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Ufos im Anflug - Landschaftstheater in der Sächsischen Schweiz

Ufos im Anflug - Landschaftstheater in der Sächsischen Schweiz

Das Ufo ist mitten auf dem Dorfplatz in Reinhardtsdorf-Schöna gelandet, einem kleinen, abgelegenen Ort inmitten der Sächsischen Schweiz. Es dampft und zischt, Aliens in bunter Plastikkleidung springen über die Wiese und rufen mit mechanischer Stimme: „Das ist also die Erde.

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Beim Stück „Der Fall aus dem All“ wandern Zuschauer mit den Schauspielern durch eine bizarre Felslandschaft in Sachsen. Gespielt wird unter freiem Himmel und an ungewöhnlichen Orten

Quelle: dpa

“ Einige Einwohner sind aus ihren Häusern gekommen und schauen verwundert zu - bei der Probe zum „intergalaktischen Theaterspektakel“, wie Regisseur Uli Jäckle es beschreibt.

Das Stück „Der Fall aus dem All“, hat er der Landschaft mit den bizarren Felsen auf den Leib geschrieben. Sie ist die Bühne für ein ungewöhnliches Theaterprojekt, das am 4. Mai Premiere in Reinhardtsdorf-Schöna feiert. Knapp vier Stunden dauert die Aufführung, die Zuschauer wandern mit den Darstellern von Szene zu Szene - acht verschiedene Aufführungsorte unter freiem Himmel stehen auf dem Programm. Gespielt wird auf einer Wiese, hinter einem Getränkemarkt oder an der Elbe. Auch wer nicht gut zu Fuß ist, kann sich das Stück anschauen: Längere Strecken werden mit dem Busshuttle zurückgelegt. Das Finale wird am Fuß des Zirkelsteins gefeiert, einem kleinen Tafelberg, der eine zentrale Rolle spielt.

„Der Felsen sieht aus wie ein abgestürzter Komet oder ein Raumschiff, das hat uns inspiriert“, erklärt Jäckle. In dem Science-Fiction-Spektakel wollen Außerirdische die Erde erkunden und stranden versehentlich in der Sächsischen Schweiz. Ein wenig ging es auch den Kulturschaffenden so, als sie zum ersten Mal nach Reinhartsdorf-Schöna kamen, sagt Miriam Tscholl, Leiterin der Bürgerbühne am Staatsschauspiel Dresden. Mit Absicht hat das Schauspielhaus den kleinen Ort nahe der tschechischen Grenze gewählt.

Die Macher wollen hier vor allem Menschen erreichen, die selten oder gar nicht ins Theater gehen. So ist das Landschaftstheater-Projekt entstanden, in Kooperation der Bürgerbühne, der Gemeinde Reinhardtsdorf-Schöna und des freien Theaters Aspik in Hildesheim, zu dem auch Jäckle gehört. Nur wenige Profischauspieler sind bei „Der Fall aus dem All“ dabei, im Mittelpunkt stehen 60 Laiendarsteller aus den umliegenden Dörfern, die für das Projekt gewonnen wurden. Der jüngste Spieler ist vier Jahre alt, der Älteste Mitte 80.

Auch Annerose Zimmermann ist dabei, die 62-Jährige spielt die Königin der Außerirdischen. „Im Alter kehre ich zu Dingen zurück, die mich schon als Kind fasziniert haben“, erzählt sie. Ihr Kopfschmuck aus Plastikbechern und kleinen Bürsten wippt bei jedem Wort energisch mit. Auch wenn Theater für sie Neuland ist, war Annerose Zimmermann sofort begeistert, als sie das Plakat mit dem Aufruf gesehen hat. „Vor so einer Kulisse zu spielen, ist traumhaft.“

Mit Hilfe der Außerirdischen will Jäckle aber auch ein ernstes Thema aufgreifen: „Das Fremde, Andersartige und wie man damit umgeht.“ Denn immer wieder macht die Gemeinde auch Schlagzeilen wegen der Wahlerfolge der rechtsextremen NPD: Bei der Landtagswahl 2004 fuhr die Partei hier mit rund 23 Prozent die meisten Stimmen ein, 2009 wurden drei NPD-Mitglieder in den Gemeinderat gewählt.

Bürgermeister Olaf Ehrlich (parteilos) hofft, mit dem Landschaftstheater endlich auch positiv aufzufallen - hat seine Gemeinde in idyllischer Lage doch einiges zu bieten. „Vielleicht zieht es jetzt Menschen hierher, die noch gar nicht wussten, dass es uns gibt.“ Die Reaktionen vor Ort seien gemischt, erzählt der Bürgermeister. Auf jeden Fall sorge das Stück für Gesprächsstoff.

Uli Jäckle sei nicht auf politischer Mission, betont er. Im Vordergrund stehe die Freude am Theater. „Die Leute sind offen und aufgeschlossen, haben einfach Spaß am Spielen“, sagt der Regisseur, der sich mit ungewöhnlichen Inszenierungen auskennt. Seit Jahren führt er in Heersum (Niedersachsen) Landschaftstheater-Projekte auf, auch auf einer Mülldeponie, in einer Industriehalle oder im Discounter wurden seine schon Stücke gezeigt. Alle Widrigkeiten wie etwa Regen oder können ihn und seine Schauspieler nicht abhalten. „Wir spielen und es wird ein großes Fest für alle.“

Christiane Raatz, dpa

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