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Von der Radebeuler Lutherkirche auf die Wache - Christian Mendt tritt im Juni seine Stelle als Polizeiseelsorger in Dresden an

Von der Radebeuler Lutherkirche auf die Wache - Christian Mendt tritt im Juni seine Stelle als Polizeiseelsorger in Dresden an

"13. Februar, 17. Juni, Fußballspiele und Demonstrationen", zählt Christian Mendt Termine auf, die künftig großen Einfluss auf sein (Arbeits-)Leben haben werden.

Der langjährige Pfarrer der Lutherkirche Radebeul tauscht den Kirchenkalender gegen die Einsatzpläne der Polizeidirektion Dresden (PD). Für etwa 5000 Beamte der PD und weiterer Polizeibehörden des Freistaats wird Mendt künftig verantwortlich sein. Nominell ist er zwar bereits seit diesem Monat Polizeiseelsorger, bekommt die Geschäfte aber erst Ende Mai übergeben. Für Mendt, der vor zehn Jahren nach Radebeul kam, ist die schwierige Phase des Abschieds angebrochen.

Wenig Worte verliert er, warum er überhaupt die Stellen wechselt. Es sind äußere Gründe: Mendt, der die Lutherkirchgemeinde nach außen vertritt und als Vorsitzender des Kirchenvorstands überall ein gehöriges Wort mitreden kann, ist der Inhaber der zweiten Pfarrstelle der 2884 Mitglieder zählenden Gemeinde in Radebeul-Ost. Sie ist nur als halbe Stelle definiert und wird es, so eine Planung der Landeskirche, auch bleiben. Möglichkeiten, sie sinnvoll zu ergänzen, sieht Mendt inzwischen nicht mehr. Lange Jahre hat er als Seelsorger im Krankenhaus gearbeitet, später Vertretungsstellen in Moritzburg übernommen.

Als er darum gebeten wurde, sich auf die vakante Stelle des Polizeiseelsorgers zu bewerben, sei er dem nachgekommen. "Ich gehöre noch zu einer Generation von Pfarrern, die gehorchen wollen, wenn ihre Kirche etwas von ihnen verlangt", sagt er. So war es, als er Ende der 80er in sein erstes Pfarramt in Glauchau kam. So war es auch, als er 2004 nach einer Zwischenstation in der Diakonissenanstalt nach Radebeul gelangte.

"Die Dinge sind bei uns so gut entwickelt, dass alles leichter zu handhaben ist als vor zehn Jahren", sagt Mendt zurückblickend. Als er kam, wollte der Kirchenvorstand einen Pfarrer, der anpackt und unter anderem den Wunsch nach einem Gemeinde-Kindergarten verwirklicht. So wie beim Kinderhaus der Friedenskirchgemeinde in Altkötzschenbroda sei das zwar nicht gelungen, aber immerhin hat die Gemeinde gemeinsam mit der Kinderarche auf der Hauptstraße einen Kindergarten einrichten können. Für das ebenfalls lang gewünschte neue Gemeindehaus liegt inzwischen der Bauantrag im Rathaus. Für Radebeul vielleicht noch wichtiger sind die vielen Projekte, die Mendt angeschoben hat: Die Radebeuler Tafeln, die Weihnachtslotterie zugunsten Bedürftiger oder die Arbeit mit Aussiedlern. Nichts davon habe er allein geschafft, immer nur gemeinsam mit hilfsbereiten Menschen etwas erreicht, betont der 58-Jährige. "Ich hatte die unwahrscheinliche Chance, Menschen zu begegnen, die sich alle in unterschiedlicher Weise einbringen."

Jetzt steht ein doppelter Rollenwechsel an. Als ehemaliger Pfarrer will Mendt der Lutherkirchgemeinde erhalten bleiben und sucht eine Wohnung in Radebeul. Sein Kollege Christof Heinze muss dort künftig die Leitung übernehmen, die er Mendt lange Jahre überlassen hat. Steckt darin nicht Konfliktpotential? "Ich denke nicht. Pfarrer Heinze und ich verstehen uns sehr gut", sagt Mendt. Pfingsten soll er offiziell als Pfarrer verabschiedet werden.

Was ihn in Dresden erwartet, wisse er wohl erst nach einem halben Jahr Einarbeitung ganz genau, meint Mendt. Zu seinen Aufgaben gehört die Leitung vor ethischen Schulungen in der Polizistenausbildung. Besondere Herausforderung wird aber die Seelsorge sein. "Polizisten geraten immer wieder zwischen die Fronten, haben Gewissenskonflikte", sagt Mendt. In "kritischer Solidarität" wolle er die Arbeit der Polizisten begleiten, wohl wissend, dass die es in sich hat. "Zunehmend Drogenproblematik, Stellenkürzungen, Unfälle, harte Einsätze, Schicksalsschläge", zählt er Probleme auf, die Polizisten einen Gesprächspartner suchen lassen. Oft auch am Wochenende oder nachts. "Mein Vorgänger war immer erreichbar. Ich weiß noch nicht, ob ich das auch so machen werde."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.04.2014

Uwe Hofmann

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