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Zwei junge Polen wegen Einschleusens von 60 Flüchtlingen in Pirna vor Gericht

Flüchtlinge Zwei junge Polen wegen Einschleusens von 60 Flüchtlingen in Pirna vor Gericht

Für das Einschleusen von 60 Flüchtlingen Anfang August dieses Jahres erhielten zwei junge Polen am Freitag vor dem Amtsgericht Pirna ihre Quittung. „Es war wie ein Viehtransport. Die Menschen wurden wie Vieh behandelt“, sagte der Ankläger.

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Quelle: dpa

Pirna. Für das Einschleusen von 60 Flüchtlingen Anfang August dieses Jahres erhielten zwei junge Polen am Freitag vor dem Amtsgericht Pirna ihre Quittung. „Es war wie ein Viehtransport. Die Menschen wurden wie Vieh behandelt“, sagte der Ankläger, der wegen der aktuellen Bedrohungslage gegen Staatsanwälte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Und er korrigierte sich gleich selbst: Auf Tiertransporten würden bessere Bedingungen herrschen als sie die acht Kinder sowie Frauen und Männer aus den Kriegs- und Krisengebieten Syrien, Afghanistan, Eritrea und Iran auf ihrer Fahrt von Budapest bis nach Deutschland erdulden mussten.

Sie waren auf der Ladefläche von zwei Transportern auf das Engste zusammengepfercht. „Sie lagen praktisch übereinander. Unter ihnen waren Kleinkinder. Es gab nichts zu essen oder zu trinken. Es war heiß und stickig“, schilderte der Staatsanwalt die Situation unter den verschlossenen Planen. Der Angeklagte Pawel L. habe auf der über siebenstündigen Fahrt von der ungarischen Hauptstadt bis kurz hinter der deutsch-tschechischen Grenze bei Bahretal nicht eine Pause eingelegt.

Den Transporter von Dariusz T. habe auch kein Flüchtling auf der Route verlassen dürfen. Zudem besitze er nicht einmal einen Führerschein. „Es ist nur ein glücklicher Zufall, dass niemand verletzt wurde oder gar gestorben ist“, meinte der Vertreter der Anklage und erinnerte an die rund 70 Flüchtlinge, die tot in einem Laster auf einer österreichischen Autobahn gefunden worden waren. „Dies hätte hier ähnlich enden können“, so der Staatsanwaltschaft. Er beantragte wegen des Einschleusens sowie einer „das Leben gefährdenden, unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung“ eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und fünf Monaten für Pawel L. und drei Jahren und sechs Monaten für Dariusz T. Er forderte den Richter auf, mit einer harten Bestrafung ein „Signal“ zu setzen: „Menschen dürfen so nicht transportiert werden! Solche Schleusungsbedingungen dulden wir nicht“, machte der Staatsanwalt deutlich.

Die Verteidigung zweifelte an, ob auf der Anklagebank die richtigen Adressaten, um ein Exempel zu statuieren, Platz genommen haben. Als „Irrglaube“ geißelte Rechtsanwalt René Zebisch, dass mit der geforderten Strafe erreicht werden könne, „dass kein Mensch mehr von Ungarn nach Deutschland kommt“. Und sein Kollege Robert Zukowski gab zu bedenken: „Hier sitzt nur das Kanonenfutter der Schleuserbanden.“

Die beiden Angeklagten haben noch keinen Schulabschluss. Einen Ausbildungsvertrag haben sie auch nicht in der Tasche. Mit Gelegenheitsjobs hielten sie sich über Wasser. Der zur Tatzeit 21 Jahre alte Dariusz T. verteilte Flyer auf einem Markt in Krakau, als er von einem Unbekannten angesprochen wurde. „Wenn du mehr verdienen möchtest, habe ich eine gute und legale Arbeit für dich. Er suchte dringend Kraftfahrer“, berichtete er. 200 Euro wurden ihm für eine Transportfahrt in Aussicht gestellt, für ihn fast ein ganzer Monatslohn. Er berichtete seinem Kumpel, dem 20 Jahre alten Pawel L., davon. Beide nahmen den Job an. Ausgestattet mit zwei Lkws fuhren sie nach Budapest, ohne zu wissen, was sie laden sollen. Sie seien weggeschickt worden, bevor die Flüchtlinge auf die Laster stiegen. „Als wir sahen, was da vorgeht, haben wir Angst bekommen“, erinnerte sich Dariusz L. Wenn sie vorher gewusst hätten, dass sie Menschen transportieren sollten, hätten sie den Job nie angenommen, versicherten beide und zeigten Reue.  Richter Jürgen Uhlig hielt das umfassende Geständnis den beiden zugute. Da sie keine Vorstrafen haben und die Flüchtlinge freiwillig auf die Lkws gestiegen seien, ließ er Gnade walten und verurteilte die beiden jungen Männer zu Freiheitsstrafen von einem Jahr und acht Monaten bzw. zwei Jahren, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind.

Silvio Kuhnert

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