Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
"We love Germany!" - Gelungenes Willkommensfest für Heidenauer Flüchtlinge

"We love Germany!" - Gelungenes Willkommensfest für Heidenauer Flüchtlinge

In Heidenau haben am Freitagnachmittag etwa 700 Menschen gemeinsam ein buntes Willkommensfest für die Flüchtlinge gefeiert, die im ehemaligen Praktiker-Baumarkt in Heidenau untergekommen sind.

Voriger Artikel
Oberverwaltungsgericht stützt Versammlungsverbot in Heidenau teils
Nächster Artikel
Büro der Linken in Pirna angegriffen
Quelle: DNN

Nach der großen Aufgeregtheit im Vorfeld - erst zwei Stunden vor Beginn stand tatsächlich fest, dass gefeiert werden konnte - entwickelte sich eine bunte und störungsfreie Feier für die Flüchtlinge.

Friedliche Feierstimmung

Ein buntes Fest war es, das Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer gemeinsam feierten: Man saß beisammen, aß Kuchen und Frisches vom Grill, sang und tanzte gemeinsam, versuchte sich an akrobatischen Kunststückchen und Jonglage, spielte Frisbee, Fuß- und Federball. Einige Asylbewerber beeindruckten mit Tanzeinlagen, ein DJ unterhielt die Gäste. Die Kinder malten mit Kreide auf dem Parkplatz, tollten auf der Hüpfburg oder ritten auf Ponys. An die Bewohner der Notunterkunft verteilten Helfer verschiedener Organisationen Spenden, die am Donnerstag in Berlin gesammelt und am Freitag mit einem Zwölftonner-Truck nach Ostsachsen gebracht worden waren. Bei der Sammelaktion habe man sich nach den Wünschen der Heidenauer Flüchtlinge gerichtet: Vor allem Bekleidung, Rucksäcke und Taschen, Hygieneartikel sowie Bücher und Spielgeräte zum Zeitvertreib fanden neue Besitzer. Vor dem Truck bildeten sich zeitweise Warteschlangen, in Kartons und Säcken mit Kleidung wurde emsig gekramt, bis vor allem Kinder mit leuchtenden Augen ihre neuen Spielsachen wegtrugen.

Die Stimmung auf dem Festgelände war durchgehend entspannt und friedlich. Nur gelegentlich hätten Autofahrer beim Vorbeifahren Schimpfworte gebrüllt oder störend gehupt. Zwar wurde das Fest von einigen Menschen misstrauisch beäugt, diese blieben aber meist auf dem Real-Parkplatz und unter sich. Die Polizei verlebte einen ruhigen Nachmittag und hielt sich im Hintergrund.

Zahlreiche Politiker vor Ort

Neben Flüchtlingen und Helfern verbrachten auch zahlreiche Politiker den Vorabend in Heidenau. Sachsens Wirtschaftsminister und SPD-Chef Martin Dulig sah in dem Willkommensfest für Flüchtlinge in Heidenau ein wichtiges Zeichen gegen Rechts. „Heidenau darf nicht das positive Signal für Rassisten sein, die mit Hass und Gewalt ein Zeichen gesetzt haben.“ Deshalb wolle er als Vertreter der Staatsregierung Gesicht zeigen. Rico Gebhardt (Die Linke) sagte, es sei "gut für die Demokratie in Sachsen", dass das Willkommensfest stattfindet. "Ich erlebe ein freundliches Fest und appelliere an alle, die ihr Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit wahrnehmen, dies friedlich zu tun. Sollten rechte Schlägertruppen wie am vergangenen Wochenende die Situation ausnutzen, müssen sie die ganze Härte des Rechtsstaates zu spüren bekommen."

 

Bereits kurz vor 16 Uhr war wie angekündigt der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir eingetroffen - mit Kirschkuchen im Gepäck. Gegenüber Medienvertretern erneuerte Özdemir seine Kritik an der sächsischen Landesregierung. Es dürfe nicht sein, dass beispielsweise für die Absicherung eines G7-Gipfels oder Fußballspiels genügend Polizeibeamte verfügbar wären, nicht jedoch für ein Flüchtlingsfest. „Es kann keinen Zentimeter in dieser Republik geben, wo Rechtsradikale bestimmen, wo es langgeht“, sagte der Politiker. Özdemir zeigte sich aber auch erfreut, dass Sachsens Regierung letztlich doch noch das Willkommensfest unterstützte.

Innenminister Ulbig durch "Hau ab!"-Rufe vertrieben

Gegen 16.30 Uhr besuchte auch der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) das Fest. Er kam jedoch nicht weit: Bereits am Rand des Geländes empfingen ihn etwa 20 bis 30 Besucher mit "Hau ab!"-Rufen. Nach wenigen Minuten trat der Minister den Rückzug an und verschwand in seinen Wagen.

Ulbig war zuvor nicht ganz unschuldig daran, dass die Organisatoren bis kurz vor Beginn nicht wussten, ob und wo sie feiern können. Denn das übliche Aktionsgespräch mit den Behörden am Donnerstagnachmittag endete aus Sicht der Anmelder mit einer Absage und der Ankündigung einer Allgemeinverfügung. Polizei und Innenministerium dementierten zunächst, am späten Abend kam die Allgemeinverfügung dann doch. Demnach galt von Freitag bis Sonntag ein komplettes Demo-Verbot in Heidenau. Grund dafür war, dass die Polizei nicht genug Einsatzkräfte mobilisieren konnte.

Die Macher um Dresden Nazifrei versuchten anschließend, die Veranstaltung zu retten, entweder durch Verkürzung oder durch Verlegung auf das Gelände des Baumarktes. Nach hohem politischen Druck war am Freitagmittag eine Verlegung auf das Baumarkt-Gelände erreicht, auch wenn die dafür zuständige Landesdirektion davon bis zuletzt nichts wusste. Doch kurz vor der offiziellen Verkündung die nächste Meldung: Das Verwaltungsgericht Dresden kippte die Allgemeinverfügung.

So konnten Helfer und Flüchtlinge doch draußen feiern, auch wenn das Fest örtlich leicht verlegt wurde. Statt auf dem Parkplatz des Albert-Schwarz-Bades fand das Fest auf einer etwa 200 Meter entfernten Wiese am Hammer-Baumarkt statt. Das Areal gehört dem Freistaat Sachsen. Der Freistaat und die Fest-Organisatoren vom Bündnis Dresden Nazifrei hatten vereinbart, diese Fläche zu nutzen, damit Flüchtlinge und Besucher zwischen Unterkunft und Festgelände hin- und herlaufen können, ohne die S172 überqueren zu müssen.

Bis zum Abend keine Störer

Bis zum Ende blieb das Fest störungsfrei. Gegen 19 Uhr zogen die meisten Helfer, die zuvor das Gelände wieder mit viel Fleiß beräumt und gereinigt hatten, störungsfrei zurück zum Bahnhof.

Eine Gegendemo, zu der mehrere rechte Facebookgruppen aufgerufen hat, blieb zu Beginn bei deutlich unter 100 Teilnehmern.Sie zogen ab 18 Uhr vom Heidenauer Platz der Freiheit zum Rathaus, dabei kamen noch einige Teilnehmer dazu.

Am Abend allerdings bekam die Polizei noch einmal zu tun: Trotz des Versammlungsverbotes kamen auf dem Real-Parkplatz gegenüber der Flüchtlingsunterkunft rund [link:700-NR_DNN_97180-1] zusammen. Die Polizei hielt die Gruppe von der Unterkunft fern und führte Personenkontrollen durch. Am Dresdner Hauptbahnhof demonstrierten am Abend etwa 70 Personen aus der rechten Szene. Die Kundgebung fand zwischen 18.15 Uhr und 19 Uhr am Wiener Platz statt. Laut Polizeiangaben blieb es bei dieser Veranstaltung ruhig.

ttr/sl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Nur noch 14 Bewohner
Zeitweise lebten mehrere Hundert Menschen in dem ehemaligen Baumarkt in Heidenau.

Die Asylunterkunft im ehemaligen Praktiker-Baumarkt in Heidenau wird zum 30. Juni geschlossen. Wie das Innenministerium mitteilte, soll der Standort sukzessive zu einer Lagerfläche umgestaltet werden.

mehr
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

Die Friedensburg gehört als fester Bestandteil zu Radebeul. Soll sie zukünftig wieder als Gaststätte genutzt werden? Und falls ja, wie genau? Sagen Sie uns Ihre Meinung und stimmen Sie ab! mehr