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Pactec packt weltweit die Süßigkeiten ein

Wirtschaftspreis Pactec packt weltweit die Süßigkeiten ein

An den Wänden wechseln sich künstlerische Lichtbilder und Maschinenfotos ab. Im lichtdurchfluteten Foyer hat jemand einer riesigen Walnuss den Reißverschluss halb aufgezogen – das Unternehmenslogo in 3D als Plastik. Pactec-Thegarten hat sich auf altem Nagema-Areal neu erfunden

Die Mechatroniker Tom Gerstäcker (l.) und Philipp Pulina richten in der neuen Fabrik von Theegarten-Pactec eine Geleeverpackungsmaschine ein.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. An den Wänden wechseln sich künstlerische Lichtbilder und Maschinenfotos ab. Im lichtdurchfluteten Foyer hat jemand einer riesigen Walnuss den Reißverschluss halb aufgezogen – das Unternehmenslogo in 3D als Plastik. Wo vor der Wende Blaumänner zwischen Bergen heißer Stahlspäne umher wuselten, die Werkhallen-Luft stets nach Bohrmilch roch, erahnt man heute kaum noch den Duft heißen Stahls aus den Bearbeitungszentren, sieht alles so picobello aus wie in einem Steuerberatungsbüro.

Keine Frage: Das ehemalige Nagema-Kombinatsgelände an der Breitscheidstraße in Dresden-Reick hat in den vergangenen zwölf Monaten eine tiefe Metamorphose durchgemacht. Der Nagema-Nachfolger „Theegarten Pactec“ hat im laufenden Betrieb einen neuen Firmensitz auf dem traditionsreichen Areal errichtet. Während die Monteure in der einen Halle noch Verpackungs-Maschinen zusammenfügten, zogen die Bauarbeiter parallel dazu nebenan neue Montage-Hallen hoch. So wie die einen fertig wurden, zogen die anderen um.

Ein Großteil der 35-Millionen-Euro-Investition in eine – de facto völlig neue – Stammfabrik ist inzwischen vollbracht. „Der dritte und letzte Bauabschnitt wird demnächst noch eine Lücke schließen“, sagt Egbert Röhm, der Theegarten-Pactec gemeinsam mit Markus Rustler leitet. „2017 wollen wir mit allem fertig sein.“

Dass dieses Geld am angestammten Standort in Dresden floss, die Jobs hier erhalten blieben, klingt selbstverständlich, ist es aber nicht: Zeitweise liebäugelten die Pactecer wegen allerlei Grundstücks- und Genehmigungs-Hickhack damit, ihre Neu- und Ausbaupläne in Bannewitz statt Dresden zu realisieren. Letztlich bauten sie dann doch hier. Bereut haben sie diese Entscheidung nicht: In Vergangenheit wie Gegenwart hat sich der Standort Dresden nämlich immer wieder als wichtiger Schlüssel zum Unternehmenserfolg erwiesen.

„Die hochwertige sächsische Ingenieurs-Ausbildung schon zu DDR-Zeiten hat dafür gesorgt, dass wir bis heute Technologien für unsere Maschinen verwenden, die – natürlich von uns inzwischen weiterentwickelt – im Grundsatz bereits zu Zeiten des Nagema-Kombinats entstanden sind“, sagt Röhm. „Und die Nähe zu den Top-Unis Dresden und Chemnitz hilft uns auch heute, vorn zu bleiben.“

Denn Theegarten-Pactec braucht exzellente Ingenieure, Konstrukteure, Elektroniker, Programmierer und andere Experten, um sich in einem technologisch anspruchsvollen Segment zu behaupten. Die Dresdner sind unter anderem spezialisiert auf Schnelllauf-Maschinen, die Schokoriegel, Pralinen, Bonbons und andere kleinteilige Süßigkeiten extrem rasch verpacken können. Die flottesten Maschinen umwickeln gut und gern 3500 Stück pro Minute. „In diesem Bereich sind wir Marktführer“, sagt Röhm. Die Anlagen aus Dresden sind zwar nicht billig, gelten aber in ihrer anspruchsvollen Mechanik, Software und ihren Steuerungssystemen als besonders zuverlässig – Qualität „Made in Saxony“ eben. „Unsere Kunden sind Branchengrößen wie Ferrero, Storck. Nestlé oder Unilever, unsere Konkurrenten keine kleinen Krauter, sondern Schwergewichte wie Bosch.“

Dass dies mehr als bloße Prahlerei ist, zeigen Augenschein wie Exportquote: 90 Prozent des Umsatzes realisiert Theegarten-Pactec im Ausland. Und wie sehr das Unternehmen von internationalen Verbindungen und Partnern lebt, offenbart sich an jeder Ecke. Im einem Beratungsraum in der neuen Montagehalle zum Beispiel sitzt gerade eine Gruppe Schwarzafrikaner mit Dresdner Technikern an einem Tisch. „Das sind Kunden aus dem Senegal“, erklärt Röhm. „Wir schulen sie an den Brühwürfel-Verpackungsmaschinen, die sie bei uns bestellt haben. Bis November sollen wir 16 Stück nach Afrika geliefert haben.“

Von Heiko Weckbrodt

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