Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Google+
Wo der Hopfen wächst: Landwirt Matthias Grosser weiß, wie das Bier in ein paar Jahren schmecken wird

Wo der Hopfen wächst: Landwirt Matthias Grosser weiß, wie das Bier in ein paar Jahren schmecken wird

"Hier in Sachsen wissen alle, wer ich bin", sagt Matthias Grosser selbstbewusst. Der Brockwitzer Landwirt vermehrt auf vier Hektar Hopfenpflanzen verschiedener Sorten und ist damit unter den Hopfenbauern Mitteldeutschlands eine bekannte Größe.

Coswig.

Und nicht nur dort: "Für mich ist Hallertau entscheidend", sagt er über das bekannte bayrische Anbaugebiet. Andere Abnehmer sitzen auch in Österreich.

Es ist eine kleine Welt, aber Grosser liegt sie ganz offenbar am Herzen. Seit 2007 baut er Hopfenpflanzen an - ein Geschäft, das für ihn jedoch nach wie vor "Nischenproduktion" ist, wie er sagt. Zum Vergleich: Grossers Felder sind etwa 300 Hektar groß. Dort baut er unter anderen Wintergerste, Weizen und Zuckerrüben an und vermehrt Gräser. Das tun andere Bauern auch - der Hopfen unterscheidet Grosser von ihnen.

Die alte Kulturpflanze wurde 2007 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt, besitzt also das Potenzial, für weitaus mehr Hersteller interessant zu sein als nur für Bierbrauer. Dennoch gehen nach Grossers Schätzung derzeit "90 Prozent ins Bier". Als Hopfenvermehrer steht er ganz am Anfang der Erzeugungskette und bekommt frühzeitig Einblick in die Trends des Biergeschäfts. Schließlich müssen gerade große Brauereien bestimmte Sorten des für den Biergeschmack so entscheidenden Hopfens langfristig vorher bei den Anbauern ordern, die dann entsprechende Verträge mit den Hopfenvermehrern schließen.

Je nachdem, ob zum Beispiel Sorten wie "Saazer", "Hallertauer Magnum" oder "Nordischer Brauer" stärker gefragt werden, kann Grosser schon jetzt sagen, wie so manches Bier in ein paar Jahren schmecken wird. Den Großteil seiner Hopfenflächen bepflanzt er aufgrund solcher Verträge mit den Anbaubetrieben oder Brauereien, auf ein paar Feldern hat er aber auch einiges auf Risiko gepflanzt. Die Erfahrung habe gezeigt, dass auch große Brauereien sehr kurzfristig bestimmte Sorten ordern. Für ein paar solcher Eventualitäten ist Grosser gewappnet.

Hopfen ist eine ähnlich alte Kulturpflanze wie Wein - beides Gewächse, die bis ins hohe Alter Ertrag bringen können. "Das Schlimmste, was ich kenne, ist ein Betrieb, bei dem die Hopfenpflanzen 40 Jahre stehen. Das ist schlecht für den Vermehrer", sagt Grosser über das Geschäft. Die kurzlebigen Volten der großen Braukonzerne führten aber immer wieder dazu, dass Hopfenbestände schon nach wenigen Jahren gerodet werden, um Platz für neue Sorten zu schaffen. Dennoch: Das Geschäft habe in den letzten Jahren stagniert, sagt Grosser, der der Pflanze durchaus eine größere Nachfrage zutraut. Vielleicht bringe ein neuer Trend, der so langsam aus den USA über den Teich schwappe, einen Wandel.

Damit meint der Brockwitzer Landwirt die sogenannten Craft Brewer, die handwerklich erzeugte Biere in kleinen Mengen produzieren. Sie experimentieren viel beim Gärprozess, um charakteristische Biere hinzukriegen, auch der Hopfeneinsatz spielt dabei seine Rolle. Gut möglich, dass der Trend auch im sächsischen Elbtal, das schon einige Kleinerzeuger vorweisen kann, in Größenordnungen Fuß fasst. Ortsansässige Landwirte wie Grosser würden wohl am stärksten davon profitieren - die Szene setzt auf Grundstoffe aus der Region.

Allerdings befinden sich die meisten Biere aus Mikrobrauereien in ganz anderen Preisregionen als die Erzeugnisse der großen Braukonzerne. Er habe schon Preisschilder von über zwölf Euro für so ein Bier gesehen. "Das ist nichts für den Trinkerbrunnen", sagt er mit einen Seitenhieb auf eine Coswiger Problemgegend. Vielleicht aber bringt es Aufschwung in seine Hopfenfelder.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.06.2014

Uwe Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

19.09.2017 - 13:00 Uhr

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dresden sowie der Verein "Gerede" laden in die Neustadt ein. 

mehr