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Wolle aus dem Osterzgebirge

Wolle aus dem Osterzgebirge

Das Schäferhandwerk gehört zu den härtesten Berufen in Deutschland. Neben Arbeitszeiten von bis zu zwölf Stunden am Tag müssen sich die Schäfer mit einem sehr niedrigen Einkommen abfinde

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Bernhard Drutschmann ist seit 49 Jahren Schäfer mit Leib und Seele.

Quelle: Schäferei Drutschmann

Dippoldiswalde. n. Ohne Subventionen durch Bund und EU könnten die meisten nicht überleben. Für Wolle gibt es schon lange kein Geld mehr, zu groß ist das Angebot aus Asien und Australien/Neuseeland. Deshalb setzen die meisten der verbliebenen sächsischen Schäfer seit der Wende auf die Fleischproduktion. Zunächst folgte auch Karin Drutschmann diesem Modell. "Wir haben Fleischschafe zugekauft und sie in unseren Wollschafbestand eingekreuzt", erklärt die 61-Jährige. Sie betreibt seit 1998 eine Familienschäferei im Ortsteil Reichstädt bei Dippoldiswalde.

Die Liebe zur Schäferei und ihrem Mann Bernhard hegt die studierte Dipl. Agraringenieurin schon seit über 35 Jahren. Damals arbeiteten beide gemeinsam beim volkseigenen Gut Pesterwitz und lernten sich so kennen. Ihr Ehemann Bernhard Drutschmann ist seit fast 50 Jahren Schäfer aus Leidenschaft. "Mit 14 Jahren habe ich eine Ausbildung zum Schäfer begonnen, seitdem arbeite ich fast jeden Tag mit den Tieren", so der 63-Jährige. Immer noch hütet er fast täglich zehn bis zwölf Herden auf den Grünflächen im Müglitztal. Warum ihr Mann nach so langer Zeit immer noch mit Feuereifer zu Werke geht, weiß Ehefrau Karin: "Für meinen Mann ist das Hüten der Schafe kein Beruf, sondern eine Berufung."

Auch die gemeinsame Tochter Maria hat den Beruf der Schäferin erlernt und arbeitet im Familienbetrieb. Trotz EU-Subventionen, dem raschen Umstieg auf den Schaffleischbetrieb und einer Aufstockung der Herde auf 500 Muttertiere, wurde es finanziell eng. "Wir haben uns bereits 1999 entschieden, neue Wege zu gehen", erklärt Karin Drutschmann. Zunächst entschied man sich für eine Direktvermarktung. "Wir geben im Frühjahr Jungschafe an Privatpersonen und Fleischereien ab, im Herbst schlachten wir selbst und verkaufen Fleisch und hausgemachte Wurstprodukte", so die Unternehmerin. Dafür wurde 2003 sogar ein eigenes Schlachthaus gebaut.

Das ist aber nicht alles. Statt wie alle größeren Schäfereien in Sachsen die Wolle als Nebenprodukt des Fleischbetriebes für einen Spottpreis abzugeben, hat sich Familie Drutschmann etwas Besonderes einfallen lassen. "Wir bringen unsere Wolle zum Bettenhaus Rieger nach Görlitz. Dort lassen wir sie zu Stoffen und Wollprodukten verarbeiten, die wir in unserem Hof anbieten", so die Bio-Landwirtin. Im Hofladen der Schäferei gibt es eine bunte Auswahl an Vlies, Strickwolle und Kleidung. Das Geschäftsmodell ist sehr erfolgreich. Das Familienunternehmen muss mittlerweile sogar schon Wolle zukaufen, um den Bedarf zu decken. Neben einem gut florierenden Onlineshop für die Bio-Wollprodukte bieten Tochter Maria und ihre Mutter auch ein umfangreiches Projektangebot an. Es finden eine große Zahl an Kreativkursen und Workshops zum Thema Spinnen statt. Kindergärten und Schulklassen kommen das ganze Jahr über zu Projekttagen, wie etwa zur Schur. Im vergangenen Herbst musste die Familie ihren Schafbestand leider drastisch reduzieren.

Ein Großteil der gepachteten Weideflächen im Müglitztal steht unter Naturschutz. Für diese Flächen untersagte die EU 2014 die Nutzung als Weideland. "Wir haben Protest eingereicht, doch die Paarungszeit beginnt im Herbst. An dieser Stelle müssen wir festlegen, mit wie vielen Schafen wir in das neue Jahr gehen", erzählt Drutschmann. Pünktlich im März kam der Bescheid der EU, dass für die nächsten fünf Jahre Schafzucht auf den Grünflächen weiterhin erlaubt ist. "Natürlich ist das sehr ärgerlich, aber wir mussten den Bestand reduzieren, falls es eine Ablehnung gegeben hätte", so die 61-Jährige weiter. Der Schafbestand soll jetzt langsam wieder erhöht werden. Für das Familienunternehmen ist das Schäfern mehr als nur ein Beruf. "Seit 1992 haben wir Skudden-Schafe. Diese Sorte ist die kleinste Schafrasse und vom Aussterben bedroht", beschreibt Drutschmann. Momentan tummeln sich 20 kleine Tiere mit den eindrucksvoll gedrehten Hörnern auf dem Grundstück des Familienbetriebes.

Interessierte finden Produkte und Infos unter www.schaeferei-drutschmann.de

Sebastian Burkhardt

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