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Zeitkapseln im Kinderzimmer - Stadtmuseum Meißen zeigt Spielzeug aus DDR-Produktion

Zeitkapseln im Kinderzimmer - Stadtmuseum Meißen zeigt Spielzeug aus DDR-Produktion

Meißen. "Nein, gezählt habe ich sie wirklich nicht", sagt Eric Palitzsch. Der Rabenauer sammelt Spielzeug aus DDR-Produktion, hat nach eigener Schätzung mehr als 4000 Exponate in Kisten und Lagerräumen verstaut.

Einen beträchtlichen Anteil davon zeigt er im Stadtmuseum Meißen, wo am Mittwoch die neue Schau "Kinderspielzeug der DDR" als Weihnachtsausstellung eröffnen wird. Zu sehen sind dabei auch Holzspielzeuge, die der Meißner Künstler Lothar Sell zumeist für seine Tochter Gundula gefertigt hat. Dieser auch räumlich getrennte Bestandteil bringt Lokalkolorit und Individualität in eine Ausstellung, die sonst von einem hohem Wiedererkennungswert der meisten Besucher profitieren wird, wie Museums-Chefin Martina Fischer vermutet. Die Ausstellung solle vor allem etwas fürs Herz sein und als nicht so hochwissenschaftlich angesehen werden, meint sie.

Dabei ist die Schau, passend zum 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls, auch ein sehr anschaulicher Parforceritt durch die Geschichte der DDR. Denn vieles, mit dem sich die Kleinen hinter den Kinderzimmertüren beschäftigen sollten, war zwischen 1949 und 1989 ein verkleinertes Abbild dessen, was sich vor diesen Türen so abspielte. Egal ob Traktor Famulus oder der Anfang der 50er beliebte Pkw IFA F9 - gerade viele Fahrzeuge der DDR führten ein Doppelleben als Spielzeuge. Die Miniaturausgaben wiesen dabei mitunter wenig subtil in die Richtung, in die sich die Kinder entwickeln sollten. So trugen die Spielzeugstaubsauger mit "Steffi" und "Martina" nicht zufällig weibliche Namen. Klare Ansage: Das ist Mädchenspielzeug, so wie der große Staubsauger nur was für Mutti ist. Auch die "gesellschaftlichen Organe" blieben nicht außen vor. So gab es Volkspolizist und Thälmann-Pionier als Puppen, das ferngesteuerte Polizeiauto war ein beliebtes Spielzeug. Und auch die Militärtechnik fand sich "leider sehr detailliert" in den Spielzeugregalen wieder, wie Palitzsch sagt. Davon ist in der Meißner Schau allerdings nichts zu sehen.

Dafür erzählt sie in einem Exponat eine andere spannende Geschichte: Als der VEB Flugzeugwerke Dresden nach dem tragischen Absturz eines Prototypen mit der Herstellung des Düsenflugzeugs Typ 152 scheiterte, war die Spielzeugvariante zur Propagierung des geplatzten Prestigeerfolgs schon längst in der Produktion. Die wurde gestoppt und nach kleinen Veränderungen noch lange Jahre fortgesetzt. "Man hatte ja die Maschinen und Werkzeuge einmal geschaffen", sagt Palitzsch. Am Kinderzimmerhimmel verkehrten nun Flugzeuge der "Orient Air Line", die wie kleine Abbilder des Düsenjets Typ 152 aussahen.

Nur eines der Beispiele dafür, wie sich Zeitgeschichte im Spielzeug wiederfindet. Andere wären etwa die Kosmonautenspielwaren, das Spielzeug als Devisenbringer im Export oder das Kapitel Industriespionage. Gerade in der Anfangszeit der DDR seien auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs zur selben Zeit neue Spielzeuge aufgetaucht, ohne dass sich sagen lasse, wer da von wem abgeschaut habe, sagt Palitzsch.

Dieses Problem hatte Gundula Sell nicht. Ihr Vater Lothar fertigte ihr und später auch ihrer Tochter Spielzeug, das sonst keiner hatte. Etwa die Wassertröpfchen, von denen sich gar nicht genau sagen lässt, ob sie mehr dem Kopf der Tochter oder des Vaters entsprungen sind. Gundula war es jedenfalls, die vom Wasserkreislauf so fasziniert war, dass sie unzählige Bilder von Wassertröpfchen aus dem Kindergarten heimbrachte. "Das waren richtige Persönchen, mit Gesicht, Händen und Füßen", erinnert sich Sell. Ein solches Tröpfchen wünschte sie zu Weihnachten - und bekam es. Bis ins hohe Alter fertigte Lothar Sell die Figuren, die als typisch für sein Werk angesehen werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.11.2014

Uwe Hofmann

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