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Unter Zeitdruck: Bis Ende des Jahres müssen rund 35.000 Dachziegel auf der Südseite von Pirnas Stadtkirche liegen

Unter Zeitdruck: Bis Ende des Jahres müssen rund 35.000 Dachziegel auf der Südseite von Pirnas Stadtkirche liegen

Zimmerer hämmern, eine Motorsäge kreischt, Dachdecker bergen jeden Ziegel einzeln - wo sonst der Turmfalke den Blick über Pirnas Altstadt in Ruhe genießt, wird seit Mitte Oktober kräftig malocht.

Pirna.

Von Silvio Kuhnert

Die Südseite von Pirnas Stadtkirche St. Marien wird neu gedeckt. Und die Baustelle ist sehr ungewöhnlich. Zum einen befindet sie sich in schwindelerregender Höhe auf Pirnas größtem und höchsten Gebäude. "Der Dachstuhl ist 20 Meter hoch und 45 Meter lang", zählt Manfred Schlotzhauer die Dimensionen des Kirchendaches auf, das sich in reichlich 20 Metern Höhe über dem spätgotischen Bau erstreckt. Der Ingenieur kennt die Maße genau, schließlich plant und betreut er die Sanierung und dies nicht zum ersten Mal. Bereits 1997 und 1998 leitete er Reparaturarbeiten am Dach des Gotteshauses.

Ungewöhnlich ist auch der Termin für den Beginn der Bauarbeiten. "Normalerweise fängt man im Mai an", meint Schlotzhauer. Dachdecker rücken an und decken zehn Meter ab. Dann kommen die Holzgutachter und untersuchen die Schäden am Gebälk. Liegen die Gutachten vor, tauschen Zimmerer morsche Balken, Sparren und Streben aus und bringen anschließend neue Latten an. Danach schließen Dachdecker das Loch mit sogenannten Biberschwänzen. So schreiten die einzelnen Gewerke im Normalfall Streifen für Streifen auf einem Dach voran. "Diese Vorgehensweise gibt mehr Sicherheit vor eindringender Nässe", erklärt Schlotzhauer.

Auf der Marienkirche wird anders gearbeitet, was dem engen Zeitrahmen geschuldet ist. "Bis Ende des Jahres müssen wir fertig werden", informiert Schlotzhauer. Deshalb wird die gesamte Südseite auf einmal geöffnet. Ein vorher im Dachstuhl eingebautes Wetterschutzdach soll die Deckenmalereien im Innenraum der Kirche vor Regen schützen. Außerdem hängen große Planen auf der Außenseite des Satteldachs. Für den späten Baubeginn gibt es einen einfachen Grund. "Die Fördermittel wurden erst Anfang September bewilligt", so Schlotzhauer. Rund 350 000 Euro kostet die Dachreparatur der Südseite. Die Bausumme setzt sich zu je einem Drittel aus Fördermitteln des Bundes, des Landes sowie aus Mitteln der Landeskirche zusammen.

Reparaturbedürftig ist vor allem das rund 700 Quadratmeter große Mittelfeld des Süddaches. Die in den 1950er Jahren verbauten, damals schon gebrauchten Dachziegel werden durch rund 35 000 neue Biberschwänze ersetzt. Gleichzeitig reparieren Zimmerer das Holzskelett. "Die ältesten Hölzer wurden 1510 in Böhmen geschlagen", berichtet ehrfurchtsvoll der Pirnaer Ingenieur, der die Arbeiten an der Stadtkirche als Höhepunkt im Leben eines Bauleiters bezeichnet.

Ein fast 500 Jahre altes Gotteshaus ist eine ewige Baustelle. Am Dachfirst hat Schlotzhauer bereits neue Probleme entdeckt. Mazeration, auch Holzrost genannt, setzt dem Gebälk zu. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Flammschutzmittel am First aufgebracht. Das zerstört nun die Holzoberfläche. "Sie ist wie Watte", schildert Schlotzhauer den Schaden. Ist das Dach neu gedeckt, soll die mit Chlor und Phosphor verseuchte Holzoberfläche im First abgetragen werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.11.2012

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