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Formel 1 unter US-Flagge: Kurswechsel steht bevor

Motorsport Formel 1 unter US-Flagge: Kurswechsel steht bevor

Die Ziele sind klar: Gewinn erlösen, die Formel 1 noch attraktiver machen. Liberty Media setzt dabei nach der Übernahme offensichtlich auf andere Schwerpunkte als Bernie Ecclestone. Der große Zampano darf seinen Posten aber noch behalten.

Bernie Ecclestone. Der Formel-1-Deal ist perfekt.

Quelle: Wallace Woon/Archiv

New York. Der Kernmarkt Europa soll gestärkt, neue Fans im digitalen Zeitalter erobert werden - die Formel 1 wird nach dem Acht-Milliarden-Dollar-Deal unter US-Flagge neu durchstarten.

Mit Chase Carey als Vorstandschef und neuen Boss von Bernie Ecclestone wird Käufer Liberty Media aller Voraussicht nach einen Kurswechsel einschlagen: Mehr Erlöse aus der Vermarktung der TV-Rechte, vermutlich weniger horrende Gebühren für die Veranstalter und Mitbeteiligungen der Rennställe an der Motorsport-Königsklasse.

"Ich sehe die große Chance, der Formel 1 dabei zu helfen, sich zum Wohle des Sports, der Fans, der Teams und der Investoren weiter zu entwickeln und zu wachsen", sagte Carey (62). Und Ecclestone darf auch noch mitsteuern, es dürfte aber sein Abschied auf Raten sein. Drei Jahre sollen es noch sein.

"Dann wäre ich 89 und wahrscheinlich könnte ich dann zurücktreten oder was anderes machen", sagte er dem "Telegraph". Ecclestone wird Ende Oktober 86 Jahre alt, fast die Hälfte seines Lebens führt er die Formel 1, nachdem er Ende der 70er Jahre die TV- und Werberechte gekauft hatte.

Die jetzige Konstellation sieht Ecclestone (notgedrungen) pragmatisch. "Ich habe nun halt ein bisschen Hilfe", meinte er. In der offiziellen, ausführlichen Pressemitteilung zur Übernahme der Formel 1 wurde Ecclestone mit einem Satz zitiert. "Ich möchte Liberty Media und Chase Carey in der Formel 1 willkommen heißen und freue mich mit ihnen zu arbeiten", erklärte Ecclestone.

Experten erwarten einen Machtkampf zwischen Ecclestone und Carey, einem langjährigen Vertrauten des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch. Geld generieren wollen die neuen Besitzer, die auf den finalen Abschluss des Deals im ersten Quartal 2017 hoffen, genauso wie Ecclestone.

Der Brite hatte Umsatz und Gewinn vor allem über die stetig steigenden Gebühren für die Rennstrecken-Betreiber erhöht. Dies führte wiederum dazu, dass einige Strecken finanzielle Probleme bekamen und sich die Formel 1 nicht mehr leisten konnten und können. Im vergangenen Jahr musste das Deutschland-Rennen sogar abgesagt werden. Noch ungeklärt ist, ob und wo im kommenden Jahr das Heimrennen von Nico Rosberg, Sebastian Vettel & Co stattfinden wird. Stattdessen werden unter Ecclestone fast jährlich neue Märkte erobert, in diesem Jahr kam Aserbaidschan hinzu.

Carey erklärte nun, dass die etablierten Märkte, insbesondere Europa als Heimat und Fundament der Formel 1, von entscheidender Bedeutung seien. "Langfristig sind die USA und Asien Märkte, um sich weiter zu entwickeln. Das machen wir nicht über Nacht."

Es wird auch erwartet, dass Liberty Media die Formel 1 künftig deutlich stärker im Bereich der digitalen Medien positionieren will. Ecclestone hatte das Internet und soziale Medien wie Twitter und Facebook bislang für das Marketing weitgehend ignoriert. "Ich sehe darin keinen Wert", hatte er mal gesagt und das Thema entsprechend behandelt.

Es gebe ein Riesenpublikum, sagte Carey laut motorsport.com vor allem auch mit Blick auf Europa: "Wenn wir diese Fans mit digitalen Plattformen erreichen, die bisher nicht aggressiv genutzt wurden, können wir eine neue Generation von Fans an Orten aufbauen, die historisch bedeutsam für die Formel 1 waren."

Fraglich ist, wie es mit den Übertragungen im deutschen TV nach der nächsten Saison weitergeht. "Wir gehen nach jetzigem Stand davon aus, dass Bernie Ecclestone auch weiterhin unser Ansprechpartner sein wird", erklärte RTL-Sportchef Manfred Loppe: "Zur Vermarktungsstrategie des neuen Formel 1-Eigentümers haben wir deshalb noch keinerlei Informationen."

Der Motorsport-Weltverband FIA war nicht in die Verhandlungen involviert. Daher wartet die FIA nach eigenen Angaben auf weitere Informationen zu dem Kauf. Man müsse zwar sehen, wie der Erwerb die Vermarktung der Formel-1-WM beeinflussen werde, erklärte FIA-Boss Jean Todt. Doch der Verband begrüße "diese Langzeitinvestition" eines Unternehmens, das ein solch breites Geschäftsportfolio im Bereich von Sport, Medien und Unterhaltung habe.

In einer Prognose mit geringem Risiko rechnen die neuen Besitzer mit einem Gewinn bis Ende 2026 von 9,3 Milliarden US-Dollar. Die Teams von Mercedes über Ferrari bis Manor sollen auch die Möglichkeit haben, als Mitinvestoren beteiligt zu sein. Einige Teams haben demnach bereits Interesse an dem Geschäft signalisiert. Schon früher hatten einige Teams den Kauf von Formel-1-Anteilen geprüft, wegen zu hoher Forderungen des bisherigen Hauptanteilseigners CVC war dies jedoch gescheitert.

Liberty Media hatte am Mittwochabend bekanntgegeben, dass es CVC ablöst. Nach Angaben der Unternehmen zahlt Liberty Media 4,4 Milliarden Dollar (etwa 3,93 Milliarden Euro). Zudem sollen Schulden in ähnlicher Höhe übernommen werden. Insgesamt werde die Formel 1 bei der Transaktion mit 8,0 Milliarden Dollar bewertet.

dpa

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