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Weltnaturerbeprojekt für Sächsisch-Böhmische Schweiz steht vor dem Aus

Weltnaturerbeprojekt für Sächsisch-Böhmische Schweiz steht vor dem Aus

Die Chancen für eine erfolgreiche Bewerbung der Sächsisch-Böhmischen Schweiz um den Unesco-Weltnaturerbetitel sind sehr schlecht. Als "gering" stuft sie Professor Paul Williams ein.

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So wie sich der Nebel über den Basteifelsen bei Rathen lichtet, brachte die Expertise des Unesco-Experten Paul Williams mehr Klarheit für das Weltnaturerbeprojekt.

Quelle: Arno Burgi, dpa

Sächsische Schweiz. Auf Einladung des tschechischen Umweltministeriums hatte der neuseeländische Geologe die Nationalparkregionen diesseits und jenseits der Grenze Mitte September auf ihre Titeltauglichkeit unter die Lupe genommen. In seinem Bericht, der den DNN vorliegt, hegt der Unesco-Experte starke Zweifel, ob die vorgeschlagene Gebietskulisse die strengen Weltnaturerbe-Kriterien erfüllt. Dagegen schätzt Williams die Erfolgsaussichten auf Anerkennung als Unesco-Geopark "very high", also "sehr hoch", ein: "Alle Voraussetzungen sind vorhanden." Eine Bewerbung wäre relativ einfach auszuarbeiten, so Williams. Eine weitere mögliche Option sei der Titel "Unesco-Biosphärenreservat". Hierfür müssten aber noch Flora und Fauna genauer untersucht werden.

Zweifellos - die vielen bizarren Felsformationen in der Kernzone des Nationalparks sind schon etwas Außergewöhnliches. Die Sächsisch-Böhmische Schweiz ist die größte Sandsteinlandschaft in Europa. Aber Sandstein gibt es nicht nur an der Elbe, sondern ist ein auf allen Kontinenten sehr weit verbreitetes Gestein. Kann aber das vorgeschlagene Gebiet die besten und außergewöhnlichsten Beispiele von Sandsteinformationen im weltweiten Vergleich bieten? Eine positive Antwort auf diese Frage schätzt Williams nicht als völlig unmöglich ein. Aber ein Nachweis der Einmaligkeit wird sehr schwierig.

Des Weiteren bietet das Elbsandsteingebirge keine völlig unberührte Natur, sondern ist eine Kulturlandschaft, in die der Mensch seit Jahrhunderten eingreift. Während seines Besuches auf deutscher Seite stand Williams auch auf der Bastei. Das Felsmassiv mit dem beliebten Aussichtspunkt sollte seiner Empfehlung nach bei einer Bewerbung nicht mit in die Gebietskulisse aufgenommen werden. Das Panorama-Hotel steht völlig deplatziert. Zudem kommen tausende Touristen, um die Landschaft von der Spitze aus zu bewundern und zu fotografieren. Derweil sei der Blick über das Elbtal an der Brand-Baude aus geomorphologischer Hinsicht bedeutsamer, so Williams.

Und wie geht es mit dem Projekt "Unesco-Weltnaturerbe Sächsisch-Böhmische Schweiz" nun weiter? Die SPD-AG Elbe/Labe hat sich erste Gedanken gemacht. Seit Jahren unterstützt sie mit der Weltnaturerbewanderung eine Bewerbung um den Titel. "Die Kriterien der Unesco sind so hoch angebunden, dass wir zu der Erkenntnis gekommen sind, dass es in Europa wohl keinen weiteren Weltnaturerbetitel geben wird", sagt Koordinator Klaus Fiedler. Grund seien die geforderte Unversehrtheit und Einmaligkeit. Sein Fazit: "Es wird zu keinem Weltnaturerbe-Titel für das Elbsandsteingebirge kommen."

So bleiben noch die alternativen Vorschläge von Williams, und zwar Geopark oder Biosphärenreservat. Letzteres ist aus Sicht der SPD-AG-Mitglieder für die Region keine Option. "Menschen wollen nicht in einem Reservat leben", meint Fiedler. Außerdem wiegt der Status des Nationalparks höher, und den hat die Region schon.

Eine interessante Perspektive stellt aus Sicht der AG dagegen die Idee von einem nationalen Geopark dar. Der sollte allerdings links der Elbe mit Königstein, Pfaffenstein und dem Bielatal liegen. "Wir versprechen uns davon eine weitere touristische Aufwertung dieses Gebietes. Des Weiteren wäre es eine Ergänzung zum Nationalpark rechts der Elbe", so Fiedler. Sein Appell: Über die Idee eines Geoparks sollten die Touristiker nachdenken, um die linkselbische Sandsteinlandschaft noch attraktiver für Besucher zu entwickeln.

Die Nationalparkregionen Böhmische und Sächsische Schweiz bleiben für Koordinator Fiedler "eine große Perle, deren Zusammenarbeit es noch fester zu verzahnen gilt". Gemeinsam mit der tschechischen Nationalparkverwaltung wird die SPD-AG im September 2015 wieder eine Wanderung organisieren, dann aber nicht mehr für einen Weltnaturerbetitel, sondern als Freundschaftswanderung für alle, die das Elbsandsteingebirge in ihre Herzen geschlossen haben. Ziel der Freundschaftswanderung ist der Schneeberg.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.11.2014

Silvio Kuhnert

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