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Wirte hadern mit Regulierungswut

Gastronomie Wirte hadern mit Regulierungswut

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband schlägt Alarm. „Im ländlichen Raum stirbt ein Stück Gastronomiekultur“, sagt Gerhard Schwabe, Geschäftsführer des Dehoga-Regionalverbands Dresden und meint damit die Landgasthäuser. Der Totengräber: Bürokratie.

Stöhnen unter immer mehr bürokratischen Auflagen und weisen mit Flyern darauf hin: der Börnchener Gastwirt Uwe Geißler mit Ehefrau Petra sowie Gerhard Schwabe, Geschäftsführer des Dehoga-Regionalverbands Dresden (r.).

Quelle: Silvio Kuhnert

Börnchen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) schlägt Alarm. „Im ländlichen Raum stirbt ein Stück Gastronomiekultur“, sagt Gerhard Schwabe, Geschäftsführer des Dehoga-Regionalverbands Dresden und meint damit die Landgasthäuser. Den Totengräber hat er in der zunehmenden Bürokratie in Deutschland ausgemacht. Durch neue Bestimmungen wie etwa das Mindestlohngesetz oder die Allergenkennzeichnungspflicht werde der Prozess beschleunigt. „Die Gasthauskultur stirbt noch schneller“, meint Schwabe.

Mit Flyern möchte der Verband die Gäste für die Sorgen der kleineren Wirtshäuser sensibilisieren. Unter der Überschrift „Sorry, wenn‘s mal länger dauert!“ sind drei Aufgaben aufgelistet, die die Mitarbeiter in einem Gastronomiebetrieb von ihrer eigentlichen Arbeit, den Gast zu bewirten, abhalten. „Ihr Koch zeichnet gerade Allergene auf, der Chef des Hauses dokumentiert mal wieder und ich (die Bedienung, A.d.Red.) muss jetzt eine Pause einlegen wegen des Arbeitszeitgesetzes“, steht auf dem Faltblatt geschrieben.

Ausgelegt hat den Flyer beispielsweise Uwe Geißler in seiner Gaststube. In dritter Generation führt er den 102 Jahre alten Gasthof Börnchen im gleichnamigen Ortsteil von Bannewitz. Ob eines seiner Kinder das Gasthaus fortführen wird, ist fraglich. „Wir raten ihnen, macht es nicht“, sagt seine Ehefrau Petra. Und der Wirt ergänzt: „Vor 20 Jahren hat der Job noch Spaß gemacht.“ Doch heute kommen dem 57-Jährigen immer mehr Zweifel, ob sich die Mühe noch lohnt.

Wenn Uwe Geißler von seinen Gästen und den Feiern von Taufe, Schuleingang, Hochzeit oder Silberhochzeit berichtet, merkt man sofort, dass er mit Leidenschaft Wirt ist. „Die Öffnungszeit ist nicht die Arbeitszeit“, berichtet er. Zum Arbeitstag für ihn und seine zwei Angestellten und einer Hilfskraft gehören der Einkauf, die Vorbereitung von Speisen sowie am Abend das Putzen der Küche dazu. Immer mehr Zeit geht für die Büroarbeit drauf. So habe die Arbeitszeiterfassung eine aufwendige Dokumentation zur Folge. „Es kann nicht sein, dass man sich dreimal am Tag strafbar macht, nur weil man gute Arbeit leisten will“, klagt der Gastronom.

Am Mindestlohn möchte der Wirt nicht rütteln. „Es geht nicht um die 8,50 Euro. Die sind in Ordnung“, sagt Geißler. Aber mit dem Mindestlohngesetz traten auch neue Arbeitszeitregeln in Kraft und die machen dem Gastwirt zu schaffen. Der Acht-Stunden-Tag ist die Regel, in Ausnahmen dürfen es auch einmal zehn sein. Auf die Einhaltung der Pausen wird schärfer geachtet. Verstöße werden mit bis zu 50.000 Euro Strafe geahndet.

Aber in Stoßzeiten, wenn alle Plätze besetzt sind, könne man den Gast nicht auf seine Bestellung warten lassen, um die Pausenzeiten einzuhalten. Und eine Feiergesellschaft könne man nicht einfach nach Hause schicken, obwohl die maximale Arbeitszeit pro Tag erreicht sei, gibt Schwabe zu bedenken. Er wünscht sich hier mehr Möglichkeiten zur Flexibilität. An der Maximalarbeitszeit von 48 Stunden in der Woche möchte er nicht rütteln, aber an der Ausgestaltung, dass Mitarbeiter an Wochenenden oder in der Hochsaison länger arbeitet dürfen. Dafür nehmen sie in der Woche oder Nebensaison frei.

Silvio Kuhnert

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