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Winzer im Elbtal bilden wieder Lehrlinge aus - doch es ist nicht leicht, Berufsnachwuchs zu finden

Winzer im Elbtal bilden wieder Lehrlinge aus - doch es ist nicht leicht, Berufsnachwuchs zu finden

Sechs junge Leute beginnen in den nächsten Monaten eine Lehre zum Winzer. Das sagte Axel Walther, Berufsberater im Landratsamt Meißen, auf Anfrage. Nach seiner Kenntnis gibt es in der Region maximal acht Stellen für Winzerlehrlinge.

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Holger Grund (l.) hat schon sein zweites Lehrjahr hinter sich. Konrad Bittner (r.) ar beitet derzeit als Aushilfe in der Hoflößnitz und beginnt im September mit der Ausbildung.

Quelle: Lars Müller

Allerdings sei es für die Betriebe schwierig, die passenden jungen Leute mit der Leidenschaft für die Natur und den Wein zu finden. Viele Jugendliche würden die harte Arbeit bei Wind und Wetter im Weinberg oder den langen Anfahrtsweg zur theoretischen Ausbildung im württembergischen Heilbronn scheuen.

"Der sächsische Weinbau schwimmt auf einer Erfolgswelle, die Winzer erhalten überregionale Anerkennung für ihre Weine", sagt Walther. Dafür benötige man "wahnsinnig gute Leute" als Mitarbeiter. Die Lehrlinge, die in diesem Jahr ihre dreijährige Lehre beginnen, kämen alle aus Sachsen. Es sei aber keineswegs so, dass alle Berufsanfänger automatisch aus Winzerfamilien stammten und mit dem Weinbau groß geworden sind, so Walther. Im Gegenteil: Der Winzernachwuchs aus sächsischen Betrieben gehe zur Lehre meistens in andere Anbaugebiete. Oftmals werde Winzer hierzulande als zweiter Beruf erlernt - z.B. oder von Studienabbrechern beziehungsweise Studenten, die zwischen ihrer theoretischen Ausbildung an der Uni eine Berufsausbildung einschieben würden. Zwei frühere Studenten bildet das städtische Bio-Weingut Hoflößnitz in Radebeul aus. Konrad Bittner hat bisher Maschinenbau studiert, will aber doch lieber einen Beruf mit Praxisbezug ergreifen. Der 23-Jährige arbeitet zurzeit als Aushilfe im Gut, startet seine Lehre offiziell im September. Seine Begeisterung für Wein sei bei Jobs in der Gastronomie in der Neustadt gewachsen, erklärt der Dresdner. Die schweißtreibende Arbeit zwischen den Reben schreckt den jungen Mann nicht. Besonders gespannt sei er aber auf die Arbeit im Weinkeller. Später könne er sich vorstellen, auch im Weinmarketing zu arbeiten.

Holger Grund hat sein zweites Lehrjahr in der Hoflößnitz bereits hinter sich. Der 29-Jährige versuchte sich zuvor in zwei Studienfächern. Auch ihm habe dabei die Praxis gefehlt, sagt er. "Im Weinberg sieht man, was man geschafft hat." Er denkt inzwischen über eine Anschlussausbildung zum Weinbautechniker nach. Bereut habe er die Winzerlehre nie, auch wenn die ersten Wochen bei strömendem Regen im Freien zunächst gewöhnungsbedürftig gewesen seien.

Hoflößnitz-Ausbilder Felix Hößelbarth erklärt, dass er nur dann Lehrlinge einstellt, wenn es geeignete Bewerber gibt. Er habe dabei gute Erfahrungen mit jungen Leuten gemacht, die schon etwas gereifter sind und nicht direkt von der Schulbank ins Weingut wechseln. Für viele Arbeiten in dem kleinen Betrieb sei Selbstständigkeit eine Voraussetzung, die Schulabgängern oftmals noch fehle.

Im Weingut Schloss Proschwitz beenden derzeit zwei Lehrlinge ihre Winzerausbildung, zwei sind mittendrin und zwei junge Frauen beginnen in diesem Sommer. Unternehmenssprecherin Alexandra Prinzessin zur Lippe erklärte, dass die Neueinsteiger wegen vorheriger Ausbildungen ins zweite Lehrjahr einsteigen würden. Eine Lehrstelle sei noch zu besetzen. Anfangs habe man über den eigenen Bedarf hinaus ausgebildet, sagte die Firmensprecherin. Inzwischen sei man aber bestrebt, eigenen Nachwuchs zu gewinnen und die jungen Leute von Anfang an auf die "Handschrift des Weinguts" und die Philosophie einzuschwören.

In Sachsen bilden bisher die Weingüter Aust, Schloss Wackerbarth, Hoflößnitz, Prinz zur Lippe, Vincenz Richter und die Winzergenossenschaft Nachwuchs für Weinberg und Keller aus. Allerdings stellen nicht alle Unternehmen in jedem Jahr auch Lehrlinge ein.

Etwa vier weitere Betriebe in der Region würden die Voraussetzungen für eine Ausbildung besitzen, allerdings bisher keine Lehrstellen anbieten. Berufsberater Walther geht davon aus, dass mittelfristig jedoch mehr Ausbildungsplätze angeboten werden. Das sei letztendlich aber davon abhängig, ob die Rebrechte auf europäischer Ebene gelockert und damit die Rebflächen im Anbaugebiet vergrößert werden.

Jungwinzer Matthias Schuh aus Sörnewitz, der in diesen Tagen seine Weiterbildung zum Weinbautechniker und Önologen abschließt und danach ausbilden darf, sagt: "Für mich kommt eine Ausbildung von Winzern in den nächsten Jahren auf jeden Fall in Frage." Für den 25-Jährigen besteht allerdings das Hauptproblem darin, dass die Berufsschule fast 500 Kilometer entfernt ist. Deshalb erscheine ihm die Einstellung eines Dualen Studenten, der sich für Weinbau an einer Berufsakademie einschreibt, interessanter.

"Unser kleiner Betrieb eignet sich hervorragend, um dem Lernenden alle Bereiche des Berufsbildes Winzer näher zu bringen." Schwierig werde aber die Wahl eines geeigneten Bewerbers. Das Alter spiele hierbei keine Rolle. "Viel wichtiger ist mir, dass der Azubi mit Herz und Verstand an den Beruf herangeht und mich fordert, damit ich ihn fördern kann", sagt Schuh. Dann lohnten sich auch Zeitaufwand und Kosten.

Die Ausbildungsbetriebe müssen nach Angaben von Berufsberater Walther über eine volle Ausstattung in- klusive Kellerei verfügen, die Ausbilder einen Abschluss als Winzermeister, Weinbautechniker oder Önologe nachweisen. Seit Mitte der 1990er Jahr hätten bereits mehr als 40 Winzer in sächsischen Betrieben ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, sagte Walther. Alternativ zum Winzer wird noch der Beruf des Küfers angeboten, dessen Aufgabengebiet sich auf die Arbeit im Keller beschränkt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.07.2013

Lars Müller

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