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Weingut Hoflößnitz soll Schulden an Radebeul zurückzahlen

Städtisches Unternehmen Weingut Hoflößnitz soll Schulden an Radebeul zurückzahlen

Weil das Radebeuler Stadtweingut Hoflößnitz 2016 erstmals seit dem 2008 beschlossenen Umbau schwarze Zahlen schreibt, soll es seine Schulden bei der Stadtkasse begleichen. Die Tilgung wird sehr lange dauern, weil die Stadt ihr Unternehmen nicht übermäßig belasten will. Trotz aller Vorsicht könnte der Plan aber noch buchstäblich verhagelt werden.

Meint es Weingott Bacchus in den kommenden Jahren gut mit dem Weingut Hoflößnitz, fließen ab 2017 immer größere Geldsummen an die Stadtkasse Radebeuls.

Quelle: Uwe Hofmann

Radebeul. „Die 2008 einstimmig getroffenen Grundsatzentscheidungen zum Erhalt der Hoflößnitz zahlen sich aus.“ Dieser Satz war von Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) in der Vergangenheit immer dann zu hören, wenn das städtische Weingut wegen seiner finanziellen Abhängigkeit von städtischen Geldern kritisiert wurde. Wohl nie hat dieser Satz mehr gestimmt als jetzt. „Die Weinguts-GmbH erreicht die schwarzen Zahlen“, sagt Wendsche. „Und kann schrittweise mit der Tilgung ihrer Schulden beginnen.“ In Zukunft muss es also heißen: Die Hoflößnitz zahlt aus.

Wenn man so will, wird dabei der Geldfluss zwischen den städtischen Gesellschaften und der Stadtkasse umgekehrt. Profitieren doch vom Tilgungsplan die Stadtkasse, bei der die Hoflößnitz mit knapp 965 000 Euro in der Kreide steht, und die Beteiligungsgesellschaft der Stadt Radebeul mbH (BGR), die Darlehen über noch einmal rund 565 000 Euro gegeben hat. Geld, das vorher in die Hoflößnitz wanderte, fließt nun vom Weinberg wieder zurück. Freuen dürfte das vor allem die Kämmerei, die künftig mit Einkünften planen kann, die sich zum Beispiel für Investitionen in Straßen und Schulen ausgeben lassen. Dennoch tritt CDU-Fraktions-Chef Ulrich Reusch auf die Euphoriebremse: „Es ist nicht viel, es wird auch relativ lang andauern, aber es ist der richtige Weg“, sagt er. Auch OB Wendsche bewertet die Tilgungsabsichten etwas schaumgebremst lediglich als „grundsätzlich erfreulich“.

Denn so ganz einfach ist es mit dem Schuldendienst der Hoflößnitz eben nicht. „Wichtig ist die Lebensfähigkeit der Weinguts-GmbH“, legt Stadtrat Frank Thomas (Freie Wähler) den Finger in die Wunde. Radebeul hat einerseits Interesse, an sein Geld zu kommen, andererseits kann die Stadt nicht wollen, dass ihr Weingut Schaden nimmt. Dennoch seien die nun vom Stadtrat abgesegneten Rückzahlungsmodalitäten „keine große Wissenschaft“, wie OB Wendsche urteilt.

Demnach bekommen die Gläubiger in Jahren, in denen die Hoflößnitz-GmbH laut Jahresabschluss positiv abschließt, 25 Prozent der erwirtschafteten Abschreibungen und die Hälfte des darüber hinaus gehenden Gewinns. Nach dem Wirtschaftsplan des Weinguts wird das Jahr 2015 noch einmal mit einem Minus abgeschlossen, 2016 sollen dagegen planmäßig 74 000 Euro nach dem Jahresabschluss in der Kasse der Hoflößnitz bleiben. Da der Abschluss eines Jahres immer erst im Folgejahr erfolgt, könnte also erstmals 2017 Geld zurückfließen. Laut Plan sind das 19 000 Euro, von denen 12 000 Euro an die Stadtkasse, der Rest an die Beteiligungsgesellschaft gehen. Laut Prognose steigen diese Summen stetig an, bis 2020 51 000 Euro (Stadt: 32 000 Euro, BGR 19 000 Euro) gezahlt werden müssen. Auf die 1,53 Millionen Euro Gesamtschulden gesehen, dauert dieser Tilgungsprozess tatsächlich eine kleine Ewigkeit.

Zumal es große Risiken gibt. Der Weinbau ist stark witterungsabhängig, jede verregnete Blüte, jeder Spätfrost und jeder Hagel wirken sich auf das Leseergebnis aus. Ein paar schlechte Ernten dürften den Wirtschaftsplan entsprechend über den Haufen werfen und damit auch jegliche Tilgungsabsichten. OB Wendsche sagt deshalb klar: Schulden zurückzahlen müsse die Weingut-GmbH nur, wenn sie auch ihre Abschreibungen erwirtschaften könne. „Ob das schon eine Erfolgsmeldung ist, das werden wir erst später beurteilen können“, sagt SPD-Fraktions-Chef Thomas Gey deshalb skeptisch. Man kann es aber auch anders sehen: Ein paar überdurchschnittliche Ernten und Stadtkämmerin Kerstin Kramer kann über Gelder in unerwarteter Höhe verfügen. So gesehen muss es also heißen: Gutes Wetter zahlt sich aus.

Von Uwe Hofmann

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