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Weinkönigin Michaela Tutschke gibt in wenigen Tagen ihre Krone ab

Hoheit ohne Starallüren Weinkönigin Michaela Tutschke gibt in wenigen Tagen ihre Krone ab

Zielgerichtet steuert ein älteres Ehepaar im Zadeler Hof des Weinguts Schloss Proschwitz auf Michaela Tutschke zu. Die scheidende Sächsische Weinkönigin hat sich gerade ihre Amtskrone aufgesetzt und zupft sich ihre Jacke zurecht.

Natürlich, authentisch, selbstbewusst und kompetent den sächsischen Wein repräsentieren: Das gibt Michaela Tutschke ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg.

Quelle: Lars Müller

Meissen. "Dürfen wir ein Foto mit Ihnen machen", fragen die auswärtigen Gäste in einem Ton, der zwischen Forschheit und Zurückhaltung schwankt. Michaela lächelt, blinzelt in die Herbstsonne und stellt sich mit den Weinfreunden souverän in Pose. Geduldig beantwortet die Dresdnerin noch einige Fragen zum sächsischen Wein.

Ihre Rolle als 27. Sächsische Weinkönigin füllt Michaela Tutschke professionell aus. Am Sonnabend wird sie ihre Krone und die schwere Amtskette aber planmäßig ablegen und an eine Nachfolgerin übergeben. "Mit einem lachenden und einem weinenden Auge", wie sie sagt. Die 25-Jährige war ein Jahr lang Weinprinzessin und ein Jahr lang Weinkönigin. Etwa 200 offizielle Termine hat sie während ihres Ehrenamtes absolviert. Das Privatleben und Besuche bei ihren Eltern in Sebnitz kamen dabei mitunter etwas kurz. Während ihrer Amtszeit ist die junge Frau sichtbar gereift. Sie sei selbstbewusster und schlagfertiger geworden bei all den öffentlichen Terminen, sagt sie über sich. "Es war eine wirklich schöne Zeit." Pannen und verpatzte oder gar verpasste Auftritte habe es keine gegeben. Das liegt vermutlich auch daran, dass Michaela stets bodenständig geblieben ist und ihr Zickenkrieg - bei Weinhoheiten durchaus nicht unüblich - so gar nicht liegt. "Wir sind ja als Weinprinzessin oder Weinkönigin keine Stars und sollten uns deshalb auch nicht zu wichtig nehmen", betont sie. Ihr habe ein Besuch des Sommernachtballs auf Schloss Wackerbarth ebenso viel Spaß gemacht wie eine zünftige Wanderung mit sächsischen Winzern, die ganz ohne Öffentlichkeit auf unbekannten Pfaden durch die Weinberge des Meißner Spargebirges führte.

Amüsiert berichtet sie vom unvergesslichen Hoffest im Weingut Hanke in Jessen an der Elster, das zum sächsischen Anbaugebiet gehört. Dort durfte sie wie in alten Zeiten mit der örtlichen Weinprinzessin Sarah Weiner die Trauben mit den nackten Füßen vorm Pressen stampfen. "Es war entspannt und lustig und kein bisschen aufgesetzt." Genauso wenig im Mittelpunkt stand sie beim Elbtalweinlauf, wo sie unlängst mit Freunden eine 17-Kilometer-Wanderung von Niederlommatzsch bis Meißen absolvierte und für sie bisher unbekannte Weinberge entdeckte. In Erinnerung bleibe ihr auch die Lese der Traminer-Trauben des um 1840 gepflanzten Weinstocks an der Meißner Klosterruine Heilig Kreuz. "Ich habe dort die beeindruckende Anlage erstmals in Ruhe erkunden können, am Rande eines ganz kleinen Termins." Selbst simple Pressekonferenzen empfand Michaela nicht als Last. "Ich hatte Gelegenheit, hinter Kulissen von Branchen zu schauen, die mir ohne das Ehrenamt verschlossen geblieben wären."

Wohin würde die Weinkönigin Gäste führen, um sie an sächsischen Wein und die Region heranzuführen? Michaela überlegt nicht lange: zur Pillnitzer Weinbergskirche, zum Spitzhaus und zum Jacobstein in Radebeul sowie hinauf auf die Meißner Domtürme - der schönen Aussicht wegen. Während ihrer Amtszeit hat die Weinhoheit natürlich allerlei Weine eingeschenkt bekommen. Nicht alle hätten ihren Geschmack getroffen, sagt sie augenzwinkernd. Aber trinkbar wären alle gewesen, schiebt sie pflichtbewusst hinterher. Sie selbst liebt alle weißen und roten Burgunder. Aber auch mit der pilzwiderstandsfähigen, relativ neuen Sorte Solaris könne sie etwas anfangen. Viele Winzer nähmen diese frühreifenden Trauben zwar noch immer vorrangig für den Federweißer. Es sei aber auch eine Rebsorte, die in sächsischen Breitengraden recht zuverlässig Auslesen ermögliche.

Als Winzerin kribbele es ihr schon in den Fingern, auch selbst wieder einmal im Weinberg oder in der Kellerei aktiv zu werden und eigenen Wein zu machen. Michaela kann sich nach eigenen Angaben vorstellen, auch einmal ins Ausland zu gehen und neue Erfahrungen im Weinbau zu sammeln - vielleicht gemeinsam mit ihrem Freund, der ebenfalls gelernter Winzer ist. Zunächst wolle sie aber weiterhin im Marketing des Weinguts Schloss Proschwitz arbeiten. Der Betrieb habe sie während der gesamten Amtszeit unterstützt und so ermöglicht, dass sie ihre Überstunden flexibel für die Pflichten des Ehrenamtes nutzen konnte.

Für das sächsische Anbaugebiet wünscht sich die noch amtierende Weinkönigin, dass Tourismus- und Weinbauverband unter Beteiligung der Stadt Dresden endlich einmal eine vollständige Broschüre mit allen Winzern und Weingütern sowie Straußwirtschaften auflegt - ungeachtet aller Befindlichkeiten in der Branche und unabhängig von Verbandsmitgliedschaften. Danach würden potenzielle Gäste nämlich immer wieder fragen. Bisher gibt es einen solchen kompakten Überblick über die Region weder gedruckt noch im Internet. Als positives Zeichen wertet Michaela den gemeinsamen Auftritt von voraussichtlich sechs sächsischen Weingütern auf der ProWein im März 2016 in Düsseldorf. "So zeigen wir endlich auf der weltgrößten Weinmesse, dass es uns als Anbaugebiet gibt."

Ihren Nachfolgerinnen gibt sie folgendes mit auf den Weg: Sie sollen natürlich, authentisch, selbstbewusst und kompetent den sächsischen Wein und das Anbaugebiet repräsentieren. Und natürlich stehe sie den Neulingen mit Rat und Tat zur Seite.

Lars Müller

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