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Weinskandal: Rindenproben verschärfen Verdacht auf illegalen Pflanzenschutz

Insektizid-Rückstände im Sachsenwein Weinskandal: Rindenproben verschärfen Verdacht auf illegalen Pflanzenschutz

Mit detektivischer Kleinarbeit versucht das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie den Verursacher des sächsischen Weinskandals zweifelsfrei zu überführen. Dazu haben die Fachleute in sechs Weinbaubetrieben Rinde von Rebstöcken gekratzt und in amtlichen Labors untersuchen lassen. Die Ergebnisse verheißen nichts Gutes.

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Rebrinden-Proben können nachweisen, ob verbotenes Insektizid direkt auf der Weinanlage eingesetzt wurde oder nur durch Abdrift in die Keltertrauben gelangte.

Quelle: Lars Müller

Meißen. Mit detektivischer Kleinarbeit versucht das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) den mutmaßlichen Verursacher des sächsischen Weinskandals zweifelsfrei zu überführen. Dazu haben die Fachleute in sechs Weinbaubetrieben Rinde von Rebstöcken gekratzt und in amtlichen Labors auf Rückstände des im Weinbau verbotenen Wirkstoffs Dimethoat untersuchen lassen (DNN berichteten). Die Vermutung des Amtes: Das Insektizid wurde direkt auf Rebflächen angewendet. Die Ergebnisse geben der Behörde nun offenbar Recht.

Während bei vier Betrieben keine Dimethoat-Rückstände in der Weinrinde gefunden wurden, habe sich der Verdacht bei den bereits im Fokus stehenden Traubenerzeugern erhärtet. Dort genommene Proben weisen nach Angaben des Landesamtes sehr hohe Rückstandswerte auf. Sie lagen im Bereich zwischen einem und 15 Milligramm pro Kilogramm Rinde – obwohl die Rebstöcke seit dem Herbst Wind und Wetter ausgesetzt waren. Zum Vergleich: Laut eines den DNN vorliegenden Laborprotokolls waren die kontaminierten Keltertrauben der Probe vom 10. September 2015 mit 0,75 Milligramm Dimethoat pro Kilogramm belastet. Die Höhe der gefundenen Dimethoat-Rückstände in der Rinde ist dem Landesamt zufolge nur durch eine direkte Anwendung und nicht durch Abdrift eines im Weinbau verbotenen dimethoathaltigen Pflanzschutzmittels erklärbar.

Der Anwender gibt bisher jedoch an, andere Kulturen neben den Rebflächen behandelt haben zu wollen. Auch ein solcher Einsatz wäre ohne Genehmigung illegal. Der Genossenschaftsweinbauer hat nach bisherigen Erkenntnissen als Dienstleister die Rebfläche eines Nachbarn gespritzt. Von dieser Fläche stammten die belasteten Trauben, die Auslöser des gesamten Giftskandals waren. Das LfULG hat nun die bereits laufenden Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen zwei mutmaßlich Verantwortliche um den Vorwurf der Anwendung eines im Weinbau verbotenen Pflanzenschutzmittels erweitert. Die Beschuldigten können sich wiederum dazu äußern, bis zum Abschluss des Verfahrens gilt rein rechtlich weiter die Unschuldsvermutung. Ein drohendes Bußgeld dürfte kaum den angerichteten Schaden beheben. Das wird ein Fall für die Versicherungen der beiden Landwirte.

Unterdessen stellt sich die Frage, ob in diesem Jahr Trauben von den zwei mit Dimethoatrückständen belasteten Rebflächen verarbeitet werden können. Immerhin sind zu Beginn der Vegetationszeit die Weinstöcke noch immer mit einem Wirkstoff belastet, der in dieser Agrarkultur verboten ist. Man werde das sorgfältig prüfen, hieß es von der Kontrollbehörde.

Insgesamt hat das Landesamt nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten rund 20 Kontrollen in Weinbaubetrieben durchgeführt. Die Winzergenossenschaft Meißen hat zwischenzeitlich auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa eingeräumt, dass die bisherige Belehrung und Schulung ihrer Hobbywinzer zum Pflanzenschutz ganz offenkundig nicht ausreichten. Daher werde derzeit ein Konzept erarbeitet, das unter anderem stichprobenartige Kontrollen im Weinberg und umfangreichere Kontrollen und Analysen bei der Traubenannahme vorsehen, was eigentlich in jedem Weinbaubetrieb gängige Praxis sein sollte. Unklar ist allerdings noch, ob es angesichts der eingeräumten Versäumnissen personelle Konsequenzen bei Sachsens größtem Weinerzeuger geben oder ob auf Trauben unzuverlässiger Erzeuger verzichtet wird.

Von Lars Müller

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