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Wildkatze in der Sächsischen Schweiz entdeckt

Wildkatze in der Sächsischen Schweiz entdeckt

In der Sächsischen Schweiz gibt es eine Wildkatze. Beim Zeughaus in der Kernzone des Nationalparks wurde das scheue Tier gesichtet.

Kirnitzschtal.

Von Silvio Kuhnert

Anja Kluge, Mitarbeiterin der Gaststätte, hat "Beweismittel" sichergestellt. Ein Haarbüschel des Tieres schickte sie zur Genanalyse an das Senckenberg-Institut nach Gelnhausen. "Das Ergebnis ist positiv. Es handelt sich um eine Wildkatze", berichtet Kluge.

Es war im Frühjahr, als der Vierbeiner um das Gasthaus herumschlich. "Sie hatte eine Kopfverletzung", erinnert sich Kluge. Mit ihren Kollegen stellte sie Futter vor die Tür. "Dreimal am Tag ist sie gekommen", so Kluge, die bei einem der Besuche Haare der Katze sicherstellte. Seit Pfingsten, als der Besucherstrom im Elbsandsteingebirge und am Zeughaus zunahm, ist die Wildkatze verschwunden.

Das letzte Lebenszeichen stammt von Ende Mai, informiert Hanspeter Mayr, Sprecher der Nationalparkverwaltung: "Die Katze ist in eine der Fotofallen getappt." Die wurden eigentlich im Nationalpark montiert, um die Luchse zu beobachten. Dass es sich um eine echte Wildkatze handelt, bestätigt Mayr. Schon vor dem Untersuchungsergebnis aus Gelnhausen, gab es Indizien, die gegen eine ausgebüxte Hauskatze sprachen. "Sie ließ sich zwar füttern, aber nicht berühren", berichtet Mayr. Wenn ihr jemand zu nahe kam, fauchte das Raubtier, macht einen Buckel und fletschte die Zähne.

Diese Reaktionen kann auch ein verwilderter Stubentiger zeigen. Doch die Genanalyse ist eindeutig. In der Außenstelle Gelnhausen werden seit 2006 Haaranalysen zur Unterscheidung von Wild- und Hauskatzen durchgeführt. "Bisherige Highlights des Projekts sind Erstnachweise von Wildkatzen in zahlreichen Regionen Deutschlands, zum Beispiel der als 'kleine Sensation' gefeierte Erstnachweis der Wildkatze im einzigen hessischen Nationalpark, dem Kellerwald, im Jahre 2007", teilt Klaus Fiedler, SPD-Koordinator der Euroregion Elbe/Labe, mit.

Wie nun die Wildkatze in die Sächsische Schweiz kam, bleibt ein Rätsel. Nationalparksprecher Hanspeter Mayr hat keine Erklärung. "Der nächste Lebensraum ist das Vogtland", berichtet er. Theoretisch könnte der Vierbeiner von dort aus in die Region eingewandert sein. Aber im Gegensatz zu Wölfen oder Luchsen ist die Wildkatze nicht als Wanderer über lange Strecken bekannt. Eine Ansiedlung schließt Mayr aus. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich hier eine Population bildet", so der Nationalparksprecher.

Vor über 200 Jahren war die Wildkatze allerdings hier heimisch. Davon zeugen zum Beispiel die Namen Katzstein und Katzfels. Im Jahr 1809 soll die letzte Wildkatze in der Region erlegt worden sein.

Klaus Fiedler wünscht sich, dass die Wildkatze am Zeughaus nicht allein bleibt. "Die positive Nachricht vom Institut Senckenberg sollte die Verantwortlichen im Umweltministerium Sachsen anregen, Schritte zur Unterstützung einer dauerhaften Population einzuleiten. Der weiblichen Wildkatze fehlt der Wildkater", meint Fiedler. Mit einer dauerhaften Ansiedlung würde in der Sächsischen Schweiz mit der Wildkatze eine ausgestorbene Tierart die Artenvielfalt weiter bereichern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.08.2012

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