweisen müssen, dass die Prothesen keinen Vorteil bieten. Und das ist quasi unmöglich.

dpa

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