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Hintergrund: Die Kernaussagen des WADA-Reports

Leichtathletik Hintergrund: Die Kernaussagen des WADA-Reports

Die Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hat den zweiten Teil ihres Reports über die den massiven Doping- und Korruptionsskandal in der Leichtathletik vorgestellt.

Frankfurt/Main. Die Kernaussagen im Überblick:

Über den Weltverband IAAF an sich:

"Die Korruption war in der Organisation verankert."

"Die IAAF hat völlig unzureichende Strukturen und Abläufe, um einem Korruptionssystem vorzubeugen, wie es hier vorgekommen ist."

"Es gibt innerhalb der IAAF keinen Mechanismus, der es Whistleblowern ermöglicht oder sie dazu ermutigt, Korruption oder Doping-Praktiken beim IAAF-Management oder dem Council anzuzeigen."

"Es gab einen gravierenden Mangel an Antrieb und politischem Appetit, Russland mit dem vollen Ausmaß seiner bekannten und befürchteten Dopingaktivitäten zu konfrontieren."

Über den langjährigen IAAF-Präsidenten Lamine Diack und das von ihm etablierte System der Korruption:

"Lamine Diack hat die Korruption und die Konspiration, die innerhalb der IAAF stattgefunden haben, ermöglicht und organisiert."

"Der Report zeigt, dass Lamine Diack durch eine E-Mail seines Sohnes zu der Überzeugung kam, dass andere hohe IAAF-Funktionäre bestochen werden müssen, damit sie schweigen. Lamine Diack bestätigte in einem Polizei-Verhör, dass sein Sohn Papa Massata "einem oder mehreren von ihnen Geld gab, damit sie still halten"."

"Der Einfluss von Lamine Diack war so groß, dass er in der Lage war, ohne weiteres Mitglieder seiner Familie und seinen persönlichen juristischen Berater auf wichtigen Positionen zu platzieren. Mit Hilfe dieser engen Vertrauten hat Präsident Diack einen geschlossenen, inneren Kreis aufbauen können, der wie eine informelle und illegitime Regierung außerhalb der IAAF-Strukturen funktionierte."

"Das Fehlen jedweder Kontrolle und Gewaltenteilung innerhalb der IAAF gab Lamine Diack die Möglichkeit, direkt in die Arbeit und in die Verantwortlichkeiten der Anti-Doping-Abteilung einzugreifen und Verträge mit Beratern abzuschließen, deren persönliches Interesse ein anderes war als das der IAAF."

"Im November 2011 beauftragte Lamine Diack seinen persönlichen juristischen Beraten Habib Cissé damit, alle Angelegenheiten zu regeln, die russische Athleten und die Anti-Doping-Abteilung der IAAF betrafen."

"Seit Beginn des Olympiajahres 2012 waren alle Belange, die etwas mit Auffälligkeiten bei russischen Athleten oder mit der möglichen Bestrafung von russischen Athleten zu tun hatten, unter der völligen Kontrolle von Habib Cissé - obwohl dieser keinerlei Erfahrungen mit dem Thema Doping besaß. Verantwortliche der Anti-Doping-Abteilung der IAAF bekamen diese Kontrolle entzogen."

"Der Russe Walentin Balachnitschew war Schatzmeister der IAAF und gleichzeitig Präsident des russischen Verbandes ARAF. Diese Doppelfunktion ermöglichte sowohl eine informelle Kommunikationsstruktur zwischen der IAAF und der ARAF als auch die Entwicklung eines Korruptionssystems zwischen beiden Organisationen."

"Balachnitschew überwachte die Vergabe der TV-Rechte für die WM 2013 in Moskau. Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Vergabe dieser TV-Rechte und der Zurückhaltung von einigen positiven Dopingproben russischer Athleten."

"Der Prozess der Vergabe der TV-Rechte für die Moskauer Weltmeisterschaften und das plötzliche Auftreten der russischen VTB-Bank als Sponsor der IAAF erfordern noch einmal eine genaue und kriminalistische Untersuchung." (Hinweis dazu: Aus dem WADA-Report geht hervor, dass die IAAF die Übertragungsrechte ursprünglich für sechs Millionen Dollar verkaufen wollte, später aber nach dem Einspringen der VTB-Bank 25 Millionen Dollar dafür erhielt."

Über die Mitwisserschaft hoher IAAF-Funktionäre wie den neuen Präsidenten Sebastian Coe oder oder andere Council-Mitglieder:

"Dem IAAF-Council konnte das Niveau der Vetternwirtschaft nicht verborgen geblieben sein. Das kann nicht als Handlung eines merkwürdigen Abtrünnigen, der auf eigene Faust gehandelt habe, ignoriert oder abgetan werden. Die IAAF hat ihrer Führung erlaubt, so zu handeln, und muss jetzt die Verantwortung dafür tragen."

"Es wird mehr und mehr klar, dass deutlich mehr IAAF-Funktionäre über diese Probleme wussten als bisher eingestanden. Es ist nicht glaubhaft, dass gewählte Offizielle nichts über die Verhältnisse in Russland gewusst haben."

"Leitende IAAF-Funktionäre wussten vor der WM 2013 in Moskau, dass mehrere russische Athleten wegen Doping-Vergehen gesperrt werden müssten, aber sie taten nichts dafür."

Über die Ausweitung des Skandals auf andere Länder wie die Türkei:

"Die beiden Diack-Söhne Papa Masada Diack und Khalil Diack haben versucht, die türkische Olympiasiegerin Asli Alptekin zu Geldzahlungen zu erpressen. Im Gegenzug wollten sie ihren Namen von einer Liste mit auffälligen Blutwerten streichen lassen."

"Aus Mitschriften geht hervor, dass die Türkei die Unterstützung von Lamine Diack im Bewerbungsprozess um die Olympischen Spiele 2020 verlor, weil sie keine Sponsorengelder von 4 bis 5 Millionen Dollar für die Diamond League oder die IAAF zahlen wollte. Japan hat so eine Summe laut Gesprächsprotokollen gezahlt. Die Spiele 2020 wurden später an Tokio vergeben."

dpa

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