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Verursacher des Weinskandals offenbar identifiziert

Genossenschaftswinzer verwendet verbotenes Pflanzenschutzmittel Verursacher des Weinskandals offenbar identifiziert

Verursacher des sächsischen Weinskandals ist offenbar ein Genossenschaftswinzer. Das sagte Winzer Jan Ulrich aus Diesbar-Seußlitz am Freitag vor Journalisten.

Quelle: dpa

Diesbar-Seußlitz/Meißen.  Verursacher des sächsischen Weinskandals ist offenbar ein Genossenschaftswinzer. Das sagte Winzer Jan Ulrich aus Diesbar-Seußlitz am Freitag vor Journalisten. Seine Ehefrau Carola Ulrich, ebenfalls gelernte Winzerin, ist Inhaberin der geschädigten Kellerei. Demnach hat die Kellerei die Trauben des belasteten Goldrieslings und des zurückgerufenen Müller-Thurgau von Landwirt Ulrich Friede erhalten, der auf 0,5 Hektar Rebstöcke kultiviert. Dieser ist aber selbst Geschädigter und besorgt um seinen bisher guten Ruf: „Meinen Pflanzenschutz hat der langjährige Genossenschaftswinzer Fred Lange gemacht“, sagte Friede den DNN. Das wüssten die Behörden schon länger. Nun erwarte er Aufklärung von den zuständigen Stellen darüber, was beim Pflanzenschutz schief ging. Vom Winzerhof Fred Lange war am Freitag niemand zu erreichen. Lange bewirtschaftet dem Vernehmen nach mehrere Hektar Rebfläche und liefert die Trauben mehrerer Rebsorten an die Winzergenossenschaft Meißen. Tatsächlich kursieren in der Winzerschaft seit Dezember 2015 die Namen Friede und Lange als mutmaßliche Anwender des im Weinbau verbotenen Insektizids Dimethoat. Behörden wollten diese mit Verweis auf Datenschutz und geltende Unschuldsvermutung nicht öffentlich nennen.

Winzer Jan Ulrich sieht im Ausbringen verbotenen Pflanzenschutzes ein „kriminelles Handeln“. Auf den 13 Hektar seines Weingutes würden hingegen gar keine Insektizide eingesetzt, deshalb sind auch nur Weine des Kellereibetriebes betroffen – 4.000 Liter rechtzeitig gesperrter Goldriesling und mehr als 9.000 Liter Müller-Thurgau, der bereits an etwa 50 Händler geliefert wurde. Ulrich kauft nach eigenen Angaben Trauben von 80 Erzeugern an und lässt die daraus vergorenen Weine nun alle vorsichtshalber untersuchen, bevor sie verkauft werden. Ähnlich verfährt die Winzergenossenschaft Meißen, wo das genaue Ausmaß noch nicht feststeht. Vom belasteten Müller-Thurgau aus Diesbar-Seußlitz gehe keine Gesundheitsgefahr aus, betonte Ulrich noch einmal. Der belastete Goldriesling gelangte nie in den Verkauf. Den Schaden für seinen Betrieb bezifferte der Winzer mit 100.000 Euro. Mit Traubenlieferant Friede wolle er aber weiter zusammenarbeiten, da diesen keine Schuld treffe. Allerdings wolle er sich künftig detaillierte Spritzpläne vorlegen lassen.

Kritik übt Carola Ulrich am Weinbauverband Sachsen, der beim Krisenmanagement komplett versage. Wegen der hohen Mitgliedsbeiträge sei man zwar nicht im Weinbauverband, hätte sich aber aufgrund des Imageschadens für den gesamten Sachsenwein ein wenig Unterstützung erhofft. Nach den jetzigen Erfahrungen trete man auf absehbare Zeit nicht ein. „Einen solchen Weinbauverband braucht kein Mensch“, sagte die Winzerin. Sie hofft nun, dass die vielen Stammkunden dem Familienbetrieb treu bleiben, der sich seit Gründung Anfang der 1990er-Jahre einen guten Ruf in der Region erarbeitet hat.

Von Lars Müller

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