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Veit Riffer bietet Touren für Menschen mit Handicap an

Trotz Querschnittslähmung nach Kletterunfall Veit Riffer bietet Touren für Menschen mit Handicap an

Veit Riffer ist querschnittsgelähmt und geht regelmäßig wandern. Pro Jahr legt er rund 11000 Kilometer zurück - mit dem Handbike. Seit seinem Kletterunfall 1999 ist es sozusagen sein wichtigster Begleiter.

Veit Riffer (r.) ist mit seinem Schweizer Sportfreund Rudolf Weiler unterhalb der Affensteine, unterwegs.

Quelle: epd

Pirna. Veit Riffer ist querschnittsgelähmt und geht regelmäßig wandern. Pro Jahr legt er rund 11000 Kilometer zurück - mit dem Handbike. Seit seinem Kletterunfall 1999 ist es sozusagen sein wichtigster Begleiter. Der 48-jährige Mann mit Handicap fährt damit nicht nur in der heimatlichen Sächsischen Schweiz, sondern seit einigen Jahren auch über die Alpenpässe.

Handbikes sind vergleichbar mit einem Liegerad, allerdings mit drei Rädern ausgestattet. Sie werden ausschließlich durch die Arme angetrieben und eignen sich daher hervorragend für Rollstuhlfahrer. Zum Deutschen Wandertag an diesem Wochenende bietet Riffer barrierefreie Touren mit seinem Lieblingsgefährt an.

Riffer kennt das Elbsandsteingebirge wie seine Westentasche. Der Pirnaer wandert dort seit seinem sechsten Lebensjahr. Mit 16 Jahren verschrieb er sich dem Kletten auf den sächsischen Sandsteinfelsen. Fast jeden der mehr als 1000 Gipfel hat der kleine, drahtige Mann erstürmt. „Ich habe es manchmal auch übertrieben“, räumt er ein. Schließlich ereignete sich der Unfall, 1999, kurz nach seinem 31. Geburtstag. „Es war mein Fehler“, sagt Riffer. Einen Sicherungshaken hatte er nicht fest genug gesetzt, dieser riss ab und Riffer stürzte aus etwa 15 Metern Höhe in die Tiefe. Ohne seinen Freund, der mit ihm an diesem Tag unterwegs war, hätte er wahrscheinlich nicht überlebt.

„Natürlich war das ein herber Einschnitt und natürlich war das schmerzlich“, sagt er. Aber verbittert sei er nicht - auch wenn manchmal Wehmut aufkommt. Er habe immer nach vorn geschaut. „Die neue Situation nahm ich auch als sportliche Herausforderung“. Er habe vor allem „nicht auf etwas warten wollen, was nicht kommt“, sagt der Querschnittsgelähmte.

„Ich kann zwar nicht mehr die Berge erklettern, aber mit dem Handbike kann ich sie hochfahren“, sagt Riffer. Alpenpässe seien zwar keine Gipfel, böten jedoch ebenfalls eine sehr schöne Aussicht. Diese müsse allerdings „mit viel Schweiß“ erfahren werden, sagt er. Etwa 100 Pässe habe er mit seinem Bike schon erwandert. An einem Tag legt er zum Teil 200 Kilometer zurück. Unterwegs bekomme er so viele positive Rückmeldungen. Motorradfahrer etwa zeigten ihm öfter mal die erhobenen Daumen.

In diesem Jahr legte er schon rund 5000 Kilometer mit dem Handbike zurück. „Einmal Bergsteiger, immer Bergsteiger“, sagt der studierte Wirtschaftsinformatiker, der auch gern in die Oper geht. Er sei schon „sehr exzessiv sportlich unterwegs“ - noch immer.

Das Klettern - so wie er es von früher kennt - sei eine „extrem gute Persönlichkeitsschule“ vom dafür notwendigen Mut bis hin zur möglichen Selbstüberschätzung. Riffer betont: „Es ist eben nicht nur die Kraft an sich, sondern auch eine gute Übung für Kreativität. Im Elbsandsteingebirge muss man sich den Weg auf den Kletterfelsen selbst erarbeiten, die Route ist nicht markiert.“ Sie muss auch selbst gesichert werden.

Nach seinem Unfall hat Riffer eine Ausbildung zum Nationalparkführer absolviert. Seit 2009 darf er sich so nennen. Ehrenamtlich steht er im Nationalpark Sächsische Schweiz für Leute mit Handicap zur Verfügung. Er berät sie, gibt Auskunft zu barrierefreien Wanderungen und Unterkünften. Zudem bietet er Führungen unter anderem zur Bastei, der Festung Königstein oder zur Brandaussicht an.

Sein persönlicher Rekord als querschnittsgelähmter Sportler war eine 36-Stunden-Tour in Norwegen. Er nahm an einem Fahrradrennen teil und legte in dieser Zeit 540 Kilometer zurück. Riffer war einer der wenigen Handbiker. Im Ziel wurde er als Letzter mit Jubel begrüßt.

Von Katharina Rögner, epd

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