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Verhaltene Stimmung bei Winzern auf Meißner Weinfest

Verhaltene Stimmung bei Winzern auf Meißner Weinfest

Meißen. Auf der Bühne vor dem Rathaus gibt es volkstümliche Musik im Stil des Oberhofer Bauernmarktes. Die Stimmung ist verhalten auf dem Meißner Weinfest.

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Die Winzerinnen Birka Schabehorn (li.) und Anja Fritz nutzen eine Pause, um selbst einmal anzustoßen.

Quelle: Lars Müller

 Wenigstens scheint das Musikantenduo den Verkauf des Federweißers anzukurbeln. Nach zwei, drei Gläsern des pappsüßen Traubenmostes schunkeln immerhin die ersten Senioren auf den Bierbänken mit, während die Champignonpfanne im Plastikschälchen auf dem Tisch vor ihnen dampft.

Ansonsten laufen die Geschäfte an den Weinständen und "Fressbuden" eher zäh. Ein Winzer sagt, auf dem Winzerstraßenfest in Weinböhla stiegen die Umsätze von Jahr zu Jahr. In Meißen hingegen stagnierten sie oder seien rückläufig. Andere Winzer bestätigen diese Entwicklung. Dabei wird in der gesamten Altstadt ein buntes Programm für die ganze Familien geboten. Erneut 50 000 Besucher, darunter viele Touristen, sind nach Angaben des Gewerbevereins gekommen und haben den Wein und das Kulturprogramm genossen. Die wirklich guten Bands waren eher auf den kleinen Bühnen in den verwinkelten Altstadtgassen zu finden.

Dort schlenderte auch Yayoi Shigemune. Die junge Frau stammt aus Japan, lebt derzeit in Magdeburg und war extra zu den Weinfesten ins Elbland gekommen. Sie liebe deutschen Wein, erklärte sie auf Englisch. Zuerst hat sie sich einen roséfarbenen Federweißer geholt, danach wollte sie die fertigen sächsischen Weißweine des Jahrgangs 2014 oder ältere Rote probieren.

Ein alter Hase auf dem Meißner Weinfest ist Dieter Rienth, ein Winzer aus der Meißner Partnerstadt Fellbach. Seit 1990 schenkt er immer wieder einmal am Stand der Weingärtner Fellbach, der dortigen Genossenschaft, aus. Er kennt viele sächsische Winzer persönlich. Auf seinen eigenen zehn Hektar in Württemberg stehen Trollinger, Spätburgunder, Schwarzriesling und Lemberger. Eigentlich müsste er statt in Meißen daheim im Weinberg stehen und bei der Lese helfen.

Das aber geht vielen einheimischen Weinbauern nicht anders: Das Weinfest findet genau dann statt, wenn der Winzer die meiste Arbeit im Berg und im Keller hat. Und so schieben nicht wenige Winzer vor oder nach dem Ausschank am Weinstand noch eine Extra-Schicht in ihren Kellereien. Hinzu kommt, dass diejenigen, die auf dem Markt ausschenken, vom Gewerbeverein auch noch zur Teilnahme am großen Festumzug verdonnert werden. Andernfalls drohen Strafgebühren oder die Verbannung vom Markt. Gewerbevereinsvorstand Uwe Reichel sagte den DNN, die Winzer würden nach seiner Einschätzung trotz der vielen Arbeit auf dem Fest und in den Weingütern gerne am Umzug teilnehmen, um so für sich, ihre Weine und das gesamte Elbland zu werben.

Viele Meißner Weinfreunde steuern jedes Jahr beim Weinfest aber auch ganz gezielt zu den Fellbacher Weingärtnern, um sich mit Rotweinen aus der Partnerstadt einzudecken. Fast 3000 Flaschen würden ausgeschenkt oder verkauft, sagt Rienth, was für die Württemberger durchaus beachtlich ist. Das Winzerurgestein kann auch den sächsischen Weißweinen etwas abgewinnen. Selbst zu einem guten Goldriesling sagt er nicht "nein". Müller-Thurgau und Traminer von den Elbhängen würde er empfehlen, wenn er nach einem fachkundigen Tipp gefragt würde.

Gleich neben den Fellbachern schenken Meißner Winzergenossen aus. Das passe perfekt. Inzwischen habe der Sachsenwein das Niveau anderer Anbaugebiete erreicht, vor 25 Jahren war das noch ganz anders. Der Wein aus der Gegend rund um Meißen war in der DDR vor allem eine Währung. "Wein war wie Westgeld", erinnert sich Hans-Peter Kellner, Genossenschaftswinzer aus dem Spaargebirge.

Der Hobbywinzer ärgert sich auf dem Meißner Weinfest vor allem über die zunehmende Zahl von "Rucksacktouristen", wie er sagt. Er meint die Besucher, die im Supermarkt vergleichsweise preiswert sächsische Weine kaufen und dann im Rucksack mit zum Weinfest bringen. Das Problem scheint hausgemacht: Besonders die großen Weinbaubetriebe drücken augenscheinlich Reserven aus ihren Kellern über den Lebensmitteleinzelhandel in den Markt. Es sei dann keinem Weinfreund zu vermitteln, wenn genau diese Betriebe über höhere Ausschankpreise auf dem Weinfest philosophierten, hieß es. Was in der Region fehle, das haben viele Winzer ausgemacht, sei eine kaufkräftige Mittelschicht in Weintrinker-Alter zwischen 30 und 60 Jahren. Das mache sich auf den Weinfesten zunehmend bemerkbar.

Zurück auf dem Meißner Markt haben die Volksmusikanten ihr Repertoire bewältigt. Die Sonne hat sich durch die Wolken gekämpft, die Stimmung steigt spürbar und an den Weinständen bilden sich erste, kurze Schlangen. Den Winzerinnen und Winzern huscht endlich ein Lächeln übers Gesicht. Ein wenig frischer Wind würde dem Meißner Weinfest und dem nicht gerade als harmonisch geltenden Gewerbeverein, der alljährlich das Fest mit reichlich Engagement stemmt, allerdings nicht schaden, meint einer der Weinbauern. Schließlich hat das gut 1000-jährige Meißen ein Ambiente zu bieten, das durchaus zu einem stilvollen Weinfest taugt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.09.2015

Lars Müller

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