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Wieder Pflanzengift in sächsischen Weinen

Skandal um Insektizid-Rückstände weitet sich aus Wieder Pflanzengift in sächsischen Weinen

Weitere 2526 Flaschen Sachsenwein dürfen wegen Rückständen eines unerlaubten Pflanzenschutzmittels nicht verkauft werden. Die Kellerei habe den Wein selbst gesperrt, so der Landkreis. Die Flaschen seien nie im Umlauf gewesen. Aus diesem Grund nennt die Behörde den Namen des inzwischen dritten betroffenen Betriebes nicht.

Der Weinskandal in Sachsen zieht immer neue Kreise. Erneut sind mehr als 2500 Flaschen nicht verkaufsfähig, weil verbotene Insektizid-Rückstände darin gefunden wurden.
 

Quelle: dpa

Meißen.  Weitere 2526 Flaschen Sachsenwein dürfen wegen Rückständen eines unerlaubten Pflanzenschutzmittels nicht verkauft werden. Eine Sprecherin des Landkreises Meißen sagte, die Kellerei habe den Wein selbst gesperrt. Die Flaschen seien nie im Umlauf gewesen. Aus diesem Grund nennt die Behörde den Namen des inzwischen dritten betroffenen Betriebes nicht.

Der Landkreis nimmt damit aber zugleich in Kauf, dass quasi auch Weine aus allen nicht betroffenen Kellereien von Verbrauchern und Händlern kritisch hinterfragt werden. Dabei hatten alle Untersuchungsbehörden noch vor zwei Wochen eine lückenlose Aufklärung und Transparenz versprochen, um einen möglichen Imageschaden des Sachsenweins zu begrenzen. Auch der Weinbauverband Sachsen hatte sich stets dagegen verwahrt, alle Winzer unter Generalverdacht zu stellen.

Winzer Jan Ulrich aus Diesbar-Seußlitz appellierte an den betroffenen Betrieb, er möge sich zu erkennen geben. Dies würde den Verdacht von anderen Kellereien nehmen und zugleich die Verbraucher beruhigen. Ulrich hatte zwei belastete Weine in seiner Kellerei und war damit an die Öffentlichkeit gegangen. „Die jetzigen Weine des Familienbetriebs sind einwandfrei“, versichert er. Die Landesdirektion Sachsen verteidigte den Landkreis und verweist auf das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. Es bestehe keine Gesundheitsgefahr, und der Wein sei nicht ekelerregend. Deshalb dürfe die Behörde die Kellerei nicht nennen.

Weinbau-Sachverständiger Wolfgang Patzwahl aus Franken hat unterdessen sechs weitere sächsische Weine untersuchen lassen. Bei drei Weinen der Genossenschaft waren die Grenzwerte von Dimethoat, die bei 0,01 Milligramm je Kilogramm Keltertrauben liegen, mit 0,069 und 0,044 Milligramm je Kilogramm deutlich überschritten. Das geht aus den Protokollen der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt Speyer hervor.

Der bei Aldi-Nord gehandelte Rivaner (Müller-Thurgau) weist demnach sogar eine Belastung von 0,097 Milligramm je Kilogramm aus. Der Discounter hatte den Wein unlängst aus dem Verkauf genommen, jedoch nach eigenen Angaben aus Vorsorge. Eine unzulässige Belastung hatte der Handelsriese auf mehrfache Anfrage nie eingeräumt.

Weinfachmann Patzwahl ärgert es, dass er die Weine noch im Online-Shop der Genossenschaft bestellen konnten, nachdem diese fünf andere Weine aus dem Verkehr gezogen hatte. Es hätte in den Kellerbüchern auffallen müssen, dass auch belastete Trauben im Bennoschoppen rosé (ohne Jahrgang) und im Spätburgunder Weißherbst 2014 mit hoher Wahrscheinlichkeit verarbeitet wurden. Patzwahl kritisiert fehlendes Qualitäts- und Krisenmanagement bei Sachsens größtem Traubenerzeuger.

Am Donnerstag wurden die beiden Weine bei der Genossenschaft zwar nicht mehr verkauft, waren jedoch in anderen Online-Shops noch bestellbar. Offenbar klappt die Rückholung nicht. Auch Patzwahl sei als Kunde nicht aufgefordert worden, die Weine zurückzusenden. Nun will sich der Fachmann nochmals an die sächsische Verbraucherschutzministerin Barbara Klepsch (CDU) wenden und Handeln anmahnen. Klepsch hat sich zur Affäre um belastete Weine bisher öffentlich nicht geäußert. Es könne dem gesamten deutschen Wein schaden, wenn Sachsen nicht endlich das Problem in den Griff bekomme und lückenlos aufkläre, so Patzwahl. Die Genossenschaft sah sich am Donnerstag nicht in der Lage, ein Statement abzugeben. Die Verantwortlichen seien außer Haus gewesen. Aldi reagierte zunächst nicht.

Nach fünf Wochen ist noch immer unklar, wie viele Weine der Sächsischen Winzergenossenschaft Meißen Rückstände des Wirkstoffs Dimethoat aufweisen. Dieses Insektizid, ein Nervengift gegen saugende und stechende Insekten, ist im Weinbau verboten, darf aber in anderen Landwirtschaftskulturen angewendet werden. Im Fokus als Verursacher steht ein Traubenerzeuger aus dem Raum Meißen, der – soweit bekannt – für mindestens einen weiteren Traubenerzeuger dessen Rebstöcke gespritzt hat. Weinbauverbandschef Christoph Reiner ist empört und ratlos, weil der Einsatz des Mittels im Weinbau überhaupt keinen Sinn mache. So etwas könne nicht akzeptiert werden - ganz unabhängig davon, dass wohl keiner der belasteten Weine gesundheitsgefährdend sei.

Inwieweit die am stärksten geschädigte Winzergenossenschaft auf Hilfe vom Freistaat hoffen kann, scheint indes unklar. „Auf Grund der noch laufenden Untersuchungen kann zu Hilfsmaßnahmen noch keine Aussage getroffen werden“, erklärte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums (SMUL). Eine Voraussetzung für Hilfen sei die konkrete Bezifferung des Schadens, die dem Ministerium noch nicht vorliege. „Abgesehen davon gelten die einschlägigen Richtlinien des SMUL nur für landwirtschaftliche Unternehmen und können von der Winzergenossenschaft als Verarbeiter nicht in Anspruch genommen werden“, so der Sprecher weiter.

Von Lars Müller

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