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Wie aus der "Alten Schuhfabrik" in Radebeul ein Gewerbehof wurde

Wie aus der "Alten Schuhfabrik" in Radebeul ein Gewerbehof wurde

Aus dem alten Schornstein an der ehemaligen Radebeuler Schuhfabrik qualmt es schon lange nicht mehr. Vor einem Jahrhundert rauchte es noch aus vielen Essen in den Gewerbegebieten in Radebeul-Ost.

Radebeul.

Von Stephan Klingbeil

Günther Steimann findet die damalige Zeit spannend. Er will den Schornstein erhalten, sammelt zudem historische Ansichten. Bilder vom Areal der 1916 gegründeten Schuhfabrik hängen bei ihm im Büro in einem der sechs Baukomplexe des Fabrikgeländes.

Der Ingenieur war gerade in Leipzig. Seine Firma "Bauen mit Alpintechnik" half mit, das Völkerschlachtdenkmal zu sanieren. Know-How und Technik der Radebeuler sind gefragt. Die zehn Mitarbeiter der 1989 gegründeten Firma planen, bauen und reparieren in luftiger Höhe. Sie erklimmen wie Bergsteiger Türme, Talsperren und Funkmasten. An Kraftwerkstürmen und sächsischen Schlössern waren die Profis unterwegs. Einer der ersten Aufträge führte sie Anfang der 1990er-Jahre nach Dresden. Das Dach der Kunstakademie, die "Zitronenpresse", wurde saniert.

Der 63-jährige Steimann hat in 16 Jahren viel bewegt auf dem einst verwaisten Areal der "Raschufa". "Das hier waren nach der Wende alles Ruinen", sagt er. Das Dach, die Wände, auch der Sanitärtrakt, in dem sich zu DDR-Zeiten die über 800 Arbeiter duschten, darunter etliche vietnamesische Vertragsarbeiter, - die ganze Fabrik war ein Sanierungsfall.

Die Firma war 1916 von Fritz Keyl als Schuhfabrik F. Keyl in Dresden-Gruna gegründet worden. Er zog 1925 nach Radebeul, der Betrieb wurde 1945 vom Betriebsrat übernommen, 1948 enteignet und 1993 aufgelöst. Zeitweise wurden über zwei Millionen Paar Schuhe im Jahr produziert. Nach der Wende kam ein Investor, der den Komplex erst als Asylheim nutzen wollte, zog sich dann aber zurück. Die Hauptgebäude wurden deshalb 2000 zwangsversteigert.

Die Steimanns griffen zu. Zum einen hatten die Räume in der ehemaligen Glasschleiferei auf dem Areal nicht mehr ausgereicht - hier waren sie 1996 nach dem Kauf des Hauses von der Treuhand eingezogen. Andererseits gab es Vandalismus in den leeren Räumen, Jugendliche zündelten. Der Kauf sei logisch gewesen, sagen die Steimanns. Aus Angst um den sanierten Bestand. Aber auch, weil den Eheleuten der Erhalt des Areals am Herzen liegt.

In ihrem Gewerbehof Alte Radebeuler Schuhfabrik haben derzeit 28 Mieter Räume bezogen. Kleinere Firmen, Zulieferer, im Sondermaschinenbau tätige Hersteller. Dort sind aber ebenso Künstler und der American-Football-Verein "Suburbian Foxes" einquartiert.

Bei seiner letzten Tour Mitte November durch seinen Wahlkreis staunte auch Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) über das, was sich auf dem Areal getan hat - fast ohne Fördermittel entstand auf 10 000 Quadratmetern ein Gewerbehof mit 110 Beschäftigten. Die einzigen Zuschüsse, die Heidrun und Günther Steimann erhalten hätten, seien 30 000 D-Mark gewesen, mit denen Künstler Ateliers einrichten konnten.

Der Gewerbehof ist ein erfolgreiches Gegenmodell zu Bürozentren, die mit vielen Millionen Euro an Steuergeld aus dem Boden gestampft wurden, aber nie annähernd ausgelastet sind. Das Geld für die Sanierung von Dach und Fassade, den Umbau von Hallen und Toiletten erwirtschaften die Steimanns mit den Mieteinnahmen. Der 63-Jährige saniert die alte Schuhfabrik dabei peu à peu. Er baut die Räume nur aus, wenn sich Firmen einmieten oder erweitern wollen. Daher ist der Gewerbehof eine Baustelle. Oft packen die Unternehmer mit an. Burkhard Winkler, etwa. Seine Firma Wikodema ist im Maschinenbau aktiv, entwickelt, konstruiert und fertigt Metallteile. "Gut, dass man hier flexibel auf die Auftragslage reagieren kann", so Winkler. Braucht eine Firma weniger Platz, mietet sich meist eine andere ein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.12.2012

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