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Nicht nur Papier, Leim und Schere

Basteln auf höchstem Niveau: „Das creative Hobby“ liefert Zutaten und Wissen Nicht nur Papier, Leim und Schere

Der DNN-Wirtschaftspreis „So geht’s aufwärts“ naht. Bis zur Verleihung im September stellen wir die zehn Nominierten vor. Heute: "Das creative Hobby" mit Sitz in Pirna und acht Filialen im ganzen Osten.

Die Verkäuferinnen Anja Stephan und Maria Bartelt.

Quelle: Dietrich Flechtner

Pirna/Dresden. Farben, Pinsel, Stempel, Kerzen, Peddigrohr, Wolle, Reißverschlüsse, Knöpfe, Haken und Ösen – jedes Regal in der Filiale von „Das creative Hobby“ im Dresdner Elbepark ist vollgestopft mit Materialien. Mit Stolz zeigt Inhaberin Manuela Schwenke aus Pirna ihren umsatzstärksten Laden. Es gibt Holz und Plastik, Perlen und Knetmasse, Bänder, Schleifen, Sticker, Pfeifenreiniger und Anleitungsbücher. Über jedem Regal schweben kunstvolle Bastelarbeiten – als Inspiration für die Kundschaft. Fertig zu kaufen gibt es die Arbeiten nicht. Selbermachen ist das Zauberwort. „Basteln wird oft unterschätzt“, weiß Schwenke. Es ist eben nicht nur Papier, Leim und Schere.

Manuela Schwenke

Manuela Schwenke

Quelle: Dietrich Flechtner

Qualität ist das A und O. „Ich muss hinter dem stehen können, was ich verkaufe“, erzählt Manuela Schwenke. Deshalb stöbern Künstler bei ihr in Schmincke-Farbtuben („Der Mercedes unter den Farben“). Deshalb finden junge Mangaka – Manga-Zeichner – die besten Stifte. „Die Jugendlichen sind da unglaublich anspruchsvoll und bestens vernetzt. Sie wissen genau, was sie wollen.“ Neben Verkauf und Beratung hat das Unternehmen auch eine ganze Palette an Kursen im Angebot: Modellieren mit Cernit, Aquarellmalerei für Einsteiger, Trockenfilzen, tunesisches Häkeln, Zuckertüten gestalten, um nur einige zu nennen. Die Mitarbeiter gestalten Kindergeburtstage und Firmenfeiern, nehmen Tonarbeiten zum Brennen, Seidenmalereien zum Fixieren und Vorlagen zur Stempelherstellung an.

Insider-Tipps von echten Bastelfans

Schwenke hat fast alles getestet, was es in ihren neun Filialen zu kaufen gibt. Darunter sind Techniken, die ungeübte nicht mal dem Namen nach kennen. Scrapbooking? Urlaubs- und Familienfotos werden nicht nur in schnöde Alben geklebt oder gleich als fertiges Fotobuch im Internet geordert, sondern kunstvoll gestaltet in Szene gesetzt. Die Scrapbooks erzählen Geschichten, umrahmen das Foto mit Gedichten, Ornamenten, Aufklebern, Eintrittskarten – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Quilling? Papierstreifen werden so gerollt und festgeklebt, dass sie ihre Form behalten – als Verzierung oder als eigenständige Figur. Das taten schon feine Damen im 18. Jahrhundert. Nun quillen Bastel-Fans in ganz Deutschland wie verrückt. Ebenfalls wieder im Kommen ist Schreiber-Bogen Kartonmodellbau.

Manuela Schwenke kennt und kann das alles. Von ihren 40 Mitarbeitern verlangt sie das Gleiche. Wer sich im „creativen Hobby“ beraten lässt, bekommt nicht nur die Inhaltsangabe auf der Verpackung vorgelesen, sondern erhält echte Insider-Tipps. Nicht umsonst ist die Voraussetzung für eine Anstellung „totales Interesse am Basteln“, sagt Schwenke. Wer mit Brenntemperaturen und Trocknungszeitpunkten für Farben nichts anfangen kann, hat keine Chance. Die Geschäftsführerin wählt kritisch aus und fährt damit sehr gut. Nach passenden Lehrlingen muss sie nicht einmal suchen. Qualität spricht sich herum – bei den Kunden wie bei potenziellen Auszubildenden. „Nur mit Standard-Beratung und Produkten würden wir nicht überleben.“ Schwenke muss es wissen, schließlich hat sie bereits 1994 ihre erste Filiale in Pirna eröffnet.

Mittlerweile sind die neun Filialen von „Das creative Hobby“ im ganzen Osten der Republik verteilt: in Dresden im Elbepark, an der Martin-Luther- und der St. Petersburger Straße, in Pirna, Leipzig, Bautzen, Berlin, Magdeburg und Erfurt. Dabei hat das Unternehmen nicht nur leichte Zeiten hinter sich. Die Stammfiliale in Pirna in der Langen Straße ging 2002 in den Fluten unter. Auch 2013 traf die Pirnaer Filiale, mittlerweile in der Schössergasse beheimatet, wieder das Wasser. Die Berliner Filiale eröffnete 2014 in der Mall of Berlin wegen Bauproblemen des Vermieters verspätet. „Wir hatten bereits Mitarbeiter angestellt, das Geschäft war komplett ausgestattet und wir konnten ein halbes Jahr lang nicht öffnen“, erzählt Schwenke. „Das ging uns sehr an die Substanz und war wirklich eine Herausforderung.“

Doch der Familienbetrieb – auch Mann und Tochter Schwenke arbeiten mit – hat es geschafft. Jüngster Neuzugang ist die Magdeburger Filiale. Weiter expandieren will Manuela Schwenke eigentlich nicht mehr. "Aber man soll ja niemals nie sagen", meint sie verschmitzt.

Von Franziska Schmieder

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