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Zehn sächsische Weinbauern spritzen verbotene Mittel

Vor allem Traubenerzeuger überführt Zehn sächsische Weinbauern spritzen verbotene Mittel

Was sich schon lange andeutete, wird immer klarer: Traubenerzeuger sind offenkundig die Hauptverantwortlichen des sächsischen Weinskandals. Erneut wurden auf den Rebflächen von drei Traubenerzeugern Rückstände von Dimethoat beziehungsweise Omethoat nachgewiesen. Das teilte das zuständige Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie mit.


Quelle: Lars Müller

Meißen. Was sich schon lange andeutete, wird immer klarer: Traubenerzeuger sind offenkundig die Hauptverantwortlichen des sächsischen Weinskandals. Erneut wurden auf den Rebflächen von drei Traubenerzeugern Rückstände von Dimethoat beziehungsweise Omethoat nachgewiesen. Das teilte das zuständige Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie auf Anfrage mit. „Es handelt sich dabei um zwei Lieferanten der Winzergenossenschaft“, so eine Sprecherin. Der dritte Erzeuger nutze nach eigenen Angaben den erzeugten Wein zum Eigenverbrauch. Das ist erlaubt. Rückstände der im Weinbau verbotenen Nervengifte gegen stechende und saugende Insekten waren in Weinen mehrere sächsischer Kellereien entdeckt worden. Diese Insektizid-Wirkstoffe im Wein waren Auslöser der Affäre. Die Konzentration ist zwar so gering, dass nach Behördenangaben keine Gesundheitsgefahr bestehe. Trotzdem dürfen die belasteten Weine nicht verkauft oder ausgeschenkt werden.Verbrauchen sind verunsichert, weil die Weine auch nicht verpflichtend entsorgt werden müssen.

Bei zwei Traubenerzeugern wurden zudem Iprodion-Rückstände in der Rinde ihrer Rebstöcke festgestellt. Es handele sich um einen Lieferanten der Winzergenossenschaft sowie um einen Lieferanten des Betriebes, in dem belasteter Roséwein aufgetaucht war, so die Sprecherin. „Gegen beide Zulieferer werden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.“ Iprodion ist ein Fungizid, das seit mehreren Jahren nicht mehr im deutschen Weinbau verwendet werden darf.

Weitere Analysen stehen aus, in vier Fällen konnte aber auch Entwarnung gegeben werden.

Das Landesumweltamt hält den Kontrolldruck aufrecht. In einem Betrieb würden im Einvernehmen mit diesem regelmäßige Proben von Rinde und Blättern im Abstand von vier bis sechs Wochen genommen. Ziel sei es, die Entwicklung der Dimethoat-Rückstände in der Rinde zu verfolgen. Bislang liegen die Untersuchungsergebnisse der Mai-Beprobung vor. Sie zeigen einen Rückgang der Dimethoatgehalte um etwa ein Drittel gegenüber dem Ausgangswert von Anfang März. Die Proben von Anfang Juli, wo auch die noch winzigen Beeren untersucht wurden, seien noch nicht analysiert, hieß es. Aus den bislang vorliegenden Werten könnten noch keine belastbaren Rückschlüsse auf das Abbauverhalten von Dimethoat in der Rinde gezogen werden. Somit ist auch noch unklar, ob von belasteten Rebflächen in diesem Jahr Trauben zu Wein gekeltert werden können. Das sächsische Verbraucherschutzministerium erklärte auf Anfrage, die Keltertrauben seien dann nicht verkehrsfähig, wenn in oder auf ihnen nicht zugelassene Pflanzenschutzmittel vorhanden sind. „Der Rebstock ist kein Lebensmittel, dies ist nur die Traube nach der Ernte. Wenn also auf der Traube kein Dimethoat nachweisbar ist, dann kann diese vermarktet beziehungsweise verarbeitet werden“, so eine Sprecherin.

Das LfULG hat bislang auf 53 Rebflächen Rindenproben genommen - auf einer Anlage zusätzlich Blatt- und Traubenproben. Rückstände in der Rinde von nicht im Weinbau zugelassenen Pflanzenschutzmitteln wurden den Angaben zufolge bei insgesamt neun Traubenerzeugern festgestellt. Ein Kleinwinzer und Küfermeister wurde zudem anhand seines Weines überführt. Da der Dresdner den Einsatz eines nicht deklarierten Mittels gegenüber den Behörden einräumte und an der Aufklärung mitwirkte, waren den Angaben zufolge keine Untersuchungen an den Rebstöcken notwendig. Die geschädigten Kellereien trifft in den allermeisten Fällen keine unmittelbare Schuld. Rein rechtlich sind sie jedoch als Lebensmittelproduzenten dafür verantwortlich, dass sie nur einwandfreie Ware von Zulieferern verarbeiten. In der Praxis ist eine lückenlose Kontrolle aber kaum möglich, statt dessen viel Vertrauen in die Geschäftspartner und deren Arbeit ist nötig. Das haben allerdings diejenigen Traubenerzeuger verspielt, die sich nicht an die Gesetze zum Pflanzenschutz halten. Da Schnelltests bei der Anlieferung der Trauben nicht möglich sind, bleiben den Kellereien nur Rückstellproben. Diese könnten dann analysiert werden, wenn beim fertigen Weinen Probleme mit unerlaubten Rückständen auftreten sollten. Bis das bei der amtlichen Analyse - die ab diesem Jahrgang alle Qualitäts- und Prädikatsweine in Sachsen erfasst - bemerkt wird, kann durch den Verschnitt mit „sauberen“ Partien dem betroffenen Winzer ein immenser Schaden entstanden sein.

Die Winzer stecken in einem Dilemma. Sie sind, um wirtschaftlich arbeiten zu können, vielfach auf zugekaufte Trauben angewiesen. Zudem befürchten einige Weingüter, durch den Kontrolldruck und die Probleme bei der Winzergenossenschaft, wo der meiste belastete Wein im Keller liegt, könnten viele Kleinwinzer ihre sowieso kaum rentablen Steillagen aufgeben. Diese allerdings prägen die Kulturlandschaft und locken Touristen an und liefern letztendlich als eingetragene Rebflächen auch jede Menge Trauben für sächsische Weine.

Von Lars Müller

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