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Zughalt kurz vor dem Inferno: Kriegskinder kommen bei Schau in Meißen zu Wort

Zughalt kurz vor dem Inferno: Kriegskinder kommen bei Schau in Meißen zu Wort

Meißen. "Der Zug blieb stehen" heißt eine Ausstellung, die heute, 15 Uhr, von Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) im Meißner Rathaus eröffnet wird. Dort ist die Schau, die vor fünf Jahren schon einmal im Dresdner Rathaus ausgestellt war, bis zum 27. März zu sehen.

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Im Gespräch: Die Meißnerin Maria Richter, die als Cousine Rövers die Schau nach Meißen holen half, Johannes Wosch, Sabine Röver und Otto Röver (v.l.).

Quelle: Uwe Hofmann

Die von der Nürnberger Galerie Röver konzipierte Ausstellung basiert auf Gedächtnisprotokollen von Kriegskindern. Namengebend ist ein Geschehen, das eng mit der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 verbunden ist. Johannes Wosch war damals gemeinsam mit seiner Mutter und zwei Geschwistern aus Oberschlesien nach Meißen geflüchtet, wo sie ein paar Tage in einer großen Flüchtlingsunterkunft unterkamen. Von dort sollte sie ein Zug nach Bayern bringen. Kurz vor Dresden hielt der Zug. "Der Himmel war ganz hell", erinnert sich Wosch. Es war die Stadt, die brannte. "Wir hatten eigentlich einen früheren Zug nehmen wollen, den wir verpasst hatten." Wären sie nicht zu spät am Bahnsteig gewesen, wären sie im Inferno umgekommen.

Erinnerungen wie diese hat Sabine Röver gesammelt. Sie arbeite als Sterbebegleiterin und habe häufig derartige Geschichten erzählt bekommen von Menschen, die den Weltkrieg als Kinder erlebten. Was sie hörte, habe sie berührt, auch weil lange Jahre ein Schweigegebot in beiden Teilen Deutschlands verhinderte, dass offen über derartige traumatische Ereignisse gesprochen wurde. Die in Breslau geborene Röver wuchs als Flüchtlingskind in Osterode im Harz auf. "Man vergisst nicht, dass man geflohen ist", sagt Röver. Dafür hätten die Nachbarn schon gesorgt. Genauso wie nach ihrer Flucht aus der DDR 1961, als sie erst in einer Massenunterkunft unterkam, "wie sie heute Asylbewerbern zugemutet wird", dann schleunigst ihren Dialekt ablegte, um nicht diskriminiert zu werden.

Röver versteht ihre Arbeit weniger als historische Dokumentation. Sie streicht den therapeutischen Nutzen heraus für diejenigen, die sich nach all den Jahren ihre Geschichte von der Seele reden können. Entsprechend gehört zur Schau ein Gästebuch, in das Besucher eigene Erlebnisse eintragen können.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.02.2015

Uwe Hofmann

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