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Verschiedene Welten - das Dienstagskonzert auf dem Moritzburg Festival

Verschiedene Welten - das Dienstagskonzert auf dem Moritzburg Festival

Zwischen beiden Konzertteilen im Moritzburger Monströsensaal lagen Welten - beileibe nicht qualitativ, aber gedanklich und musikalisch. Zuerst wandte man sich dem Diesseits zu, Kasualmusik im besten Sinne, in diesem Falle aus der höfischen Sphäre des 18. Jahrhunderts bzw.

der Tangowelt des Astor Piazzolla. Nach der Pause stand dann - für das Moritzburgfestival wieder einmal - Olivier Messiaens "Quatuor pour la fin du temps" auf dem Programm, das auf der Apokalypse des Johannes basiert und in dem die Endzeitstimmung auf die Vision der Ewigkeit trifft.

Ein wundervolles, heiteres Celloduett - Christian Poltéra und Jan Vogler - von Jean-Baptiste Barriere eröffnete den Reigen. Reizvoll und außergewöhnlich effektvoll, einschließlich langer und kurz angerissener Glissandi prägte dann Piazzollas Streichquartett "Four for tango". Mira Wang, Philippe Quint, Nils Mönkemeyer und Nicolas Altstaedt widmeten sich diesem musikalischen Feuerwerk, wahrlich mitreißend. Die schon erlebte Piazzolla-Besetzung Wang, Vogler und Perez ließ dann zwei Filmmusikausschnitte erklingen, in melancholischer Weichheit "Oblivon" und die aus einer kunstvollen Fugenstruktur entwickelnde Szene "La muerte del angel".

Zum Markenzeichen des Moritzburger Kammermusikfestivals gehört, dass es in all den Jahren hinsichtlich der Qualität der ausübenden Musiker fast nie eine Enttäuschung gab. Für die Leistung an diesem Abend gebührt aber der Geigerin Mira Wang ganz besondere Hochachtung. Wie sie interpretatorisch, stilistisch und gestalterisch den Sprung von Piazzolla zu der strengen, sehr speziellen Tonsprache Messiaens so ganz selbstverständlich fand - das war einfach toll! Das "Quartett vom Ende der Zeit" schrieb der gläubige Katholik Messiaen im Görlitzer Kriegsgefangenenlager 1940/41. Seine eigenwillige Besetzung mit Klarinette, Violine, Cello und Klavier hängt damit zusammen, dass es neben dem Pianisten Messiaen eben nur noch drei derartige Instrumentalisten in dem Lager gab. Die Wiedergabe durch Alice Sara Ott (p), Mira Wang, Christian Poltéra und dem Klarinettisten Daniel Ottensamer darf sicher zu den ganz großen Höhepunkten des Festivaljahrgangs gerechnet werden. Wie faszinierend und schattierungsreich sang die Soloklarinette über den Abgrund der Vögel, welch sachte Akkordwellen entlockte die Pianistin ihrem Instrument bei der Beschreibung des Regenbogens, was für zupackende Kontraste, welche rhythmische Prägnanz beim Durcheinander der Regenbogen und schließlich der innige Lobgesang auf die Unsterblichkeit Jesu im 5. Satz für Cello und Klavier bzw. in seinem Gegenstück für Violine und Klavier im 8. Satz! Berückend schön und sensibel, gleichsam in sich hineinhörend, musizierten Christian Poltéra bzw. Mira Wang und die absolutes Feingefühl präsentierende Alica Sara Ott diese Teile. Da machte sich das Gefühl von Trost und ewigem Frieden breit.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.08.2013

M.Hanns

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