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Diakonie setzt sich für wohnungslose Menschen ein

Obdachloser Uwe M.: „Es war der Nullpunkt“ Diakonie setzt sich für wohnungslose Menschen ein

Uwe M. ist viel herumgekommen. Von schönen Momenten berichtet der 52-jährige kräftige Mann. Es sind ganz wenige. Und von schlimmen Zeiten, wo er unten war, ganz unten. Die Wohnungslosenhilfe der Stadtmission hat ihn wie viele andere vor einem erneuten Absturz bewahrt.

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Uwe M. kommt dreimal pro Woche in den Treffpunkt „Schorsch“.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Uwe M. ist viel herumgekommen. Von schönen Momenten berichtet der 52-jährige kräftige Mann. Es sind ganz wenige. Und von schlimmen Zeiten, wo er unten war, ganz unten. Immer ist der gelernte Hohlraumkonservierer und Kfz-Pfleger der Arbeit hinterhergezogen. In Dresden, seiner Heimatstadt, hat er im Schlachthof und bei Pentacon gearbeitet, bis 1990 der Betrieb geschlossen wurde. Am 3. Oktober 1990 ist Uwe M. in den Westen gegangen. Er hat für die Deutsche Rettungsflugwacht Spenden gesammelt, in Lagern Gabelstapler gefahren. Er lernte eine Frau kennen, sie heirateten. 1995 wurde die Tochter geboren. Er zählt Arbeitsorte auf: Bad Herrenalb, Heilbronn, Thalheim, Bad Mergentheim. Dann die Scheidung, Beginn einer schweren Lebenskrise. 2006 kehrte Uwe M. nach Dresden zurück. „Ich hatte ja dort niemanden mehr.“ Arbeit fand er hier keine, aber eine Wohnung, Hochhaus Grunaer Straße, 14. Stock. Nachdem die Stadt das Haus verkauft hatte, sei er 2011 dort rausgeflogen, erzählt er. Da begann sein Leben auf der Straße. „Ich war Alkoholiker, bin meine eigenen Wege gegangen, hab nur noch von heute auf morgen gelebt. Flaschen, Altpapier, Schrott sammeln, Bier holen. Das war der Nullpunkt.“Weil er zu oft schwarz gefahren war mit der Straßenbahn, wurde er zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt. Nach der Entlassung half ihm eine Mitarbeiterin der Stadtmission, eine Bleibe zu finden: Ein-Raum-Wohnung in Gorbitz, 14. Stock, mit Weitblick. Im Juni 2015 zog er ein. Rückkehr ins normale Leben geschafft, könnte man denken. Statt dessen begann nun erst die schwierigste Zeit. „Auf einmal saß ich allein da in meiner Bude. Auf der Straße findest du ja immer jemanden zum Quatschen. Ich hab mich immer mehr zurückgezogen.“Sylvia Albert, Mitarbeiterin der Wohnungslosenhilfe der Stadtmission kennt das von vielen anderen: „Das Leben auf der Straße läuft in ständiger Anspannung: Wie komme ich zu Geld, wo finde ich einen Schlafplatz. Mit der eigenen Wohnung ist das auf einen Schlag weg. Doch viele fallen dann erst einmal in ein Loch.“ Deswegen begleiten Mitarbeiter im Ambulant betreuten Wohnen sie weiter.  „Die Gründe, die zu Mietschulden oder Wohnungsverlust geführt haben, sind ja nicht weg“, erläutert Sylvia Albert. Wichtigstes Ziel: dass der Betroffene seine Wohnung behält. Nur das hat Uwe M. vor dem erneuten Absturz bewahrt, als Anfang 2016 in seinem Leben eintrat, was er „den großen Knall“ nennt: Schlaganfall, drei Monate Krankenhaus, Entlassung, Herzinfarkt, wieder ins Krankenhaus. Derweil verhandelte Michael Rasche von der Wohnungslosenhilfe mit dem Vermieter, erreichte, dass der die Wohnung nicht kündigte. So konnte Uwe M. Ende Mai dorthin zurückkehren. „Es war hart an der Grenze. Wäre ich noch einmal auf der Straße gelandet, hätte ich keine Chance gehabt, wieder eine Wohnung zu bekommen“, sagt der 52-Jährige.Vom Alkohol ist er weg. Drei Mal in der Woche kommt er nun in den Treffpunkt „Schorsch“ im Haus der Wohnungslosenhilfe bei der Stadtmission. Hilft beim Kaffeekochen, Wäschewaschen, macht sauber, versorgt die Wellensittiche. „Hier triffst du Leute, die alle auf der Straße gelebt haben. Die wissen, wovon sie reden. Da knüpfst du automatisch Freundschaften.“ Jetzt hat er feste Zeiten, wo er aufstehen, hierher kommen muss. „Ich hab das zugesagt, also habe ich auch die Verantwortung dafür.“ Was die Zukunft bringe, könne er nicht sagen. „Aber wenn es so weiterläuft, ist es gut“, meint er. Katrin Richter

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