Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+
Überraschende Funde im Meißner Gotteshaus

Überraschende Funde im Meißner Gotteshaus

Äußerst interessante Funde förderten Archäologen jetzt bei Bauarbeiten in der Meißner Frauenkirche zutage - eine Gedenkhülse, die ein Schreiben des kurz zuvor beurlaubten Generalsuperintendenten Karow an Hitler enthält, und zwei Grüfte mit Gebeinen, von denen man noch nicht weiß, aus welcher Zeit sie stammen.

Voriger Artikel
Räuber stehlen Frau ihr Handy – Pirnaer Polizei sucht Zeugen
Nächster Artikel
15-jährige Radfahrerin stirbt bei Verkehrsunfall in Breitenau

Vom Turm aus bietet sich nicht nur ein schöner Blick auf Meißen, sondern auch auf das neu gedeckte Dach. 24 000 neue Dachziegel liegen da jetzt drauf.

Quelle: Martin Förster

Gegenwärtig wird die neue Heizungsanlage in das Gotteshaus eingebaut. Im September kommt der Turm an die Reihe. Ursprünglich sollte die Kirche bis Ende des Jahres Gottesdienstbesuchern und Gästen verschlossen bleiben. Jetzt ist von Weihnachten 2015 die Rede.

Völlig überraschend fanden Archäologen unterm Turmfuß in der Frauenkirche neben einem alten Bauhelm und einer Zigarettenschachtel zwei Gedenkhülsen. In einer von ihnen befand sich ein Brief von Generalsuperintendent Emil Karow an Reichskanzler Hitler vom 29. Juni 1933. Einen Tag vorher war Karow beurlaubt worden, berichtet Ina Heß, Sprecherin der Kirchgemeinde St. Afra. Das preußische Kultusministerium habe damals offenbar die Superintendenten der evangelischen Kirche abgesetzt und dafür ihnen genehme Leute eingesetzt. Warum die Rolle erst 1933 in die Gedenkhülse eingelegt wurde, ist Ina Heß im Moment schleierhaft: "Bauarbeiten an der Kirche fanden ja bereits 1928 statt, davon zeugt ein ,Meißner Tageblatt' aus dem Jahr, das wir gleichfalls in der Hülse gefunden haben."

Weniger mysteriös, aber auch interessant ist ein zweiter Brief aus dem Jahr 1979, der sich ebenfalls in der Rolle befand. Auch in diesem Jahr wurde an der Kirche gebaut. Im Brief von Superintendent Dieter Auerbach heißt es unter anderem: "Schwierigkeiten in der Belieferung der Bevölkerung mit Waren des täglichen Bedarfs führen immer wieder zu panikartigen Käufen und schwunghaftem Tauschhandel."

Unterdessen kommen die Bauarbeiten im Inneren der Kirche voran: Die Heizungen an den Wänden und den Emporenunterseiten seien bereits eingebaut worden, informiert Architekt Jürgen Singer, der zur Kirchgemeinde gehört und die Sanierung bzw. den Umbau leitet. Jetzt kommt die Heizung im Sockelbereich der Kirchenbänke an die Reihe. Dabei handelt es sich um Matten aus wenigen Millimeter starken blauen Plaströhren, durch die künftig warmes Wasser fließen soll. "Ursprünglich haben wir gedacht, dass wir Weihnachten wieder in der Kirche feiern können", sagt Architekt Singer. Davon hat man sich inzwischen verabschiedet. Pfarrer Uwe Haubold orientiert jetzt auf Weihnachten 2015. So ein Riesenbauvorhaben lasse sich nicht übers Knie brechen, meint Ina Heß.

"Im Herbst nach dem Weinfest haben wir damit begonnen, die Fundamente auf der Südseite der Kirche zu verlängern", berichtet Singer weiter. Die Nordseite der Kirche sei auf Fels gegründet, die Südseite aber auf Sand. Mit der Verlängerung sei das statische Defizit behoben worden. Auch das reichlich 1000 Quadratmeter große Kirchendach sei inzwischen fertig saniert worden. "24 000 neue Biberschwänze liegen da jetzt drauf", verrät Ina Heß. Bis Anfang kommender Woche sollen noch die Fallrohre montiert und die Blitzschutzanlage komplettiert werden. Voraussichtlich im September beginnt die Sanierung des dann wieder eingerüsteten Turms. Sie wird sich vermutlich bis in den Winter hinein ziehen. Der schadhafte Außenputz soll erneuert werden. "Im Inneren wollen wir den Turmumgang und das Holztragwerk instandsetzen", teilt der Architekt mit. Noch bis Ende August haben Besucher die Möglichkeit, den Turm zu besteigen.

Auch im Kircheninneren gehen die Bauarbeiten weiter: Die Kapelle wird barierrefrei zum "Raum der Stille" umgebaut. Für die Innenausstattung des Raums hat das Gustav-Adolph-Werk, ein evangelisches Hilfswerk, 4000 Euro spendiert. Und den Einbau einer barrierefreien Toilette fördert der Landkreis Meißen aus dem Investitionsprogramm "Lieblingsplätze für alle".

Seit Monaten sammelt die St. Afra-Kirchgemeinde Spenden für die neue Orgel (DNN berichteten). Wann sie erklingen wird, ist noch unklar - vielleicht 2016, vielleicht 2017. Damit die Gottesdienste künftig nicht ohne Orgelspiel auskommen müssen, könnte eventuell die kleine transportable Orgel aus der St. Afra-Kirche mit hinüber in die Frauenkirche genommen werden. "Denn die Afra-Orgel wird aller Voraussicht nach schon Mitte nächsten Jahres komplett fertig", blickt Gemeindesprecherin Heß schon mal voraus. Eine "großzügige" Spende macht das möglich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.08.2014

Richter, Katrin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

Die Friedensburg gehört als fester Bestandteil zu Radebeul. Soll sie zukünftig wieder als Gaststätte genutzt werden? Und falls ja, wie genau? Sagen Sie uns Ihre Meinung und stimmen Sie ab! mehr