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Uhrwerke statt Bier in Ullersdorf

Dresdner Uhrmacher hat große Pläne Uhrwerke statt Bier in Ullersdorf

Die Ullersdorfer Mühle war lange Jahre Ausflugslokal am Rand der Dresdner Heide. Das ist Geschichte. Wo früher die Gäste speisen, arbeiten jetzt Feinmechaniker. In die Mühle sind die Uhrenwerke Dresden eingezogen.

Ein Werkteil aus Gold wird in der CNC-Maschine bearbeitet.

Quelle: Foto: Dietrich Flechtner

Ullersdorf. Nein. In dieser Gaststätte am Rand der Dresdner Heide auf halber Strecke nach Radeberg wird schon lange kein Bier mehr serviert. Wo früher Gäste am Mittagstisch saßen, verrichten heute CNC-Maschinen ihren Dienst. „Ab und zu klingeln aber wirklich noch Leute und fragen nach einer Cola“, schmunzelt Marco Lang. Dabei steht es deutlich sichtbar an der Fassade: „Uhrenwerke Dresden“ (UWD).

In dem gelben Gebäude an der Ullersdorfer Landstraße geschehen große Dinge. „Wir wollen hier Uhrwerke in Serie produzieren“, erklärt Lang die Idee des Unternehmens. Er ist Geschäftsführer der Uhrenmanufaktur Lang & Heyne, die nur wenige Kilometer entfernt in Dresden-Bühlau ihren Sitz hat. Mit zwölf Mitarbeitern fertigt Lang dort rund 50 bis 60 hochfeine Armbanduhren im Jahr. Die Uhrenwerke Dresden werden seiner Manufaktur Rohteile liefern. „Dann können wir uns auf die Handarbeit konzentrieren.“ Und perspektivisch bis zu 200 Uhren im Jahr herstellen.

Lang ist aber nur einer von vielen Kunden der UWD, in die der Deutsch-Amerikaner Professor Ulrich Rohde als Kapitalgeber rund zehn Millionen Euro investiert hat. Das Unternehmen soll einmal bis zu 2000 komplette Uhrwerke an Produzenten in der ganzen Welt liefern. Der Hintergedanke für diese Geschäftsidee: Der größte Hersteller von Uhrwerken sitzt in der Schweiz. Der Franken ist teuer geworden, die Preise sind um rund 20 Prozent gestiegen. „Da sehen wir unsere Chance mit Uhrenwerken made in Germany“, erklärt Lang.

Eine Konkurrenz zum Marktführer aus der Schweiz sollen die UWD aber nicht werden. Während die Schweizer Industrie-Werke liefern, werden die Produkte der UWD Manufakturqualität und damit auch einen entsprechenden Preis haben. „Wir gehen einen Schritt höher und peilen Zielpreise von 10 000 bis 15 000 Euro an“, so der Unternehmer, der seine Kompetenzen vor allem in der Konstruktion sieht und sich deshalb mit Oliver Giesenberg einen Geschäftsführer für die UWD geholt hat. Mit Feinmechanik ist Giesenberg bestens vertraut, er war zuletzt Entwicklungsleiter beim Kamera-Hersteller Leica.

Bis zu 32 Arbeitsplätze sollen in der Ullersdorfer Mühle entstehen, während in Bühlau zwölf Mitarbeiter edle Armbanduhren herstellen. „Ich kann mich wieder mehr auf die Technik konzentrieren und am Zeichentisch sitzen“, sagt Lang – für Produktion und Bilanzen in der Mühle ist Giesenberg zuständig. Das erste Uhrwerk aus dem Haus UWD stammt natürlich aus der Feder von Lang – ein sehr modernes mit freier Sicht auf die Zahnräder und zurückhaltenden Schliffen. Der Wertschöpfungsanteil in Ullersdorf beträgt 95 Prozent. Nur Zugfeder, Spirale und Steine lassen sich die UWD zuliefern.

Die Nachfrage nach den Uhrwerken made in Germany sei enorm. „Die Anfragen machen mich fast schon nervös“, sagt Giesenberg und verweist darauf, dass die Produktion nicht von Null auf 100 hochgefahren werden könne. „Das ist ein langwieriger Prozess. Die Abläufe müssen sich einspielen, Wir brauchen Geduld.“ Einen scharfen Start gebe es nicht, es gehe Schritt für Schritt voran. „Wir planen mit zwei Jahren, bis wir dahin kommen, wohin wir wollen“, so der Geschäftsführer.

Wieso lässt sich ein Uhrenhersteller eigentlich in Ullersdorf nieder und nicht im Mekka der deutschen Uhrenindustrie Glashütte? „Wir haben tatsächlich über Glashütte nachgedacht und uns dort auch umgesehen“, sagt Lang. „Aber unsere Ursprünge liegen in Dresden. Glashütte ist ein ganz spezielles Biotop. Wir wollen uns davon auch abheben und keinen Mythos aufbauen.“ Er habe die Uhrenwerke Dresden gegründet, als die Ullersdorfer Mühle noch nicht zur Debatte stand, erklärt der Unternehmer. „Die habe ich über ein Immobilienportal gefunden.“

Für die Qualität der UWD sprechen die Kunden. Der deutsche Hersteller Sinn aus Frankfurt/Main arbeitet mit dem Unternehmen in Ullersdorf zusammen, und das erste produzierte Uhrwerk – das wurde tatsächlich in die Schweiz geliefert, wie Lang verrät. Wenn Bedarf besteht könne auf dem Gelände der Mühle erweitert werden, aber das sei noch Zukunftsmusik. „Jetzt geht es erst mal darum, weitere Werke zu konstruieren und dann zu produzieren.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

Ullersdorfer Mühle 2, 01454 Radeberg 51.07355 13.88451
Ullersdorfer Mühle 2, 01454 Radeberg
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