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Weinlese endet: Letzte Trauben kommen in die Presse

Hoher Ertrag Weinlese endet: Letzte Trauben kommen in die Presse

Die letzten sächsischen Trauben sind in diesen Tagen von den Rebstöcken geholt worden. Die Ernte hat von den Winzern wieder viel Flexibilität erfordert. Das sächsische Landeslandwirtschaftsamt hat im August mit 25.000 Hektoliter Gesamtertrag gerechnet. Es könnte sogar noch etwas mehr werden.

Die letzten sächsischen Trauben sind in diesen Tagen von den Rebstöcken geholt worden.
 

Quelle: Andreas Doering

weinMeissen/Coswig/Radebeul.  Die letzten sächsischen Trauben sind in diesen Tagen von den Rebstöcken geholt worden. Die Ernte hat von den Winzern wieder viel Flexibilität erfordert, Lesepläne wurden ständig über den Haufe geworfen: Anfangs war wegen der Hitze der Most nach dem Abpressen viel zu warm, alsbald nervte - wie prognostiziert - die eingewanderte Kirschessigfliege und zuletzt hatte es so viel geregnet, dass die Beeren teilweise aufplatzten. Das sächsische Landeslandwirtschaftsamt hat im August in einer Meldung an den Deutschen Weinbauverband mit 25.000 Hektoliter Gesamtertrag gerechnet. Inzwischen wurde die Menge sogar leicht nach oben korrigiert. Damit könnte es etwas mehr Sachsenwein geben als 2015. Genaue Zahlen stehen im Dezember fest.

„Der Weinbauverband Sachsen ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis der diesjährigen Weinlese“, sagte Vorstand Christoph Reiner. Der goldene September habe hohe Extrakte und hohe Mostgewichte beschert. Der verregnete Oktober habe dank kühler Temperaturen auch nicht verhindern können, dass in Anlagen mit vorheriger Ertragsreduzierung mit viel Handarbeit letztendlich Spitzenqualitäten eingefahren wurden. Im Klartext: Die Erntehelfer mussten faule Stellen mühevoll aus den Trauben pulen. Das hat sich aber augenscheinlich gelohnt. “Endlich haben wir in Sachsen wieder einmal zwei gute Jahrgänge hintereinander“, erklärte Reiner und bezieht dies vermutlich zunächst auf die Menge. Wie gut der Wein aber wird, liegt nun in den Händen der Kellermeister. Gesundes Lesegut aus vitalen Weinbergen bildet zunächst erst einmal den Grundstein.

Walter Beck, der Außenbetriebsleiter von Schloss Proschwitz in Meißen ist mit Aussagen zu der Weinqualität des Jahrgangs 2016 vorsichtiger: „Man kann die Schönheit eines Neugeborenen ja auch nicht vor der Geburt ablesen!“ Mit dem erste frühvergorene Müller-Thurgau des Weinguts sei er zufrieden. Bisher ließen auch die Trauben weder von der Qualität noch vom Ertrag her zu wünschen übrig. Der Wetterumschwung vom Oktober stellt auch Proschwitz vor Probleme. Doch Beck sieht das gelassen: „Wir wollen kein Wasser ernten, also lassen wir die übrig gebliebenen Trauben bis zur nächsten Schönwetterperiode hängen. Einige werden das zwar nicht überleben, aber so ist das in der Landwirtschaft nun mal.“

Im Staatsweingut Schloss Wackerbarth erwarte man „außergewöhnliche Qualitäten“, hieß es auf Anfrage aus Zitzschewig. „Wir werden alle Qualitätsstufen keltern können und freuen uns auf hochwertige Spätlesen, Auslesen sowie Beeren- und Trockenbeerenauslesen“, erklärte die Geschäftsführung. Die Trauben seien zehn Tage früher reif gewesen als im langjährigen Jahresdurchschnitt. Mit einsetzendem Regen hätten Mitarbeiter aus allen Bereichen des Staatsweinguts die Lesemannschaft unterstützt. Derzeit lasse man noch offen, ob ein Versuch für Eiswein gewagt werde. Noch hängen Trauben.

Gute Erfahrungen hat Wackerbarth mit einem neuen, hochmodernen Vollernter gemacht, der durch das automatische Selektieren von Geiztrieben nur hochwertiges Lesegut für die Kellerei liefere. Besondere Aufmerksamkeit habe das Staatsweingut linkselbischen Flächen geschenkt. „Aufgrund der Hagelschäden des letzten Jahres kämpfen die Reben dort noch mit Folgeschäden, die zu geringeren Erträgen führten.“ Andere Lagen hätten sich dagegen besser entwickeln können, so dass sich Wackerbarth mengenmäßig auf dem Niveau des Vorjahres bewege.

Im Weingut Schuh in Sörnewitz wurden vor wenigen Tagen die letzten Trauben gepresst. Eigentlich hätte Betriebsleiter Matthias Schuh gerne etwas Riesling von alten Reben für eine Spätlese hängen lassen. Der Regen der vergangenen Wochen hat ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Die Trauben mussten runter, sonst hätte Fäulnis durch Botrytis gedroht“, sagt der Weinbautechniker und zeigt, wie leicht aufgequollene Beeren aufplatzen. Trotzdem ist er mit der diesjährigen Lese zufrieden. Sie verlief entspannter als in den beiden zurückliegenden Jahren - vor allem bis in die zweite September-Hälfte konnten die Früchte noch viel Spätsommersonne tanken. Über alle Rebsorten gesehen haben die Schuhs rund 15 Prozent mehr geerntet als im Vorjahr.

„Damit können wir die Nachfrage decken und haben auch genug Wein, um neue Zielgruppen und Absatzmärkte bedienen zu können“, sagt der Winzer. Welche Weine er wie genau ausbaut und sortenrein oder als Cuvées anbieten wird, das entscheidet er im Laufe der kommenden Wochen und Monaten. Klassiker, wie etwa Goldriesling, Grau- und Weißburgunder, Riesling, Traminer oder Dunkelfelder, gebe es in jedem Fall. Der neue Schieler ist voraussichtlich schon im November fertig und kommt noch dieses Jahr in den Verkauf. „Wenn alles klappt, werden wir unseren Stammkunden und neuen Weinfreunden vom 2016er Jahrgang auch einige Überraschungen anbieten können“, kündigt der 28-Jährige an. Mehr wolle er dazu noch nicht sagen.

Der studierte Oenologe und Kellermeister vom Weingut Matyas in Coswig, Hendrik Weber, baut gerade eine eigene Sektmanufaktur auf. So kümmert sich der 29-Jährige in seiner Freizeit täglich noch um eigene Weinberge. Wetterkapriolen und die Kirschessigfliege haben den Winzer auf Trab gehalten. Schon in den ersten Septembertagen hat er den Cabernet Dorsa als Sektgrundwein geerntet. „Der musste recht spontan runter, sonst hätten Ausfälle durch die Kirschessigfliege gedroht“, erklärt Weber. Das hatte er schon einmal erlebt. Der Schädling vermehrt sich innerhalb weniger Tage so stark, dass er komplette Ernten ruinieren kann.

Das Mostgewicht des früh geernteten Rotweins war ausreichend für die Sektbereitung. Wegen der Hitze zu Lesebeginn musste im Weingut frisch gepresster Most auf Temperaturen von etwa 14 Grad Celsius gekühlt werden. „Wir hatten Mosttemperaturen teilweise über 20 Grad“, erinnert sich Weber. Je wärmer der Most sei, desto schneller liefen unerwünschte mikrobiologische Prozesse ab, die sich negativ auf die Weinqualität auswirken können. „Außerdem wird nach der Kühlung eine gezügelte Gärung bei 16 bis 18 Grad gewährleistet, die wiederum die Aromenausprägung fördert“, so der Fachmann weiter.

Die Radebeuler Hoflößnitz hatte sowohl mit dem Wetter als auch mit Schädlingen ähnliche Probleme. „Die Kirschessigfliege ist definitiv in Sachsen angekommen“, erklärt Kellermeister Felix Hößelbarth. Vor allem dunkle Trauben für Rotweine, Traminer oder die kupferfarbenen Grauburgunder-Trauben liefen künftig Gefahr betroffen zu sein. „Auch wir hatten stellenweise Befall. Es betraf Gott sei Dank nur die Trauben für unseren Rosé. Die konnten wir ohne Verlust früher ernten“, so Hößelbarth weiter. Als ökologisch-zertifiziertes Weingut, hat die Hoflößnitz nur die Möglichkeiten des Verschnitts oder der vorgezogenen Ernte.

Doch bereits in der Wachstumsphase der Reben gab es Schwierigkeiten: Während dieser wichtigen Zeit, war sei es zu kalt und zu nass. „Dafür war das letzte Augustwochenende dann zu heiß, zu trocken und zu windig – es herrschten geradezu Sahara-Verhältnisse! Die Beeren hatten Sonnebrand, die Haut verschrumpelte wie bei einer Rosine“, ergänzt Hößelbarth.

Im September habe sich das Wetter jedoch stabilisiert und das Weingut konnte 80 Prozent seiner Ernte einfahren. Dabei begann die Lese bei allen Traubensorten zwei Wochen früher, als im langjährigen Mittel, so der Kellermeister. Seit letzter Woche Montag liegen die Trauben im Keller. Durch die frühe Lese waren die Trauben nicht von Fäule durch das nasskalte Oktoberwetter betroffen. Lediglich die letzten 20 Prozent der Ernte waren durch den vielen Regen etwas verwässert. Es gab jedoch keine mengenmäßigen Einbußen.

„Wir werden uns auch dieses Jahr nicht an Eisweinen probieren“, bekräftig Hößelbarth. Der letzte dafür geeignete Winter läge schon fünf Jahre zurück. Seitdem zeige das Thermometer zu Weihnachten stellenweise zweistellige Plusgrade und selbst der Januar sei nicht frostig genug. Hößelbarth warnt: „Die Trauben werden bei diesem Wetter nur vergammeln. Das wird nichts, man verbrennt damit nur Geld.“ Die Erntebilanz der Hoflößnitz sei trotz der Kapriolen quantitativ wie qualitativ gut und könne an die vorherige Saison anknüpfen. „Dieses Jahr haben wir alles richtig gemacht“, meint Hößelbarth.

Von Lars Müller und Paul Felix MIchaelis

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