Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Wanderer sägte illegal Weg wieder frei

Wanderer sägte illegal Weg wieder frei

Ist der Wegestreit im Nationalpark Sächsische Schweiz neu entfacht? Jedenfalls wollte ein Wanderer anscheinend Fakten schaffen. In der Kernzone setzte er die Kettensäge an.

Voriger Artikel
Integrationsprojekt in Rathen: Ausländische Jugendliche sollen mit Deutschen aufwachsen
Nächster Artikel
Karl May soll in die erste Reihe

Von der Idagrotte aus blickt man auf das Nationalparkgebiet Hintere Sächsische Schweiz, rechts ist noch die Kleine Winterbergspitze zu erkennen.

Quelle: Bernd Lichtenberger, Archiv

Sächsische Schweiz. Ist der Wegestreit im Nationalpark Sächsische Schweiz neu entfacht? Jedenfalls wollte ein Wanderer anscheinend Fakten schaffen. In der Kernzone setzte er die Kettensäge an, um einen ehemaligen und stillgelegten Weg zum historischen Jagdpavillon auf dem Kleinen Winterberg wieder begehbar zu machen. "Der illegale Versuch fand auf einer alten Wegetrasse statt, die vor 19 Jahren durch einen anderen Zugang ersetzt wurde", informierte Nationalparksprecher Hanspeter Mayr. Die einstige Route führte durch den ältesten und damit wertvollsten Buchenwald im Nationalpark. "Damit die bruchgefährdeten Äste und Bäume aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht gefällt werden mussten, entschied die Nationalparkverwaltung damals einvernehmlich mit den Wander- und Bergsportverbänden, diesen Weg zu verlegen", so Mayr weiter.

Gegen den Säger hat die Nationalparkverwaltung ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Bei ihm soll es sich nach DNN-Information um Axel M., einen Aktivisten der sogenannten Stiegenfreunde handeln. Sein Verhalten war illegal. Die Regeln sollten eigentlich klar sein. In der Kernzone darf man sich nur auf den gekennzeichneten Wanderwegen, Bergpfaden und Kletterzugängen bewegen, um den scheuen und geschützten Tieren Rückzugsräume zu belassen. Allerdings sind Verstöße gegen dieses Gebot keine Einzelfälle, wie die Nationalparkverwaltung immer wieder feststellen muss. So kam es allein in diesem Jahr wiederholt zu Waldbränden durch illegale Feuer. Anfang September breitete sich eins im unzugänglichen Gebiet der Affensteine aus. Mehrere Tage musste die Feuerwehr gegen die Flammen kämpfen.

Die illegale Sägeaktion stößt auf großes Unverständnis. Denn erst einige Tage zuvor hat die Arbeitsgruppe Wegekonzeption (AG Wege) nach langjähriger Diskussion einen Kompromiss für die Erreichbarkeit des historischen Jagdpavillons auf dem Kleinen Winterberg beschlossen. "Mit der Öffnung des Weges wird dokumentiert, dass es alle Beteiligten ernst meinen mit dem dynamischen Wegekonzept", teilte Nationalparksprecher Hanspeter Mayr mit. In der Nationalparkverwaltung habe es im Vorfeld erhebliche naturschutzrechtliche Bedenken gegeben. Grund: Der Weg durchschneide eines der seltenen größeren ungestörten Gebiete im Nationalpark, so Mayr.

Naturschützer und Wanderfreunde sind sich nicht immer grün. Als 1998 der Streit um gesperrte Wanderwege und Pfade zu eskalieren drohte, wurde die AG Wege ins Leben gerufen. Sie verabschiedete eine Konzeption, welche Wege in der Kernzone betreten werden dürfen. In der AG ist die Nationalparkverwaltung gemeinsam mit den sächsischen Wander- und Bergsportverbänden, dem Tourismusverband Sächsische Schweiz, den Anliegergemeinden des Nationalparks, den anerkannten Naturschutzverbänden und der Forstverwaltung vertreten. Bis heute trifft sie sich zweimal im Jahr und passt die Wegekonzeption aktuellen Entwicklungen an, entscheidet über die Öffnung oder Schließung von Wegen in der Kernzone einstimmig.

"Die illegalen Aktivitäten Einzelner gefährden den Wegekompromiss im Nationalpark. Neben den Schäden für die Natur stößt dies auch die Mitglieder der AG vor den Kopf", verurteilt Prof. Heinz Röhle, der Moderator der AG Wegekonzeption im Nationalpark, die illegalen Aktivitäten. Und er appelliert an die jährlich rund 2,9 Millionen Besucher des Nationalparks, solche Aktionen zu unterlassen.

Nationalparkleiter Dr. Dietrich Butter erinnerte gestern daran: "Mit dem abgestimmten Wegekonzept bietet unser Schutzgebiet mit Abstand das dichteste Wegenetz in einem deutschen Nationalpark. 400 Kilometer gekennzeichnete Wege erschließen alle schönen Schluchten, Felsen und unsere 100 Aussichten."

Silvio Kuhnert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr