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Winzer Schabehorn fordert bessere Aufklärung der Hobbyweinbauern

Insektizid im Wein Winzer Schabehorn fordert bessere Aufklärung der Hobbyweinbauern

Winzer Steffen Schabehorn hat genug von den Schlagzeilen über Rückstände des Insektizids Dimethoat in sächsischen Weinen. Es müsse endlich lückenlose Aufklärung her, welche Weine konkret betroffen und aus dem Verkehr gezogen sind, sagte er in Richtung Landratsamt und Winzergenossenschaft in Meißen. Zunehmend litten auch völlig unbeteiligte Winzer unter den Folgen des missbräuchlichen Einsatzes des verbotenen Nervengiftes Dimethoat auf Rebflächen bei Meißen.

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Winzer Steffen Schabehorn wünscht sich endlich Aufklärung, damit die Verbraucher unbeteiligten Winzern wieder vertrauen.

Quelle: Lars Müller

Coswig. Winzer Steffen Schabehorn hat genug von den Schlagzeilen über Rückstände des Insektizids Dimethoat in sächsischen Weinen. Es müsse endlich lückenlose Aufklärung her, welche Weine konkret betroffen und aus dem Verkehr gezogen sind, sagte er in Richtung Landratsamt und Winzergenossenschaft in Meißen. Zunehmend litten auch völlig unbeteiligte Winzer unter den Folgen des missbräuchlichen Einsatzes des verbotenen Nervengiftes Dimethoat auf Rebflächen bei Meißen. Dabei wundert sich der langjährige Winzer gar nicht so sehr, dass ein Problem mit Rückständen von unerlaubten Pflanzenschutzmitteln in Sachsen ans Licht kam, sondern mehr über das Ausmaß. Der Winzer aus Sörnewitz, der auch mit Winzereibedarf handelt, weiß nach eigenen Angaben, dass vor allem von älteren Hobbyweinbauern noch uralte Pflanzenschutzmittel eingesetzt würden, die sie in ihren Weinberghäuschen mitunter noch aus DDR-Zeiten horteten. Manche Weinbauern würden noch von Gelbspritzmittel und vom geradezu legendären Bi-58 in alter Konzentration berichten. Bi-58 enthält ebenfalls Dimethoat und ist damit im Weinbau tabu. Um Geld zu sparen, besorgten sich wieder andere Hobbywinzer Spritzmittel im osteuropäischen Ausland – ohne zu wissen, ob die Chemikalien in Deutschland auf Wein überhaupt zugelassen sind.

Beim unsachgemäßen Einsatz von Pflanzenschutzmittel versteht Steffen Schabehorn keinen Spaß. „Wozu das führen kann, sehen wir jetzt ja.“ Die Genossenschaft müsse aktiv werden und ihre vielen Hobbywinzer besser zu Pflanzenschutzfragen aufzuklären - über den gesetzlich geforderten Sachkundenachweis hinaus. Eine Genossenschaft dieser Größe brauche einen Biologen oder Oenologen, der als Qualitätsmanager die Traubenerzeuger das ganze Jahr über begleitet und berät. Der Verursacher des jetzigen Weinskandals, der Dimethoat unsachgemäß einsetzte, müsse zudem endlich öffentlich genannt und „als Abschreckung zu Höchststrafe verurteilt“ werden, fordert Schabehorn. Nur so könnten unerfahrene Winzer erkennen, welchen Schaden verbotene oder falsch dosierte Spritzmittel für die ganze Branche anrichten und welche persönlichen Folgen das für die Anwender haben kann. Zum Weinbautag am Sonnabend will Steffen Schabehorn vom regionalen Weinbauverband endlich Antworten auf drängende Fragen und eine Klarstellung, dass die allermeisten sächsischen Winzer qualitativ hochwertige Weine anbieten, die keine Rückstände unerlaubter Mittel enthalten. „Das können die Verbraucher bei den hohen Preisen unserer Weine auch erwarten“, so der Winzer. Derzeit reagierten viele Weinfreunde und Gastronomen verunsichert. Das Weingut Schabehorn hat nach Angaben des Inhabers in den vergangenen Wochen kaum Wein verkauft. Das könne nicht nur an der Nebensaison liegen. Schabehorn ärgert sich besonders, weil er selbst in seinem Weingut keine Trauben zukaufe und naturnah mit überwiegend biologischen Spritzmitteln wirtschafte und nur dann Pflanzenschutz ausbringe, wenn dies wirklich notwendig sei. Den Einsatz von Dimethoat verurteilt Schabehorn auch, weil dadurch sämtliche Nutzinsekten, wie Raubmilben oder Marienkäfer, im Weinberg vernichtet würden. Es dauere fünf Jahre, bis nach solchen Anwendungen sich die Fauna wieder erhole.

Auch wenn das Landratsamt Meißen und seine Lebensmittelüberwachung erst Ende vergangener Woche von der Landesdirektion eine klare Ansage zur lückenlosen Aufklärung des Ausmaßes der belasteten Weine erhalten hat, gibt sich die Behörde noch immer bedeckt und stellt Sorgen vor etwaiger finanzieller Haftung vor Verbraucherschutz. Wegen des laufenden Verfahrens wolle man nicht sagen, ob Grundweine oder Moste der Jahrgänge 2014 und 2015 aus der Winzergenossenschaft an andere Weingüter verkauft wurden. Die Behörde recherchiere aber penibel, versicherte eine Kreissprecherin. Dazu ist die Behörde von Gesetzes wegen verpflichtet. Die Landesdirektion hatte gefordert, dass alle Weinchargen der Genossenschaft aus den Jahren 2014 und 2015 auf Kosten des Unternehmens vor dem Verkauf auf Giftstoffrückstände zu prüfen seien. Ein Sprecher der Landesdirektion sagte auf Anfrage, das betreffe auch Weine der Tochter Meißner Weinmanufaktur, sofern diese in derselben Kellerei verarbeitet wurden. Unter diesem Label wird beispielsweise der Rivaner bei Aldi gehandelt.

Die Sächsische Vinothek an der Frauenkirche in Dresden verwies darauf, dass derzeit wegen der jahreszeitlich bedingt wenigen Gäste in der Stadt sowieso wenig Wein verkauft werde. Diejenigen, die von verbotenen Rückständen wissen, seien aber nicht ernsthaft verunsichert. „Sie fragen zwar nach, aber eher interessiert am genaueren Ablauf der Dinge, weniger um ihre Gesundheit besorgt“, sagt Fachverkäuferin und Weinexpertin Tabea Hundt. Mögliche Imageprobleme würden erst mit Verzögerung spürbar. Auch Tabea Hundt fordert Transparenz unter anderem vom Weinbauverband und klare Konsequenzen „für den oder die Winzer, welche das für den Weinbau nicht zugelassene Mittel gespritzt haben“. Sie müssten „offen zur Rechenschaft gezogen werden“. Größere Lücken in den Regalen der Fachvinothek für sächsische Weine befürchtet Hundt nicht. Man habe nur zwei Weine vorsorglich aus dem Verkauf genommen und wolle auch künftig wieder Genossenschaftsweine anbieten, wenn diese untersucht und unbelastet sind. „Allerdings schauen wir schon auch genau, woher die Tropfen kommen und bevorzugen die Einzellagen von Regionen, deren Winzer und Einstellung wir persönlich kennen.“

In mehreren Weinen aus bisher zwei sächsischen Betrieben wurden Rückstände des im Weinbau verbotenen Insektizids Dimethoat nachgewiesen. Eine Gesundheitsgefahr besteht nach Experteneinschätzung zwar nicht, trotzdem dürfen die Weine auf behördliche Anordnung nicht verkauft werden. Das Gesetz erlaubt keinerlei Rückstände des Nervengiftes im Wein.

Von Lars Müller

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