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Vogelexperte Ulrich Augst beringt den diesjährigen Wanderfalkennachwuchs

Greifvögel in der Sächsischen Schweiz Vogelexperte Ulrich Augst beringt den diesjährigen Wanderfalkennachwuchs

Wanderfalken erhalten wieder ihren „Personalausweis“. Vogelexperte Ulrich Augst beringt den diesjährigen Nachwuchs. Jede Ringnummer gibt es nur einmal. Ob es ein geburtenstarker oder -schwacher Jahrgang an Greifvögeln ist, berichtet der Sebnitzer im DNN-Interview.

Im Schnitt gibt es pro Jahr zwischen 30 und 40 junge Wanderfalken in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz.
 

Quelle: Mike Jäger

Sächsische Schweiz.  Ulrich Augst ist wieder in die Felsen des Elbsandsteingebirges unterwegs. Seit 1995 beringt der Vogelexperte aus Sebnitz seltene Arten wie den Wanderfalken. Wie es den Greifvögeln geht, berichtet er im Interview.

Frage: Herr Augst, Sie sind wieder in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz, um Wanderfalken zu beringen. Wie viele Jungtiere haben Sie bereits entdeckt?

Ulrich Augst: Bisher sind es drei Jungvögel. Die Beringung geht erst los. Wir waren gestern und vorgestern unterwegs und am Freitag sowie nächste Woche halten wir nach weiteren Horsten Ausschau. Die Jungtiere müssen eine bestimmte Größe haben. Ich kann ja keine Eier oder Babys beringen.

Ist in diesem Jahr ein geburtenstarker Jahrgang bei den Wanderfalken zu erwarten?

Ein gutes Jahr ist weniger zu erwarten, eher ein schlechtes. Wir haben an drei Plätzen gar keine Brut. Und wir mussten schon drei Brutverluste feststellen. Aber für eine abschließende Bilanz ist es einfach noch zu früh. In manchen Horsten sind die Kinder noch viel zu klein, um sie zählen zu können.

Haben Sie für die Geburtenverluste schon einen Grund ausmachen können? Wanderfalken gelten als besonders störanfällig, weshalb Kletterfelsen während der Brutzeit gesperrt sind.

Bei uns gibt es den Kohlraben, den Uhu oder den Habicht, die beispielsweise als Nesträuber in Frage kommen. Den genauen Grund bekommt man nie heraus. Wir können ja nicht rund um die Uhr alle Horste beobachten. Für Geburtenverluste durch menschliches Verhalten habe ich keinen Nachweis. Und bei den drei Paaren, die ohne Nachwuchs blieben, war mindestens einer der Partner erst im Vorjahr geschlüpft. Ich sage immer, sie sind unter 14 Jahre, also quasi noch Teenager und damit zu jung für eine Elternschaft.

Seit 1972 waren Wanderfalken in der Sächsischen Schweiz ausgestorben. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft führte zu dünnen und zerbrechlichen Eischalen. So blieb der Nachwuchs aus. Anfang der 1990er Jahre begann die Wiederansiedlung im Nationalpark Sächsische Schweiz. Wie hat sich die Population der Greifvögel seither entwickelt?

Gegenwärtig gibt es rund 30 Paare. Sie leben in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz. Beide Gebiete kann man nicht getrennt voneinander betrachten. Denn ein Jahr brütet ein Paar diesseits, ein anderes jenseits der Grenze. Der Bestand ist für unsere Region ausreichend. Mehr Paare passen fast nicht mehr her. Denn es ist auch eine Futterfrage. Man muss ja nur einmal rechnen: jedes Paar kann rein theoretisch bis zu vier Jungtiere großziehen. Das wären bis zu 120 Jungvögel, die zu den 60 Elternvögel plus einiger Einzelvögel pro Jahr hinzukämen. So viele Drosseln, Stare und gar Tauben als auch kleinere Singvögel wie Buchfinken – in manchen Revieren stehen ab und zu auch Fledermäuse auf dem Speiseplan - gibt es hier gar nicht, um alle satt zu bekommen.

120 Jungvögel wären das Optimum an Nachwuchs pro Jahr. Wie viele Jungtiere sind es im Schnitt in der Realität?

In Wirklichkeit sind es viel weniger. Das Futterangebot limitiert. Der Durchschnitt liegt bei 30 bis 40 Jungtieren pro Jahr in der Gesamtlandschaft, also in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz zusammen. Wie viele Eier ein Paar legt, hängt mit dem Nahrungsangebot im Frühjahr zusammen. Wenn der Winter lang war oder der Frühling sehr nass ist, dann gibt es einfach weniger Nachwuchs. Und wenn es drei Tage lang ohne Pause regnet, dann wird das jüngste Tier von den anderen aufgefressen.

Den Ring, den Sie um ein Bein eines Jungtieres legen, verglichen Sie einmal als mit einem Pass. Denn jede Ringnummer gibt es nur einmal und anhand derer können Sie die Bewegung dieser Greifvögel beobachten. Nun tragen Wanderfalken nicht ohne Grund diesen Namen. Wo wandern denn die in der Sächsischen Schweiz geborenen Vögel hin?

Ein Männlein ist einmal bis zur französischen Atlantikküste geflogen. Ein anderes war innerhalb von elf Tagen in Verona. Das sind aber Ausnahmen. In der Regel bleiben die Männchen in der Nähe ihres Geburtsortes und die Weibchen ziehen sehr weit umher. So kommt es zur genetischen Durchmischung der Populationen und Inzucht wird verhindert.

Von Silvio Kuhnert

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