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Highvolt Dresden ortet den Blitz

Für DNN-Wirtschaftspreis nominiert Highvolt Dresden ortet den Blitz

Die „Highvolt Prüftechnik Dresden GmbH“ ist für den DNN-Wirtschaftspreis nominiert. Das Unternehmen hat sich als Technologieführer für Hochspannungs-Prüftechnik weltweit einen Namen gemacht.

Sorgt für Hochspannung: Highvolt-Monteur Andreas Nusch kontrolliert die Elektroverbindung an einer Wechselspannungsprüfanlage.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Der DNN-Wirtschaftspreis „So geht’s aufwärts“ naht: Ende September vergibt eine Jury aus Vertretern unserer Zeitung, des Wirtschaftsministeriums, der Ostsächsischen Sparkasse sowie der Wirtschaftskammern diesen Preis an drei Firmen, die sich besonders hervorgetan haben. Bis dahin stellen wir die zehn nominierten Unternehmen vor. Heute: die „Highvolt Prüftechnik Dresden GmbH“, die sich als Technologieführer für Hochspannungs-Prüftechnik weltweit einen Namen gemacht hat.

Weit draußen im Atlantik: Unermüdlich drehen sich die Räder eines Windkraftwerkes hoch über den Wellen, auf riesigen Stelzen. Gigawattstunde um Gigawattstunde pumpen die Turbinen Strom an die Küste – über eine 100 Kilometer lange Untersee-Leitung. Dieses Kabel ist stahlummantelt und so dick wie ein Menschenbein auf dem Meeresgrund verlegt. Doch der stählerne Mantel hilft nicht viel, als ein dicker Öltanker viele Meilen weiter die Anker auswirft: Die schweren Metallhaken kratzen lang über den Grund, bevor der Tanker steht, zerstören dabei das Stromkabel – und an Land versinkt die Umspannstation in Tiefschlaf.

Highvolt-Chef Ralf Bergmann

Highvolt-Chef Ralf Bergmann: „Wenn wir zum Kunden gehen, sperren wir die Ohren ganz weit auf.“

Quelle: Dietrich Flechtner

„So eine Panne passiert bei Offshore-Windparks öfter als man denkt“, sagt Ralf Bergmann, der zusammen mit Bernhard Nick die Dresdner „Highvolt Prüftechnik“ leitet. Rund eine Million Euro koste es den Betreiber, wenn solch ein Windkraftpark von der Leistungsklasse eines Kernkraftwerkes ausfalle, weil das Kabel zur Küste kaputt gegangen ist – pro Tag! „Und dann den Fehler an einem 100 Kilometer langen Meereskabel zu finden, konnte Wochen, ja Monate dauern – das war eine echte Herausforderung“, sagt Bergmann.

Die Vergangenheitsform ist absichtlich gewählt, denn die Dresdner Ingenieure haben dafür nun eine Lösung gefunden: Sie konstruierten Blitzerkenner, die sie am Kabel installieren. Wenn ein Anker das Kabel auf dem Meeresgrund aufschlitzt, entsteht ein kurzer, aber sehr intensiver Blitz an der Schadstelle. Der pflanzt sich mit etwa 200 Metern pro Mikrosekunde durch die Leitung fort. Die neuen Highvolt-Blitzerkenner an beiden Enden vermessen dann sehr präzise, wann der Stromschlag am Windpark und wann er an der Küste ankommt. Aus der Laufzeit-Differenz errechnen und lokalisieren sie die Bruchstelle bis auf ein Prozent der Kabellänge, im Beispiel also bis auf einen Kilometer genau.

„Das reicht den Kunden schon“, sagt Ralf Bergmann. Die Unternehmen schicken dann nämlich hochautomatische Reparaturschiffe los, die mit Robotern das Seekabel an zwei Stellen vor und hinter der Schadstelle aus dem Wasser heben, den Bruch flicken und wieder versenken. „Das läuft heutzutage ganz Hightech-mäßig ab“, erzählt der Highvolt-Geschäftsführer.

Und eben solche und ähnliche Innovationen sind es auch, die Highvolt einen guten Ruf weltweit beschert haben – immerhin 90 Prozent ihres Umsatzes machen die Dresdner im Ausland. „Wenn wir zum Kunden gehen, sperren wir die Ohren ganz weit auf: Was will er? Was braucht er?“, erzählt der Geschäftsführer. Denn die Prüfsysteme für Trafos und andere Hochspannungs-Anlagen, die im ehemaligen TuR-Werk in Dresden-Mickten entstehen, müssen in der Hitze Saudi-Arabiens ebenso funktionieren wie in den schwülwarmen Luft Indiens mit über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, in Mexiko auf über 3000 Höhenmetern wie in der Kälte Russlands. Auch hat jedes Land andere Spannungen und Prüfstandards, andere Normen, seien es nun die amerikanische ANSI oder IEEE, die deutsche DIN oder die russische GOST.

Insofern hat das Unternehmen einen langen Weg vom Massenbetrieb zum Spezialisten zurückgelegt: Highvolt wurzelt letztlich im 1904 gegründeten Elektrotechnik-Unternehmen Koch & Sterzel, aus dem zu DDR-Zeiten das „Transformatoren- und Röntgenwerk“ (TuR) wurde, das eher auf Massenproduktion orientiert war. Nach der Wende, im Jahr 1991, übernahm Siemens Teile des „Volkseigenen“ Betriebes. 1995 gliederte der Konzern aber die Hochspannungs-Prüftechnik am Standort Dresden aus, daraus entstand Highvolt. Seit 2002 gehört der Betrieb zur Reinhausen-Gruppe.

Das Unternehmen entwickelt und produziert Prüf- und Messtechnik inklusive Hochspannungs-Erzeuger. Damit können dann die Installateure und Betreiber von Energieanlagen zum Beispiel Trafos, Kabel, und andere Aggregate durchchecken, die sehr hohe Spannungen mit mehreren 100.000 Volt und Starkströme von mehreren 1000 Ampere kurzschlussfrei führen sollen. Inzwischen beschäftigt Highvolt rund 250 Mitarbeiter und realisierte im Jahr 2015 rund 45 Millionen Euro Umsatz. Für 2016 rechnet Bergmann mit etwa 55 Millionen Euro Umsatz.

Wichtige Kerntechnologien entwickelte Highvolt im eigenen Hause und dies sei wohl auch ein Schlüssel für Qualität und Unternehmenserfolg, ist Bergmann überzeugt. So machen Software-Experten einen wachsenden Anteil an der Belegschaft aus, weil spezielle Computerprogramme heutzutage über den Erfolg oder Misserfolg eines Produktes mitentscheiden. Auch wickelt Highvolt Elektrospulen selbst, hat eigene Prüffelder. Ein Großteil der Anlagen sind Einzelstücke, die speziell für die Wünsche der Auftraggeber designt sind. Von Massenware könne hier keine Rede sein, betont Bergmann: „Wir sind eine Manufaktur.“

Von Heiko Weckbrodt

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