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Weinbergsmauern in Radebeuls Nobellagen auf dem Prüfstand

Weinbergsmauern in Radebeuls Nobellagen auf dem Prüfstand

Schon den ganzen Tag sind Thomas Bauer und André Vogelreuter über Radebeuls Prestigeweinberg Goldener Wagen gestapft. Immer an der Weinbergsmauer entlang, die sich in unzähligen Bändern die Steillage hochwindet und dabei die schon von Weitem sichtbaren Rebterrassen formt.

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Thomas Bauer (l.) und André Vogelreuter untersuchen Fugen einer Weinbergsmauer. Dort sorgen sogenannte Zwickel, also kleine Steine, für den nötigen Halt. Die beiden Sachverständigen begutachten in dieser Woche die Prestige-Weinberge Goldener Wagen und Wackerbarthberg in Radebeul.

Quelle: Uwe Hofmann

"Das ist für mich Schreibtischtäter ganz in Ordnung, dann kann ich mal etwas gegen meinen Bauch tun", sagt Bauer und lacht. Dabei hat das Staatsweingut den Bauingenieur und seinen Begleiter eigentlich engagiert, damit sie auf andere Bäuche einen Blick werfen: Bauer, der bei der Dresdner Firma Bauer Lauterbach GmbH als Sachverständiger für die Bewertung von Gebäudeschäden beschäftigt ist, und Vogelreuter, Steinmetz und Steinbildhauermeister beim Restaurierungsspezialisten Fuchs + Girke, untersuchen den Zustand der Weinbergsmauern.

"Da hat sich zum Beispiel ein Bauch gebildet", sagt Bauer und zeigt diesmal nicht auf seinen Nabel, sondern auf eine Stelle, an der das Mauerwerk in Talrichtung ausgebeult ist. Das geschieht zumeist, weil ältere Mauern dem hohen Druck bei Starkregen nichts mehr entgegenzusetzen haben. Langsam bilden sich Bäuche, bis die Mauer bricht. Im schlimmsten Fall rollen dabei schwere Steine talwärts, meistens bleiben sie aber auf der nächsten Terrasse hängen, wo sie mit der abrutschenden Erde Schaden an den Rebpflanzen anrichten. Bauer hebt kurz den Blick von der Mauer und zeigt wahllos ein paar Stellen: "Dort ist das passiert, dort auch." Die Nobellage Goldene Wagen ist ein Sanierungsfall.

Das ist keine Neuigkeit. Wackerbarth hat im vergangenen Jahr eine Studie erstellen lassen, die das Sanierungsvolumen an Weinbergsmauern allein im Goldenen Wagen und im ähnlich bekannten Wackerbarthberg auf zehn Millionen Euro schätzt. Um ein genaues Schadensbild zu bekommen, habe man nun die exakte Kartographierung beider Lagen beauftragt, sagt Wackerbarth-Sprecher Martin Junge. "Wir müssen das als gesamtheitliche Aufgabe sehen", sagt er. "Das Ziel ist der Erhalt der Weinkulturlandschaft." Die Mauern zu schleifen und den Weinberg abzurunden habe schließlich genauso wenig Sinn, wie mit sächsischen Weinen einen Wettbewerb um den billigsten Verkaufspreis anzufangen. Weinbau in Sachsen muss besonders sein, sonst kann er nicht bestehen.

Also wandern Bauer und Vogelreuter durch die Weinberge. Mit einem Laufmaß messen sie jede Schadstelle ab, teilen jeden Quadratmeter einer von vier Kategorien zu: frisch saniert, langfristig oder kurzfristig sanierungsbedürftig oder eingestürzt. Dabei bleibt einigermaßen schwammig, was zum Beispiel "kurzfristig sanierungsbedürftig" bedeutet. "Können Sie mir sagen, wie das Wetter wird?", kontert Bauer mit einer Gegenfrage. Seine zerstörerische Kraft entfaltet Starkregen zumeist erst dann, wenn er drei Tage ohne Unterbrechung auf den Weinberg niedergeprasselt ist. Wann es wieder so weit ist, kann niemand voraussagen.

Deshalb ist die Schadenskartographie auch nur ein Parameter, nachdem Wackerbarth über das schmale Sanierungsbudget von jährlich etwa 200 000 Euro entscheiden will. Hinzu kommen bautechnische Überlegungen darüber, wie es sich möglichst effektiv durch den Weinberg arbeiten lässt, und auch die Winzer haben Mitspracherecht. 10 000 neue Rebpflanzen will man im Goldenen Wagen anpflanzen. Die Aufrebungen haben nur Sinn, wenn man sie zeitgleich mit einer Mauersanierung unternimmt. Auch das ist mit dem ganzheitlichen Ansatz gemeint.

Eine wichtige Rolle wird die Schadenstudie auch bei der Beantragung von Fördermitteln bekommen. In Radebeul gibt es seit diesem Jahr für jede Mauersanierung 80 Prozent Fördermittel von der EU, wie es zuvor schon überall sonst im Weinbaugebiet üblich war (DNN berichteten). Weil der Quadratmeter Trockenmauer mit 400 bis 500 Euro allerdings sehr teuer ist, wird es laut einer Schätzung von Wackerbarth 2024 werden, ehe die zwei Prestige-Weinberge saniert sind. Das sind neun Jahre, nur um zwei Weinberge in den Griff zu bekommen. Jahrzehntelang ist zu wenig für den Erhalt getan worden, das muss das Staatsweingut jetzt ausbaden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.03.2015

Uwe Hofmann

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