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Winzern faulen die Trauben weg: Selektive Lese erfordert Mehraufwand in den Rebzeilen

Winzern faulen die Trauben weg: Selektive Lese erfordert Mehraufwand in den Rebzeilen

Meißen/Dresden. Den sächsischen Winzern beginnen die Trauben an den Rebstöcken zu faulen. Tagelanger Regen bei vergleichsweise milden Temperaturen sorgt für ausgeprägte Botrytis.

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Hobbywinzer Jürgen Kalb hat eine Weißburgunder-Traube fotografiert, die von Edel- und Sauerfäule befallen ist. Sie darf nicht ins Lesegut gelangen.

Quelle: Jürgen Kalb

Die Schlauchpilze überziehen die Trauben mit einem regelrechten Schimmelpelz und entziehen den Beeren Flüssigkeit. Zugleich steigt bei reifen Früch- ten die Konzentration von Zucker. "Die Ernte ist aber keineswegs verloren", sagt Ronny Koch, der Kellermeister im Weingut Jan Ulrich. Für die Winzer bedeutet es allerdings mehr Arbeit, da sie teil-weise mehrfach lesen und ihre ursprünglichen Lesepläne anpassen müssen. Im Weingut Jan Ulrich wurden am Wochenende zunächst die edelfaulen Trauben gekeltert. Koch verweist darauf, dass der Ertrag teilweise zehn bis 20 Prozent geringer ausfalle. Besonders betroffen seien mittelfrühe Rebsorten, wie der Klassiker Müller-Thurgau oder die roten Sorten Regent sowie Domina. Lockerbeerige Sorten seien weniger fäulnisanfällig. Das trifft auch auf die Rebsorten zu, bei denen während der Blütezeit kleine Beeren und Blüten abgestoßen wurden, die in der Winzersprache also verrieselten.

Weniger sächsischer Rotwein

Durch den trockenen Sommer hätten die Rebstöcke in den vergangenen Tagen viel Wasser aufgenommen, die Beeren quellen auf. Hängen die Beeren in den Trauben nicht zu eng, werden sie weniger gequetscht, platzen nicht auf und bieten den Schädlingen keine Eintrittspforte. Da die Botrytis-Pilze auch die Farbpigmente in den Beerenschalen beim Rotwein zerstörten, würden die Winzer von roten Sorten verstärkt Weißherbst oder Rosé ausbauen, sagt der Kellermeister. Dabei kann ein geringer Anteil edelfauler Beeren verarbeitet werden. Zugleich besteht jedoch die Gefahr, dass in diesem Jahr deutlich weniger sächsischer Rotwein produziert wird.

Das Staatsweingut Schloss Wackerbarth sieht sich nach Angaben von Unternehmenssprecher Martin Junge gut gerüstet. Der Personalbedarf sei so geplant, dass arbeitsintensivere Leseschritte, wie beispielsweise das selektive Lesen gesunder Beeren per Hand, kurzfristig umzusetzen seien. Das garantiere hohe Qualitäten, so Junge. In dieser Woche will Wackerbarth die Lese des Goldrieslings, des Müller-Thurgaus und des Frühburgunders beenden.

Das Weingut Schloss Proschwitz bestätigt, Fäulnis lasse sich zwar "hier und da in ersten Ansätzen blicken", bislang seien das Traubengut jedoch in Ordnung, die Werte gut. Man habe bei keiner Rebsorte die Ernte vorgezogen, erklärt Unternehmenssprecherin Alexandra zur Lippe. "Abgeschlossen haben wir die Lese unseres Frühburgunders, mit top gesundem Lesegut." In dieser Woche folgten Goldriesling und eventuell Müller-Thurgau. "Aber ohne Eile", betont zur Lippe. Tatsächlich sind allerdings in diesen Tagen die Traktoren mit Anhängern voller Trauben auch bei Proschwitz bis in die Dunkelheit zur Kellerei in Ockrilla unterwegs.

Weniger gelassen sehen es die Pillnitzer Hobbywinzer. Jürgen Kalb hat Anfang der Woche mehrere Parzellen kontrolliert und seine Beobachtungen an die Winzergenossenschaft gemeldet: "Die Reben sind zum Teil mit Botrytis befallen, was sich jedoch noch in Grenzen hält." Anlagen, die vor dem vollen Auswachsen der Trauben, dem sogenannten Traubenschluss, gespritzt wurden, seien deutlich weniger betroffen.

Es sei "durch die Extremfeuchte mit einem Botrytisbefall von etwa fünf Prozent zu rechnen, in einzelnen Bereichen seien sogar 10 bis 15 Prozent Befall zu erkennen". Der Spätburgunder sei zurzeit noch ohne Befund. Da der Kerner in Pillnitz bisher nur Mostgewichte zwischen 55 und 70 Grad Oechsle aufweise, kann der aus Sicht der Hobbywinzer nicht wie geplant am Wochenende gelesen werden. Teilweise hat Kalb auch sogenannte Sauerfäule entdeckt, bei der unreife Beeren schimmeln. Diese können dann nicht mehr für Wein genutzt werden und müssen entfernt werden.

Für eine Einschätzung des Jahrgangs 2014 ist derzeit allerdings viel zu früh, darüber sind sich die Weinbauern einig. Eine Bilanz sei erst möglich, wenn alle Trauben im Keller sind. Und das dauert noch einige Wochen. Jan Ulrichs Kellermeister Koch verweist darauf, dass in einzelnen Lagen bei spätreifenden Riesling ebenfalls erste Fäulnis zu sehen sei. Wie sich das weiter entwickelt, ist von der Witterung in der nächsten Zeit abhängig.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.09.2014

Lars Müller

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