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Waschbären werden zur Plage - Naturschutzinstitut fordert Fang- und Abschussprämie

Waschbären werden zur Plage - Naturschutzinstitut fordert Fang- und Abschussprämie

Wenn in öffentlichen Anlagen oder Kleingärten Rasenflächen zerwühlt wurden, müssen das nicht Wildschweine gewesen sein. Auch der Waschbär kommt als Übeltäter in Betracht.

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Im Tierpark Bischofswerda gehören die Waschbären zu den Publikumslieblingen.

Quelle: Bernd Lichtenberger

Selbst unmittelbar in Wohnbereichen sorgen die possierlichen Kleinbären schon für Ärger, weil sie als Allesfresser bei der Suche nach Nahrung vor fast nichts haltmachen. Vor allem aber stören die Waschbären schon heute ganz empfindlich das ökologische Gleichgewicht, sagt Jan Schimkat, Leiter des Naturschutzinstituts Region Dresden. Denn die Waschbären-Population in Sachsen wächst rasant. Der Leiter des Naturschutzinstitutes plädiert deshalb für staatliche Abschuss- und Fangprämien.

Von Bernd Lichtenberger

Wurden im Jagdjahr 2001/02 noch 55 Waschbären erlegt, so waren es 2011/12 laut Umweltministerium schon 3256, was in zehn Jahren einen Anstieg auf fast 6000 Prozent ausmacht. Betroffen sind davon inzwischen zwei Drittel aller sächsischen Jagdreviere. Seit 2006 - das ergaben Erhebungen im Rahmen eines Wildtier-Informationssystems - stieg die Zahl der Jagdreviere, in denen Waschbären gesichtet wurden, um 23 Prozent. Mit anderen Worten: Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Kleinbär breitet sich in Sachsen rapide aus. Die EU-Kommission bezeichnet ihn als eine der 100 schlimmsten invasiven Arten.

Die Berner Konvention, ein Übereinkommen über die Erhaltung von europäischen Pflanzen und Tieren, empfiehlt, Arten wie den Waschbären streng zu kontrollieren, weil er die biologische Vielfalt gefährdet. Da auf seinem Speiseplan nicht nur Obst und Feldfrüchte, sondern auch Fische, Kleinsäuger, Vögel und deren Gelege stehen, kann der Waschbär die Entwicklung lokaler Tierarten beeinflussen. Schimkat sieht in der Ausbreitung der Raubsäuger eine Ursache dafür, dass bei uns Kiebitze, Feldlerchen und Rebhühner kaum noch Junge aufziehen. Selbst Greifvögel wie Bussard und Milan sind in ihren Horsten vor den flinken Kletterern nicht sicher.

Da Waschbären kaum natürliche Feinde haben, sind hier die Jäger gefragt. Das stellt auch das neue Landesjagdgesetz klar. Im Gegensatz zur alten Gesetzgebung ist der Waschbär darin als jagdbares Wild definiert. Da die Bejagung des nachtaktiven Tieres mit der Waffe schwierig ist, bleibe nur die Falle, weiß Steffen Richter, Geschäftsführer des Jagdverbandes Sachsen e. V. Zulässig sei allerdings nur eine Falle, in der die Tiere lebend gefangen und erst danach getötet werden.

"Der Waschbär ist sehr neugierig und lässt sich mit einer Falle relativ gut fangen. Sie ist also ein probates Mittel, auf dass im Übrigen in Kommunen alle Grundstückseigentümer zurückgreifen können. Allerdings eins mit hohem Aufwand, denn der Grundstückseigentümer darf das gefangene Tier nicht töten. Dazu muss er den Tierarzt oder Jäger rufen", betont Richter.

Enrico Wahn hat es da einfacher. Er ist Jäger. 20 bis 30 Waschbären hat er in diesem Jahr schon auf seinem etwas abseits von Moritzburg gelegenen Grundstück in einer selbst gebauten Kastenfalle gefangen. Er ist sich sicher, dass der Waschbärenbestand in seinem Revier in den letzten beiden Jahren extrem angestiegen ist. Noch nie hat er bei seinen Ansitzen so viele dieser Tiere gesehen. Jahrelang haben mehrere Entenpärchen auf seinem Grundstück gebrütet. Seit vier Jahren ziehen sie keine Küken mehr groß. Wahn vermutet, dass hier der Waschbär zugelangt hat.

Zu diesem Ergebnis kommen auch die Jäger, die sich seit zwölf Jahren alljährlich an den zwei mal im Jahr an den Moritzburger Teichen stattfindenden Wasservögelzählungen beteiligen. "2004 gab es schon einmal sehr viele Waschbären, da hatten wir sehr wenige Enten. Dann war ein paar Jahre Ruhe. Jetzt haben sich die Waschbären wieder stark vermehrt, während die Zahl der Sing- und Wasservögel deutlich zurückgeht", erklärt der Moritzburger Jäger Gottfried Hempel-Falkenhagen. Allerdings gehe das nicht nur auf das Konto der Waschbären, sagt Wahn. Denn inzwischen sind in den Moritzburger Revieren auch Marderhund und Mink angekommen. Zudem habe sich der Fuchs beträchtlich vermehrt.

Am Seifersdorfer Schloss eroberten die Waschbären die alten Bäume des Parks, die der Tornado verschont hat. Auch im Seifersdorfer Tal, am Stadtrand von Radeberg und in Freital wurden die Bären beobachtet. Selbst in den Radebeuler Weinbergen fühlen sie sich schon zu Hause. Jan Schimkat hat dort sogar einen Waschbären fotografiert, der in aller Ruhe einen Nistkasten auf seinen Inhalt untersuchte.

Auch die Stadt Dresden scheinen die Waschbären langsam zu erobern. Nach Auskunft der Stadtverwaltung wurden im Jagdjahr 2011/12 in Dresden 20 Waschbären erlegt. Im Jagdjahr zuvor waren es 14, im Jagdjahr 2006/07 nur zwei.

"Vielleicht könnten wir den Waschbären-Bestand jetzt noch in den Griff bekommen", hofft Schimkat. Aber dafür genüge es nicht, ihn per Gesetz zum Jagdwild zu machen. Der Leiter des Naturschutzinstitutes plädiert für staatliche Abschuss- und Fangprämien.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.11.2012

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