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Sebastian Gemkow: Das eigene Stück Frieden

Das ist mir heilig Sebastian Gemkow: Das eigene Stück Frieden

Die sich über die Stadt legende Dämmerung, Schneeflocken, die sich in den Haaren verfangen, Menschen, die sich aus allen Seiten auf einen Ort zubewegen, das sind feste Kindheitserinnerungen an den 24. Dezember.

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Sebastian Gemkow
, Sächsischer Staatsminister
der Justiz

Dresden. Die sich über die Stadt legende Dämmerung, Schneeflocken, die sich in den Haaren verfangen, Menschen, die sich aus allen Seiten auf einen Ort zubewegen, das sind feste Kindheitserinnerungen an den 24. Dezember. Jedes Jahr habe ich mit meinen Eltern die Christvesper besucht, der Gang zur Kirche wurde für mich bald zur lieben Tradition, die ich bis heute lebe.

Mittlerweile bin ich es selbst, der mit seiner Familie zur Christvesper geht, und es sind meine Kinder, die gerade Erinnerungen prägen, die sie - hoffentlich - ein Leben lang begleiten werden. Ausgeblieben sind seit einigen Jahren die Schneeflocken und natürlich hat sich meine Heimatstadt Leipzig auch sonst verändert seit meiner Kindheit, aber die Tradition selbst ist dieselbe geblieben, wie auch der Ablauf des Tages vor dem Heiligen Abend gleich geblieben ist. So werde ich, wie es auch mein Vater gehalten hat, in der Mittagspause, während die Kinder schlafen, eine Tanne aufstellen, sie mit Kugeln behängen, Schmuck anbringen und mit Kerzen bestücken. Erfahrungsgemäß braucht der Weihnachtsmann am 24. Dezember etwas Hilfe, deswegen werde ich an seiner Stelle die Geschenke unter den Weihnachtsbaum legen und anschließend die Wohnzimmertür fest verschließen, damit keine kleinen, neugierigen Augen den geschmückten Gast zu früh entdecken.

Nach dem Besuch der Christvesper werden wir am Essenstisch das schlichte Abendbrot einnehmen, das wir üblicherweise an Heiligabend anrichten, damit niemand lange in der Küche stehen muss und wir möglichst viel Zeit zusammen verbringen können. Spätestens wenn die Aufregung der Kinder zu groß wird, schleiche ich mich kurz ins Wohnzimmer, lösche das Licht und zünde einen Großteil der Kerzen an. Dann erklingt ein geheimnisvolles Glöckchen und die Wohnzimmertür öffnet sich.

Der Blick der Kinder, wenn sie vor den erleuchteten Baum treten, das Spiegeln des Lichtscheins in ihren Augen, das Staunen vor den Päckchen, das ist mir heilig. In Momenten wie diesen kommt es mir vor, als könnte ich das Glück mit den Händen greifen. Bevor wir, auch meine Frau und ich, uns neugierig ans Auspacken machen, haben wir uns angewöhnt, noch jeweils eine Kerze anzuzünden für jemanden, dem es nicht so gut geht wie uns. Das kann im materiellen Sinne gemeint sein, aber auch im sozialen. Viele, gerade ältere, Menschen müssen das Weihnachtsfest alleine feiern. Für sie ist Weihnachten nicht das Fest der Liebe und der Familie, für sie dürfte Heiligabend ein eher bedrückender Abend sein.

Und natürlich richten wir auch den Blick außerhalb Deutschlands, wo sehr viele Menschen in Unfreiheit und Unsicherheit leben müssen. Das zeigt, dass die Botschaft von Weihnachten bis heute aktuell ist: Gott ist Mensch geworden, weil er die Welt und ihre Bewohner liebt. Diese Liebe anzunehmen und sie an unsere Mitmenschen weiterzugeben, daran sollten wir uns an Weihnachten erinnern. Auch, weil es in Deutschland noch nicht so lange her ist, dass hier Krieg ertragen und Hunger gelitten werden musste. Wenn für uns also ein Auftrag aus dem weihnachtlichen Fest hervorgeht, dann der, dass wir gerade in diesen Zeiten zusammenhalten und aufeinander achtgeben müssen. Es soll uns daran erinnern, dass wir uns nicht darauf berufen sollten, was uns trennt, sondern das betonen, was uns eint: der Wunsch nach Frieden und die Sehnsucht, ein Leben in Freiheit zu führen.

Dieses Stück Frieden, die Familie, steht im Mittelpunkt dieser Tage. Zusammen mit den Kindern auf dem Wohnzimmerboden zu sitzen und die Geschenke behutsam auszupacken, zu spielen und später, vor dem Zubettgehen, die Kerzen gemeinsam auszupusten, das ist für mich Weihnachten. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie ein harmonisches und glückliches Christfest feiern werden und hoffe, dass die segensreiche Botschaft der Weihnacht weiterhin in die Welt hineinstrahle.

Sebastian Gemkow
Sächsischer Staatsminister der Justiz

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