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"Zwischen Feuer und Feuer": Ausstellung in den Städtische Sammlungen Freital

"Zwischen Feuer und Feuer": Ausstellung in den Städtische Sammlungen Freital

Zahlreiche Museen und Sammlungen haben in diesem Jahr mit Ausstellungen Bezug auf den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren genommen. Einen eigenen Akzent setzen mit der Schau "Zwischen Feuer und Feuer" auch die Städtischen Sammlungen Freital.

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Wilhelm Lachnit. Zimmervermieterin.

Quelle: Städtische Sammlungen Freital

Der vom englischen Dichter William Blake (1757-1827) entlehnte Titel nimmt außer dem ersten den zweiten Weltenbrand des 20. Jahrhunderts mit in den Blick. Die Freitaler Sammlung mit ihren teils im Depot schlummernden, umfangreichen Schätzen Dresdner Kunst besonders der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts kann da punkten, wie sich zeigt - auch mit bisher eher unbekannten Arbeiten, darunter neuere Schenkungen. Eingeschlossen ist natürlich eine Reihe Künstler, denen Freital seit Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat, wie etwa Otto Lange, Ewald Schönberg, Irena Rüther-Rabinowicz, Richard Müller oder Fritz Hofmann-Juan. So entsteht durchaus ein Zeitbild der Jahre zwischen 1918 und 1945.

Die Schau setzt ein mit künstlerischen Zeugnissen, deren Schöpfer wohl zunächst mit Begeisterung in Weltkrieg I zogen. Fast übermächtig steht vor dem Besucher Richard Müllers (1874-1954) symbolträchtige Grafik "Der Tod als Brandstifter" (1916). Bereits 1914 hatte er die Ruinen der "Kathedrale von Mecheln" und anderswo dokumentiert. Georg Lührig (1868-1957) lässt in die mit Kohle gezeichneten Gesichter von Kameraden "Auf dem Marsch" (1916), "Vor dem Gefecht" (1916) und "Im Kampf" (1915) blicken. Am deutlichsten hat aber wohl der jüngere Erich Fraaß (1893-1974) die Härte des Krieges - ähnlich wie Dix - zu spüren bekommen. Aus dem Erleben hielt er einen "Gasangriff" (1915) fest, zeichnete Gefallene aller Seiten ("Im Felde", 1915, "Engländer im Drahtverhau", 1916).

Den unmittelbaren Kriegseindrücken folgen zahlreiche Werke, die die Atmosphäre der 1920er Jahre auf die eine oder andere Weise einfangen, und die ebenso die unterschiedlichen Wege der Verarbeitung der persönlichen und gesellschaftlichen Erschütterungen im Gefolge des Ersten Weltkrieges sichtbar machen. So empfängt den Besucher im ersten Saal Hofmann-Juans "TAT TWAM ASI (Die Geißelung)" von 1921. Von Otto Lange stammen mehrere expressive Holzschnitte mit explizit christlichem Hintergrund. Zahlreiche andere der vertretenen Künstler waren von der zweiten Welle des Expressionismus getragen, sammelten sich etwa in der "Gruppe 1917", die später in die "Dresdner Sezession Gruppe 1919" einging. Der Holzschnitt Conrad Felixmüllers "Mutter und Kind" (1918), Otto Griebels "Mann der Straße", Otto Dix' "kosmisches" Blatt "Die Geburt" von 1919 führen diesen künstlerischen Auf- respektive Ausbruch ebenso vor Augen wie Arbeiten, die den Nachkrieg thematisieren: Peter August Böckstiegels "Tod im Lazarett" (1919), Hans Jüchsers "Der Kriegsblinde" (1924), aber auch Christoph Volls "Frau mit Kindern" (um 1920), die ein Sinnbild für die vielen Proletarierwitwen jener Jahre sein könnte, während George Grosz' "Bordellszene" auf den oft falschen Glitzer der "Goldenen Zwanziger" verweist, der das Elend, das Künstler wie Dix, Lachnit, Griebel oder Grundig wahrnahmen, kaum überdeckte.

Gleichwohl zeichnet sich um die Mitte der 1920er eine emotionale Beruhigung ab. Die in sich differenzierte "Neue Sachlichkeit", nicht nur mit Dixscher Schärfe vorgetragen, wird stilprägend. Die Ausstellung unterstreicht das mit einer Reihe Landschaften, Porträts und Akten, etwa Hermann Glöckners "Der weiße Grenzstein" (1927), einem etwa im gleichen Jahr entstandenen "Mädchenbildnis" von Curt Querner, Heribert Fischer-Geisings "Schreibendem Knaben" (1928) oder Carl Lohses "Landschaft" (um 1930). Mit der "Dresdner Sezession 1932" gab es einen letztmaligen Sammlungsversuch gegen die heraufziehende faschistische Diktatur, die auch den Kunstbetrieb entsprechend steuern würde, alles, was sie "entartet" nannte, aussonderte. Darunter war das Werk der meisten hier genannten Künstler. Nur wenige konnten mehr oder weniger unbehelligt weiter arbeiten.

Einzelne ließen sich aber auf Dauer oder zeitweise vereinnahmen. Das gilt für den künstlerisch erzkonservativen Richard Müller und auf andere Weise für Willy Kriegel. Wer dessen "Waldquelle" von 1942 sieht, ahnt, was Nazigrößen an seiner altdeutsch daher kommenden Malerei reizte. Interessanter ist allerdings Ewald Schönbergs "Signal" von 1938, dem Jahr des "Anschlusses" Österreichs, dessen martialisch wirkende Rückansicht eines zum Appell oder was auch immer rufenden Soldaten mit Stahlhelm in der Ikonografie lückenlos an der Mobilmachung dienende Darstellungen seit dem Ersten Weltkrieg anschließt. Gar nicht heldisch zeigt sich Erich Lindenaus "Vermisst vor Stalingrad": "Hauptakteure" des 1944 gemalten Bildes sind ein Stahlhelm und eine Hundeblume. Der Krieg schlug dazumal schon deutlich auf Deutschland zurück. Auch Freital erlebte - vor Dresden - am 24. August 1944 einen alliierten Luftangriff.

Mit dieser Ausstellung zeigt sich Schloss Freital-Burgk erneut als Ort, der exemplarisch Entwicklungen in der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts am Beispiel Dresdens zeigt. Eine Ansicht aus dem Jahr 1942, die ein Unwetter über Freital thematisiert, erinnert zudem an die Persönlichkeit, dem die dortige Kunstsammlung ihren Grundstock verdankt: den Sammler und Maler Willy Eberl (1899-1947).

bis 26. Oktober, Städtische Sammlungen Freital auf Schloss Burgk. Tel. 0351/ 6 49 15 62. Di-Fr 13-16 Uhr, Sa/So 10-17 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.10.2014

Lisa Werner-Art

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