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„Von einem Jahrgang wie dem 2015er erhoffe ich mir einen wahren Goldregen“

Weinbau-Verbandschef Christoph Reiner im Interview „Von einem Jahrgang wie dem 2015er erhoffe ich mir einen wahren Goldregen“

Auf Schloss Proschwitz treffen sich am Mittwoch wieder Fachleute aus der Weinbranche zur Gebietsweinprämierung. Der Weinbauverband Sachsen gibt sich seit vergangenem Jahr transparenter, wenn es darum geht, wie die Medaillen auf die Weine und Sekte kommen.

Christoph Reiner, Vorsitzender des Weinbauverbandes Sachsen, auf einer Rebanlage von Schloss Proschwitz.

Quelle: Lars Müller

Meißen.  Auf Schloss Proschwitz treffen sich am Mittwoch wieder Fachleute aus der Weinbranche zur Gebietsweinprämierung. Der Weinbauverband Sachsen gibt sich seit vergangenem Jahr transparenter, wenn es darum geht, wie die Medaillen auf die Weine und Sekte kommen. Im Anbaugebiet arbeiten 35 Haupterwerbs- und 39 Nebenerwerbswinzer sowie etwa 2300 Kleinwinzer. Elf Betriebe stellen ausgewählte Tropfen bei der Gebietsweinprämierung an. Es bleiben also Fragen. Diese versucht der Vorsitzende des Weinbauverbandes, Christoph Reiner, im Interview mit DNN-Mitarbeiter Lars Müller zu beantworten.

Frage: Heute verkosten wieder Fachleute sächsische Weine und vergeben Medaillen. Wie viele Weine von wie vielen Betrieben sind denn bei der diesjährigen Gebietsweinprämierung angestellt?

Christoph Reiner: Insgesamt sind 61 Weine von 11 sächsischen Weinbaubetrieben angestellt.

Verbraucher hinterfragen derzeit ja sächsische Weine, weil mindestens ein Traubenerzeuger im Weinbau verbotene Pflanzenschutzmittel eingesetzt hat. Sind Sie vor diesem Hintergrund mit der Teilnahme der Weingüter an der Gebietsweinprämierung 2016 zufrieden?

In diesem Jahr sind es immerhin schon drei teilnehmende Weingüter mehr als im vergangenen Jahr und die Zahl der angestellten Weine liegt knapp über der des Vorjahres. Alles in allem bin ich also zufrieden. Der aktuelle Jahrgang hat etwas zu bieten und das wollen wir zeigen. Leider hat die Winzergenossenschaft in diesem Jahr keine Weine angestellt.

Bei welchen Rebsorten erwarten Sie aus Ihrer Erfahrung als Qualitätsmanager im Weingut Schloss Proschwitz besonders gute Jahrgänge 2015 nach dem heißen Sommer?

Über alle Rebsorten hinweg ist der Jahrgang 2015 hinsichtlich der Weinqualität deutlich besser einzustufen als die vorangegangenen beiden sächsischen Jahrgänge. Besonders für unsere Aromarebsorten wie etwa Traminer, Scheurebe oder Bacchus waren die vielen sächsischen Sonnenstunden ein wahrer Segen. Auch spät reifende Sorten wie der Riesling konnten problemlos voll ausreifen, wodurch überaus spannende und facettenreiche Weine entstehen konnten.

Müssen sich Weinliebhaber nach dem heißen Jahr 2015 auf andere Weine aus Sachsen einstellen, vielleicht welche mit weniger Säure, weniger trocken, weniger spritzig?

Sachsen ist eines der nördlichsten Anbauregionen – „cool climate“ ist in Sachsen kein Modewort des Weinmarketings sondern eine Tatsache. Die kühlen sächsischen Herbstnächte verhindern einen übermäßigen Säureabbau in den Trauben. Wir dürfen uns also auch beim Jahrgang 2015 auf klassisch-sächsische, frisch-fruchtige Weine freuen. Ob ein Wein trocken, halbtrocken oder lieblich ausgebaut wird entscheidet schlussendlich der Markt, also die Vorliebe der Weinliebhaber. Der Trend geht hier in Sachsen eindeutig in Richtung trocken.

In der Branche hört man immer wieder die Forderung, dass sich deutsche Anbaugebiete auf typische Sorten spezialisieren und daraus dann besonders markante und gute Weine ausbauen sollen. Sachsen hat eine enorme Sortenvielfalt. Was sind aus Ihrer Sicht sächsische Klassiker und auf welche Rebsorten sollten sich sächsische Winzer künftig konzentrieren?

Der Goldriesling muss hier an erster Stelle genannt werden - der sächsische Sommerwein schlechthin. Die sächsischen Traminer und unsere Weiß- und Grauburgunder spielen in der deutschen „Weinliga“ ganz vorne mit – hier wäre also meiner Meinung nach eine Fokussierung denkbar.

Am Verkostungstisch sitzen heute wieder ausgewiesene Fachleute, die über einen Prüferschein der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft verfügen. Was aber wird bei der Gebietsweinprämierung bewertet beziehungsweise gesucht? Geht es um die besten Weine aus Sachsen unter Berücksichtigung klimatischer und geografischer Besonderheiten der Jahrgänge oder soll das bundesweite Prüfschema ohne Abstriche angewendet werden?

Es gilt das bundesweite Prüfschema – ohne Zugeständnisse oder Abstriche. Der Inhalt einer Flasche, die das Siegel der sächsischen Landesweinprämierung trägt, ist von außerordentlicher Qualität – ansonsten würde die Auszeichnung keinen Sinn machen.

Kann es dann nicht in schlechten Jahren mit miesem Wetter auch passieren, dass es gar keinen Gold-prämierten Wein aus Sachsen gibt? Oder würden die Prüfer dann Abstriche machen und milder bewerten?

Die sächsischen Winzer und Kellermeister haben bereits mehrfach gezeigt, dass sie mit schwierigen Jahrgängen umgehen und Weine keltern können, die bundesweit überzeugen. Ich mache mir also keine Sorgen, dass wir zukünftig ein Jahr ohne einen sächsischen „Goldwein“ haben werden. Dennoch: die Zahl der prämierten Weine kann in einem schwierigen Jahr selbstverständlich reduziert sein, das hat das vergangene Jahr gezeigt und war auch in anderen Weinbauregionen zu beobachten. Von einem Jahrgang wie dem 2015er erhoffe ich mir hingegen einen wahren Goldregen, dies haben aber die Experten zu entscheiden.

Winzer haben in der Vergangenheit immer wieder einmal beklagt, dass ihre Weine in der Qualitätsweinprüfung völlig anders bewertet wurden als bei der Gebietsweinprämierung. Wie lässt sich das erklären, wenn doch dasselbe Prüfschema nach DLG-Standard zur Anwendung kommt?

Wein ist etwas spannendes, etwas lebendiges – er reift auf der Flasche und entwickelt sich. Gerade in ersten Tagen nach der Abfüllung kann man häufig eine gewisse „Tagesform“ beobachten. Der Wein ist noch äußerst unruhig. Die amtliche Qualitätsweinprüfung erfolgt in der Regel kurz vor oder kurz nach der Abfüllung. Abweichungen bei der Wertung der späteren Landesweinprämierung lassen sich also schlicht durch die Natur des Weines erklären.

Sie hatten als Verbandschef der Weinbauern nach Ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr die Idee formuliert, zur Gebietsweinprämierung möglicherweise nur noch auswärtige Prüfer einladen zu wollen - um über alle Zweifel erhaben sein zu können. So müssten sächsische Kellermeister auch nicht immer ihre eigenen Weine bewerten. Bisher war die Hälfte der Prüfer von außerhalb, die Hälfte aus Sachsen. Wie schaut die Zusammensetzung in diesem Jahr aus und wie viele Prüfer sitzen insgesamt am Tisch?

Die Zahl der Prüfer wurde bereits im letzten Jahr deutlich erhöht. Dieses Jahr werden wieder 10 Experten die angestellten Weine bewerten: Zwei Vertreter der großen sächsischen Weingüter, vier Vertreter der kleineren und mittleren Weingüter, ein amtlicher Vertreter der sächsischen Landesuntersuchungsanstalt und drei externe Prüfer aus benachbarten Weinbauregionen werden anwesend sein. Würde ich ausschließlich externe Prüfer einladen würden nur andere, neue Zweifel aufkommen. Die Zusammensetzung der Prüfer ist meiner Meinung nach gerecht und absolut ausgeglichenen.

Im Nachbaranbaugebiet Saale-Unstrut ist die Öffentlichkeit schon bei der Verkostung dabei, indem Journalisten die Gebietsweinprämierung in einem Nebenraum begleiten und über die Qualität der Weine berichten. Warum gehen Sie in Sachsen andere Wege und verkosten intern?

Im Gegenteil - bereits in den Prüfrunden des letzten Jahres stand es interessierten Journalisten frei auf Anfrage an der Verkostung teilzunehmen. Auch in diesem Jahr wird es Journalisten gestattet sein, sich in einem Nebenraum ein eigenes Bild von der Qualität des Jahrganges 2015 zu machen. Die Spannung muss allerdings bis zur offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse aufrecht erhalten werden. Wie die Prüfer bekommen deshalb auch die Journalisten den Wein aus neutralen Karaffen ausgeschenkt.

Wann erfahren die Weinfreunde in Sachsen in diesem Jahr die Ergebnisse der Gebietsweinprämierung?

Die offizielle Bekanntgabe wird erst am Tag der feierlichen Prämierung in der Börse Coswig erfolgen. Weinliebhaber sollten sich also den 24. Juni ab 18 Uhr unbedingt freihalten. An diesem Abend können die goldprämierten Weine dann selbstverständlich auch direkt verkostet und verglichen werden.

Manche Winzer kaufen sich nach der Gebietsweinprämierung die errungenen Medaillen und kleben sie auf Ihre Weine, andere Produzenten verzichten darauf. Was raten Sie als Weinexperte Ihren Kollegen? Kaufen aus Ihrer Erfahrung die Kunden lieber Weine mit Auszeichnungen oder hat sächsische Weinkonsument nicht sowieso seinen Lieblingswinzer, dem er treu ist und dessen Weine er schätzt?

Ich bin mir sicher, dass meine Kollegen selbst besser wissen, welche Variante für ihren Kundenkreis die richtige Lösung ist. Persönlich lasse ich mich bei der Kaufentscheidung gerne von Medaillen beeinflussen, vor allem dann, wenn ich Weine eines Erzeugers probieren möchte, den ich noch nicht so gut kenne.

Und was raten Sie unentschlossenen Weinkunden? Sollten diese sich an Medaillen auf den Weinflaschen orientieren?

Selbstverständlich – wer Qualität sucht wird hier auch Qualität finden, auch wenn schlussendlich für jeden selbst nur das eigene, persönliche Urteil entscheidend ist – unsere sächsischen Weine sind eben genauso individuelle Charaktere wie diejenigen, die sie trinken.

Von Lars Müller

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