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Widerstand gegen Investor für Porzellanmanufaktur Meissen

Widerstand gegen Investor für Porzellanmanufaktur Meissen

Erstmals zeigen Finanzinvestoren Interesse an der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen. Allerdings löst der Interessent "German Brands" unter sächsischen Landespolitikern kaum Freude aus.

Die Porzellanmanufaktur in Meißen kommt nicht zur Ruhe. Nachdem die Investorengruppe "German Brands" angekündigt hat, beim sächsischen Traditionshaus einsteigen zu wollen, regt sich Widerstand. Mit 100 Millionen Euro will sich die Gruppe an der Manufaktur beteiligen, die dem Freistaat gehört. Doch auf das Angebot fällt ein Schatten, denn gegen führende Manager des Unternehmens laufen Ermittlungen der Dresdner Staatsanwaltschaft. Im Fokus stehen der Vertriebschef Uwe Freund und der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Manfred Bohnen - beide wurden bereits 2008 wegen Kapitalanlagebetrugs verurteilt.

Anfang Juni will Finanzminister Georg Unland (CDU) mit Vertretern der Firma zusammentreffen. Hinter vorgehaltener Hand wird in Dresden längst über eine mögliche Beteiligung, gar über Verkauf spekuliert. Was das Haus Unland entschieden dementiert. Man sei zwar "immer an Gesprächen interessiert, die Sachsen beziehungsweise seine Beteiligungen voranbringen", heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums. Dennoch plane Sachsen keinen Verkauf von Anteilen der Manufaktur.

Jens Michel, Finanzsprecher der CDU-Landtagsfraktion, hält Ideen in diese Richtung für höchst unwahrscheinlich, auch nicht für wünschenswert. "Ich gehe davon aus, dass der Finanzminister im Vorfeld Rückkopplung mit dem Landtag suchen würde", sagte er gestern. Es gebe auch keinen Beschluss der CDU-Fraktion in Richtung eines Verkaufs oder einer Beteiligung. SPD-Fraktionschef Martin Dulig fordert von Unland, das Treffen mit "vorbestraften Anlagebetrügern" sofort abzusagen. Dennoch eröffnet das Angebot von "German Brands" neue Möglichkeiten in der seit Langem heftigen Debatte um die Zukunft der Manufaktur.

Der Staatsbetrieb mit 630 Mitarbeitern macht knapp 40 Millionen Euro Umsatz - allerdings immer weniger mit Geschirr, dafür mehr mit Fliesen, Schmuck, Möbeln, Krawatten, Sofakissen und Abendkleidern. Für viele Porzellanfreunde und ehemalige Mitarbeiter kommt die Manufaktur mit dem Vorstoß in fremde Märkte vom bewährten Kurs der letzten 300 Jahre ab. Das Finanzministerium in Dresden, zu dem die Manufaktur gehört, hält die Neuausrichtung für unabdingbar. Der Markt für Teller und Tassen bricht weg, teure Services leisten sich nur noch Enthusiasten. Um also die Arbeitsplätze am Stammsitz zu erhalten, muss anderswo Geld verdient werden: In Mailand, Japan, China, Malaysia. Nicht aber mit Geschirr, sondern zuvörderst mit Mode. Die Abendkleider-Schiene Meissen Couture soll nach Willen von Geschäftsführer Christian Kurtzke neue Dachmarke werden. Längst tritt die Porzellanmanufaktur am Markt nur noch als "Manufaktur" auf.

Der Linken-Landtagsabgeordnete Sebastian Scheel sieht das mit Skepsis: "Die Frage ist: Will der Freistaat auf Dauer einen international agierenden Luxushersteller im Besitz haben, mit allen Risiken und mit aller Verantwortung, die dazu gehören?" Andererseits ist auch Verkauf für Scheel keine Option. Die Manufaktur sei schließlich ein identitätsstiftendes Institut, das international für den Freistaat wirbt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Freistaat Sachsen eine 300 Jahre alte Traditionsmanufaktur, die immer im staatlichen Besitz war, verkauft." Auf Antrag der Linken wird sich nächste Woche sowohl der Kultur- als auch der Finanzausschuss mit der Manufaktur befassen.

Anlass bietet auch Kurtzkes Rückzieher im seit Jahren schwelenden Markenstreit. Den Plan, die Marke "Meissen" für jedes Produkt und jede Dienstleistung zu sichern, hat die Manufaktur vorerst aufgegeben. Wie Kurtzke sagte, um "regionale Irritationen" zu beruhigen. Denn zu groß war der Widerstand anderer Meißner Unternehmen, die durch die rigorose Markenpolitik des Staatsbetriebs Nachteile fürchten. Aus Protest stieg kürzlich der Meißner Oberbürgermeister Olaf Raschke aus dem Aufsichtsrat aus. Die Manufaktur hält dagegen, sie müsse sich gegen Fälscher wehren, um die Arbeitsplätze in Meißen zu schützen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.04.2014

Christine Keilholz

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