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Hoffnungsträger: Beeindruckende Dissinger-Rückkehr

Handball Hoffnungsträger: Beeindruckende Dissinger-Rückkehr

Zwei Kreuzbandrisse, Gedanken ans Karriereende - doch plötzlich ist Christian Dissinger vor der Handball-EM in Polen einer der Hoffnungsträger. Für die Zukunft verspricht der Rückraumspieler noch Großes.

Hannover. Christian Dissinger hat sich am Stehtisch auf seine Unterarme aufgestützt. So kommen seine imponierenden 2,02 Meter nicht richtig zur Geltung. Dabei scheint nun endlich die Zeit gekommen, dass der 24 Jahre alte Handballer auch auf dem Parkett seine wahre Größe zeigen kann.

Nach formstarken Auftritten mit dem THW Kiel und acht Toren beim 37:30-Sieg gegen Tunesien ist der Rückraumspieler einer der Hoffnungsträger der deutschen Nationalmannschaft bei der EM in Polen. "Gerade auf seiner Position ist es sehr wichtig, dass wir Druck und Power haben", sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

Eine weitere Probe seines Könnens will Dissinger bei den EM-Tests am Samstag in Kassel und am Sonntag in Hannover jeweils gegen Island bieten. "Solche Spiele sind wichtig, damit die Abläufe besser werden", urteilte er.

Dabei grenzt es an ein Wunder, dass Dissinger es zurück in die Nationalmannschaft geschafft hat. Seit dem WM-Titel mit den Junioren 2011 und seiner Wahl zum wertvollsten Spieler des Turniers galt der Ludwigshafener als größtes deutsches Rückraumtalent. Sigurdssons Vorgänger Martin Heuberger, unter dem Dissinger Junioren-Weltmeister geworden war, prophezeite ihm eine glänzende Zukunft und holte ihn bereits mit 21 Jahren in die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB). "Christian kann für mich perspektivisch eine Säule dieser Mannschaft werden", meinte Heuberger damals.

Doch dann kam alles ganz anders. In Diensten des Schweizer Meisters Kadetten Schaffhausen riss er sich 2011 das Kreuzband im linken Knie, kämpfte sich wieder heran, um sich 2013 die gleiche schwere Verletzung im rechten Knie zuzuziehen. Dennoch verpflichtete ihn der damalige Top-Club Atletico Madrid - und ging pleite, ohne dass Dissinger auch nur einmal das Trikot durchgeschwitzt hatte.

"Dadurch war ich ja arbeitslos und verletzt", sagte er rückblickend. Das Ende der vielversprechenden, aber bis dahin auch glücklosen Karriere war nah. Dissinger: "Da war auch durchaus so ein Gedanke, höre ich jetzt vielleicht ganz auf und konzentriere mich auf ein Studium. Ich wusste, dass ich ein halbes Jahr sowieso nicht spielen kann, und kein Verein will einen Spieler haben, der verletzt ist. Von daher war das ein relativ bescheidenes Gefühl dazustehen, ohne etwas in der Hand zu haben. Das war schon belastend für den Kopf."

Mit Hilfe seiner Familie und seines Managements kämpfte er sich durch diese Krise. "Die Kreuzbandrisse gehören einfach zu mir dazu. Aber die sind nicht mehr im Kopf präsent", erklärte er. Über den TuS N-Lübbecke kam er zum Rekordmeister Kiel und drehte dort nach Anlaufschwierigkeiten auf.

Dabei profitierte er vom Abgang seines Vorbildes Filip Jicha. Er bekam mehr Spielanteile, Trainer Alfred Gislason setzte Vertrauen in das Talent. "Ich hätte sehr, sehr gerne mit ihm zusammen gespielt. Dass das nicht geklappt hat, ist natürlich schade, weil er auch ein super Mensch ist und ein super Handballer. Wahrscheinlich war es auch mit ein Schritt, dass es zu der Verbesserung meiner Leistung geführt hat", urteilte der BWL-Student.

"Er wird zur Zeit sehr gehyped, weil er in den letzten Wochen auch sehr gut gespielt hat. Aber er ist ein Typ, der das alles sehr gelassen nimmt", erzählte der Kieler Teamkollege und Auswahlkapitän Steffen Weinhold. Dissinger will sich weder von Lob noch Kritik beeinflussen lassen und schaut nur auf sich. "Ich wusste, was ich kann, konnte das jetzt das erste Mal richtig abrufen. Das Wichtigste ist, dass man einen klaren Kopf hat. Nicht, dass man mental stark ist, sondern dass man weiß, man kann sich auf seine Stärken berufen", sagte Dissinger und gab noch ein Versprechen für die Zukunft: "Ich denke, die letzten Wochen waren ganz gut. Aber ich weiß, dass ich noch mehr kann, dass ich noch mehr Potenzial habe."

dpa

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