Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Verwirrung nach Wegfreigabe in der Sächsischen Schweiz

Fehlende Ausschilderung Verwirrung nach Wegfreigabe in der Sächsischen Schweiz

Ende November letzten Jahres verkündete die Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz die Öffnung eines bisher nicht freigegeben Weges in der Kernzone im Bereich Kleiner Winterberg. Der Obere Fremdenweg darf seitdem wieder bewandert werden. Dumm nur, dass niemand den Weg fand.

Hochsitz auf dem Winterberg.

Quelle: Mike Jäger

Sächsische Schweiz. Ende November letzten Jahres verkündete die Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz die Öffnung eines bisher nicht freigegeben Weges in der Kernzone im Bereich Kleiner Winterberg. Der Obere Fremdenweg darf seitdem wieder bewandert werden. Der Weg dient als Zugang zu einem historischen Jagdpavillon. Dumm nur, dass niemand den Weg fand. Schilder und Farbzeichen gab es zur Freigabe noch nicht. Insider kennen zwar den Verlauf, in der Kernzone dürfen aber nur gekennzeichnete Wege begangen werden. Alle anderen Steige sind tabu.

Mittlerweile ist der Weg markiert und somit für jedermann legal zum Wandern da. Dort wo der Untere Fremdenweg vom Reitsteig abzweigt, gibt es eine Selbsthilfebox mit Utensilien zur Erstversorgung Verletzter. An dem Blechschrank ist ein kleines Schild mit grünem Pfeil angeschraubt. Ein sehr dezenter Hinweis, welcher die Richtung des Oberen Fremdenweges vorgibt. Die Arbeitsgruppe Wegekonzeption hatte vereinbart, die Markierung zurückhaltend anzubringen, damit der Bergsteig keine Lockwirkung für zu viele Touristen entfaltet.

Der Pfad führt anfangs durch Gehölz mit schlanken Birkenstämmen. Später auf dem Weg zum Jagdpavillon durchquert man einen eindrucksvollen alten Buchenwald. In manch dickem Stamm entdeckt der Wanderer Bruthöhlen. Durch die hohen Kronen schweift der Blick nach Osten, weit in die Hintere Sächsische Schweiz. Zwischen grün bemoosten Sandsteinblöcken kommt Basaltgestein zum Vorschein.

Natur Natur sein lassen

Auf der Wanderkarte „Schrammsteine, Affensteine“ vom Schandauer Kartograph Rolf Böhm ist der Obere Fremdenweg allerdings mit einem etwas anderen Wegverlauf eingezeichnet. Eigentlich startet der Weg dort, wo bei einer Bankgruppe am Reitsteig ein Kernzonenschild darauf verweist, hier gilt: „Natur Natur sein lassen“ – dem Motto der Nationalparkverwaltung. Von Borkenkäfern kahl gefressene Fichten sind entwurzelt und umgestürzt. Brombeeren wuchern darüber. Junge Buchen, kleine Ebereschen wachsen. Zwischen den Wurzeltellern reckt sich sogar eine kleine Tanne empor. Altes Todholz und Licht spenden Raum für neues Leben. Die typische Wildnis im Nationalpark.

Für Wanderer kann es zur Verwechslung mit einem anderen Weg kommen, der von hier zu einer Jagdfläche auf dem Gipfel des Kleinen Winterbergs führt. Zumal dieser Weg eindeutig zu erkennen ist. Farbmarkierungen gibt es auch. An Bäume sind gelblich grüne Punkte gesprüht, ursprünglich auffallend leuchtend, mittlerweile abgewaschen und verblasst. Hanspeter Mayr, Pressesprecher der Nationalparkverwaltung, meint, eine Verwechslungsgefahr zwischen dem Zugang zur Jagdfläche und dem Zugang Oberer Fremdenweg sei nicht zu befürchten. „Markierungen haben wir dort nicht angebracht.“

Viele Fußspuren bezeugen, dass trotzdem etliche Wanderer den Weg nutzen. Wer dem Weg folgt, gelangt zu einer Wiese, halb so groß wie ein Fußballplatz. Im Eck steht eine Jagdkanzel. Vom stabil gebauten Anstand mit Holzstreben und Pfählen, die auf Betonsockeln ruhen, ist die Wiese gut einsehbar.

Eine Jagdeinrichtung mitten in der Kernzone ─ wo sich die Natur ohne jegliche menschliche Einflüsse entwickeln darf ─ wie ist das zu erklären? Eigentlich sollen im Nationalpark Störungen von wildlebenden Tieren ferngehalten werden. Das Töten wilder Tiere ist verboten, Mayr dazu: „Im gegenwärtigen Entwicklungsstadium des Nationalparks ist das An- und Aufwachsen der natürlichen Vegetation wichtiger als ein zu hoher Wildbestand.“ Das Wild würde die jungen Bäume abfressen oder kahl fegen. Deshalb werden für eine Übergangszeit auch in der Kernzone Wildäcker benötigt. Dies trifft auch auf andere deutsche Nationalparke zu. Kein Park ist so, dass er ohne Wildregulierung auskommt. Die natürlich lenkenden Kräfte fehlen. Wildbestandsregulierung durch Jagd ist wichtig zum Erreichen naturnaher Wälder.

Bis der Wolf zurück kommt

In der äußerst exakten Böhmkarte ist sogar der Hochsitz eingezeichnet. Böhms Wanderkarten sind berühmt für ihren Detailreichtum. Auch manch gesperrter Pfad ist vermerkt. Dass in der Wanderkarte der Obere Fremdenweg seit jeher eingezeichnet war, verhilft der Karte nun zu einer plötzlichen Aktualität. Böhm meint: „Ich bin immer für einen freigegebenen Wanderweg mehr als einen zu wenig. Und, dass gejagt werden muss ist klar.“ ─ Bis eventuell der Wolf zurück kommt in die Sächsische Schweiz?

Von Mike Jäger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

Die Friedensburg gehört als fester Bestandteil zu Radebeul. Soll sie zukünftig wieder als Gaststätte genutzt werden? Und falls ja, wie genau? Sagen Sie uns Ihre Meinung und stimmen Sie ab! mehr